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Wieder Mensch sein: Overaths Suche nach Frieden

Wenn eine Person beim 1. FC Köln sowohl die glanzvolle Historie als auch die Zeit des sportlichen und finanziellen Abstiegs verkörpert, dann ist es Wolfgang Overath. Das wird bei der Präsentation seiner Biografie einmal mehr deutlich.

Köln – Für die älteren Fans der Geissböcke steht der heute 72-Jährige ganz oben auf dem Podest der Flohes, Löhrs und Thielens der Kölner Fußball-Welt. Für sie war Overath der Spielmacher, der Denker, Lenker, Passgeber. Für sie war er die Ikone, die er als Spieler auch heute noch ist.

Müller-Römer? Mit diesem Mann rede ich nicht!

Zu jenen Anhängern gehört auch Hermann Schmidt. Der Autor des Buchs „Der Spielmacher“ spricht davon ganz offen, nennt sich FC- und Overath-Fan, erklärt, dass er Overaths Intimfeind aus Präsidentenzeiten (Stefan Müller-Römer) zwar indirekt ein ganzes Kapitel gewidmet habe, aber mit ihm während der Recherchen für das Buch gesprochen? „Nein, mit diesem Mann rede ich nicht.“

Wolfgang Weber und Karl-Heinz Thielen. (Foto: GBK)

Wolfgang Weber und Karl-Heinz Thielen. (Foto: GBK)

Doch genau diese Zeit zwischen 2004 und 2011 ist es, die in der Erinnerung der jüngeren Effzeh-Fans dominiert. Jene Anhänger, die Overath nie haben spielen sehen, die ihn zwar als Idol über Erzählungen vermittelt bekommen haben, deren eigener Eindruck aber ein ganz anderer war. Der Präsidentschaft, dem vorherrschenden Thema dieser Tage, wenn es um Wolfgang Overath geht, widmet sich Schmidt auf 44 Seiten. Zwei Seiten davon sind mit den vorsichtigen Worten „Mögliche Fehler“ überschrieben. Der Kern: Michael Meier hätte früher entlassen werden müssen – oder gar nicht eingestellt werden dürfen.

Eine Biografie, die an den alten Overath erinnern will

Kritik wird in diesem Kapitel auch laut, allerdings nicht an Overath, sondern an den Kölner Medien, der Opposition „FC-Reloaded“ und der Fan-Gemeinschaft. Eine Biografie (erschienen im J.P. Bachem Verlag) also, die darum bemüht ist, wieder mehr an den alten Overath zu erinnern, an den Mann mit dem feinen Füßchen, an den Ehrenbürger Kölns, der sich sozial engagiert, seit 22 Jahren mit dem Wolfgang-Overath-Fonds Geld für Hilfsbedürftige sammelt. „Es ist immer schwer, seine eigene Geschichte zu bewerten. Das möchte ich anderen überlassen“, sagt Overath.

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