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Blindes Freistoß-Training: Dieser Mann macht Risse stark

Marcel Risse ist zusammen mit Derbyheld Thomas Kessler der Mann der Stunde beim 1. FC Köln. Fußball-Deutschland staunt über den Freistoßkünstler des Effzeh. Nun erklärte Risse eines seiner Erfolgsgeheimnisse: ein besonderes Mentaltraining.

Köln – Sharon Paschke ist 34 Jahre alt. Früher mal Bankkaufmann, heute Sozialpädagoge und Mental-Coach. Auch von Marcel Risse. Der FC-Star und seine Sportmentoren, wie Risse Paschke und dessen Kompagnon Martin Kordic nennt, arbeiten seit über vier Jahren zusammen. Die Früchte ihrer Arbeit sieht man inzwischen auf dem Platz. Sogar bei den Freistößen, die Paschke mit Risse speziell trainiert hat.

Schwere Verletzung in Mainz als einschneidendes Erlebnis

Es war ein bemerkenswert offenes Interview, das Marcel Risse nach dem Derby-Sieg gegen Mönchengladbach bei t-online.de gab. Es ging um das Innenleben des Kölner Profis, um den Menschen Marcel Risse, der noch zu Zeiten beim 1. FSV Mainz 05 mit sich haderte. „Es ging am Anfang vor allem darum, meine negativen Gedanken, was alles auf dem Platz schiefgehen könnte, loszuwerden“, erklärte Risse die Beweggründe, sich mit einem Sportmentor auszutauschen. „Ich habe festgestellt, dass es nicht an meiner Konzentration liegt, sondern an meiner Persönlichkeit, dass ich mir ständig so viele Gedanken mache“.

Ausgangspunkt war eine schwerwiegende Verletzung im Herbst 2011, als Risse ein Dreivierteljahr ausfiel und ihm die Ärzte lange nicht genau sagen konnten, woran es lag und wie es weitergehen würde. Damals wandte sich Risse an Paschke. „Wir haben entdeckt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen meiner Persönlichkeit, daraus resultierenden Alltagserlebnissen und meinen Verletzungen“, sagte Risse, der damals regelmäßig über muskuläre Probleme klagte. Sein Körper reagierte auf den Stress in seinem Umfeld. „So kam der Zeitpunkt, dass es im Muskel zweimal ‚Bäng’ gemacht hat und ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen hatte“, schilderte Risse.

Ist da etwas anderes? Zu viel Zorn? Zu viel Energie?

Verletzungen als Folge persönlicher Probleme? Der GEISSBLOG.KOELN hakte bei Kompass Mentoring nach und sprach mit Sharon Paschke. Der Sozialpädagoge hatte sich schon einige Zeit vor der ersten Begegnung mit Risse für Verletzungen ohne Außeneinwirkung interessiert. „Ich habe mich gefragt: Ist da etwas anderes? Zu viel Zorn? Zu viel Energie? Will derjenige zu viel erreichen?“, sagte Paschke im exklusiven GBK-Gespräch. „Das muss man sich vorstellen wie in einem Zweikampf: Gehe ich zu hart rein, kann ich den Gegner verletzen. Gehe ich zu weich rein, verliere ich das Duell. Das richtige Timing ist entscheidend. Mir war es zu wenig, Verletzungen nur auf den Sport zu reduzieren.“ Die Wahrnehmung eines Menschen wirke sich zum großen Teil auf sein Wohlbefinden aus. Bei Risse half diese veränderte Wahrnehmung: In den letzten vier Jahren verpasste der heute 26-Jährige nur noch sechs Spiele aufgrund von Verletzungen.

Weiterlesen: Wie ein Drehbuch zum Freistoß-Erfolg führte



  1. R.S.

    Bin sehr beeindruckt! Von Marcels Offenheit beim dem t-online Interview vielleicht weniger, denn sein Erfolg gibt ihm recht!

    Viel mehr beeindruckt mich, wie viel man mit richtigen Einsatz und mit Hilfe von ***richtigen*** Helfer erreichen kann. Wenn man an manche Fußball-Karierren denkt, die an endlosen Verletzungen gescheitert sind …

  2. Elke L.

    Sehr interessant dieser Artikel.

    Ich habe schon vor vielen Jahren von mentalem Training gelesen (Studie über Training mit und ohne mentalem Training) und finde gut, dass man beim FC für diese Dinge offen ist.


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