Risse Baumgartlinger Mainz

Im 128. Versuch: Risses Hammer als doppelter Mental-Kick

Mit seinem Traumtor zum zwischenzeitlichen 1:2 legte Marcel Risse den Grundstein für eine verrückte Aufholjagd des 1. FC Köln beim 1. FSV Mainz 05. Die Geissböcke konnten sich auch bei ihrem Rechtsaußen bedanken, dass am Ende die so wichtigen drei Punkte auf der Habenseite standen. Auch für Risse selbst war das Tor eine Befreiung: Der 26-Jährige traf erstmals in dieser Saison.

Mainz – 29 Spiele musste er auf sein erstes Saisontor warten. 29 Partien, in denen er oft als Rechtsverteidiger auflief, eher defensiv denn offensiv spielte, und wenn offensiv, dann deutlich Flügel-lastiger als in der letzten Saison. Risse flankte, was das Zeug hielt. Doch einerseits waren seine Flanken nicht immer mit dem nötigen Zielwasser ausgeführt, und andererseits suchte er seltener als zuvor das, was ihn in der Vorsaison noch so stark gemacht hatte: den direkten Abschluss. Schüsse aus der zweiten Reihe waren einen Seltenheit, Vorstöße in den Strafraum (wie beim vorbereiteten Ausgleichstreffer in Ingolstadt) zu selten von Erfolg gekrönt. Risse blieb allzu oft hinter den Erwartungen zurück. Am Sonntag aber explodierte er. (In der GBK-Einzelkritik bekam Risse die Note 3 – hier geht’s zu seinem Zeugnis)

Systemumstellung greift, Risse packt den Hammer aus

In der ersten Halbzeit schien es noch, als würde es ein fast schon typisches Risse-Spiel werden. Viele Ballkontakte, viele Versuche, nach vorne zu stoßen, viele Flanken, aber kein Ertrag. Defensiv gefordert, musste Risse zudem immer wieder weit hinten agieren, hatte so lange Wege nach vorne vor sich und kam auch aufgrund des schwachen Vordermanns Simon Zoller nicht immer in die optimalen Positionen. Das änderte sich nach knapp einer Stunde.

Der Doppel-Wechsel (Osako für Zoller, Jojic für Heintz) von Trainer Peter Stöger brachte die erhoffte Wende. Köln war plötzlich besser im Spiel, auch auf Risses rechter Seite hatte der Effzeh auf einmal besseren Zugriff. Die Folge: mehr Zug nach vorne, frühere Ballgewinne – und ein Eckball. Dominic Maroh kam an die Flanke von Filip Mladenovic nur noch mit der Fußspitze ran, von dort aus sprang der Ball Risse vor die Füße und dieser fackelte nicht lange. Ein Schuss, ein Strich, ein Jubel: Das Leder schlug im kurzen Eck ein, keine Chance für Loris Karius (64.).

Hätten uns ein Beispiel an den Fans nehmen sollen

Es war genau eine jener Aktionen, die man sich nicht nur von Risse häufiger gewünscht hätte in dieser Saison. Ohne nachzudenken knallte er den Ball aufs Tor. „Von der Position, von der ich geschossen habe, hatte ich nicht viele Möglichkeiten“, sagte der Torschütze hinterher. „Aber wenn ich den Ball so kriege, nehme ich den Schuss auch. Ein bisschen Glück war auch dabei, aber ich habe ihn gut getroffen.“ So gut, dass Risse für das erste Kölner Weitschusstor überhaupt in dieser Saison sorgte – mit dem insgesamt 128. Versuch.

Für Köln war der Dreier der erhoffte Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt. Für Risse war der Treffer – ausgerechnet in Mainz gegen seinen Ex-Klub – ein Brustlöser. Nach fünf Saisontoren in der vergangenen Saison hatte nicht nur er selbst sich mehr versprochen in diesem Jahr. Nun endlich durfte er erstmals ein eigenes Tor feiern – zusammen mit den Anhängern, die den Effzeh zu einer Leistung gepusht hatten, die „von der Mentalität ähnlich war“ wie das Comeback, das jüngst dem FC Liverpool gegen Borussia Dortmund geglückt war. „Der Support der Fans war enorm. Da hätten wir uns von Anfang an ein Beispiel nehmen sollen“, sagte der Torschütze hinterher. Doch bei Risse und seinen Teamkollegen war zum Glück gerade noch rechtzeitig der Knoten geplatzt.


Alles zum 3:2-Sieg in Mainz