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Wie viel Verständnis haben die FC-Profis für Modeste?

Auch, wenn Anthony Modeste nicht mehr auf die Unterstützung des 1. FC Köln vertrauen kann – auf seine Mitspieler konnte sich der Franzose bis zuletzt noch immer verlassen. Der Stürmer ist mannschaftsintern nach wie vor beliebt. Nach der Klage vor dem Arbeitsgericht stellt sich allerdings die Frage: Wie lange werden ihm seine Kollegen noch zur Seite stehen? 

Bad Radkersburg – Ob Kapitän Matthias Lehmann, Flügelflitzer Leonardo Bittencourt oder Modestes enger Freund Marco Höger: Die Spieler des 1. FC Köln sprangen ihrem Noch-Mitspieler dieser Tage zur Seite. Menschlich wie fußballerisch sei Modeste wichtig für das Team. „Tony ist ein umgänglicher Typ“, ließ exemplarisch Höger durchklingen. Das Mannschaftsgefüge werde durch das Wechsel-Theater um den 25-Tore-Stürmer nicht beeinflusst. „Bei uns macht sich das nicht bemerkbar. Klar bekommt man das mit. Aber bei uns war das eigentlich nie so ein Thema.“ Das dürfte sich seit Dienstag geändert haben. Mit der Arbeitsrecht-Klage gegen den eigenen Verein lässt Modeste den Konflikt eskalieren.

Maroh-Aussage bekommt eine neue Aktualität

„Ich glaube, es prasselt im Moment so viel auf ihn und den Verein ein, dass man da auch ein bisschen Ruhe einkehren lassen muss“, erklärte Höger noch am Montag im Gespräch mit dem GEISSBLOG.KOELN. Da wusste der 27-Jährige allerdings noch nicht, dass sich Spieler und Klub am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht sehen würden. Von Ruhe kann inzwischen keine Rede mehr sein. In der Führungsetage hat man längst die Nase voll, strebt einen endgültigen Schlussstrich an. Dass die Gespräche im Hintergrund weitergeführt werden, ist inzwischen ein offenes Geheimnis. Nur wie eine Lösung aussehen könnte, ist fraglich.

Wird das Thema noch einmal eine Belastung für die Mannschaft? In dieser Phase bekommt eine Aussage, die Dominic Maroh im März getätigt hatte, eine neue Aktualität. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte der Innenverteidiger in Bezug auf das Teamgefüge erklärt: „Wir können innerhalb der Gruppe einiges regeln. Wenn wir merken, dass wir einen Spieler verlieren könnten, schaffen es die älteren Spieler oder der Mannschaftsrat, den Spieler wieder in die Gruppe zu integrieren. Es ist manchmal seltsam, dass wir so wenige Probleme haben. Die Mannschaft lebt von ihrer absolut positiven Grundstimmung.“

Transfersommer in Köln harmlos 

Nach vier harmonischen Jahren unter Trainer Peter Stöger schert nun aber erstmals ein Spieler komplett aus und lässt sich nicht mehr einfangen. Noch hält die Mannschaft geschlossen zu Modeste – aus der Ferne, aus Bad Radkersburg, wo die Stimmung ohne den Franzosen blendend ist. Wie aber wäre sie, würde Modeste mit der Klage durchkommen und nachreisen? Wie würde der 29-Jährige im Team empfangen? Aktuell scheint klar: Die Spieler würden Modeste in ihrem Kreise willkommen heißen. Nicht aus Verständnis für sein Vorgehen, sondern aus Schutz der Einheit, des Teamgefüges, um das sich intern vor allem die älteren Spieler und der Mannschaftsrat kümmert.

Einer, der sich derweil mit dem Personalchaos im eigenen Klub bestens auskennt, ist der Ex-Schalker Höger. „Ich weiß, dass die Fluktuation in Bundesliga-Klubs groß sein kann. Da ist das hier in Köln harmlos“, sagte der Mittelfeldspieler in Bezug auf einen möglichen Modeste-Abgang. „Auf Schalke saß teilweise im Sommer eine komplett neue Mannschaft in der Kabine. Da ist das hier bisher doch eine Kleinigkeit.“ Höger selbst war einst auf Schalke zwischenzeitlich suspendiert worden, während Sidney Sam und Kevin-Prince Boateng gänzlich freigestellt worden waren. Damals ließ der Klub es nicht zu einer Arbeitsrechts-Klage kommen. Wie es beim Effzeh weitergeht, ist dagegen auch weniger als 24 Stunden vor dem Gerichtstermin offen.