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Sechs besondere Spiele für die FC-Geschichte

Zwei Siege und ein Endspiel

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Zwei Siege und ein Endspiel

Nur zwei Wochen später kam es in Köln zum Rückspiel gegen Borisov. Wollte der Effzeh noch eine Chance auf das Weiterkommen haben, musste die Mannschaft von Trainer Peter Stöger gewinnen. Und genauso ging das Team ins Spiel. Simon Zoller erzielte nach einer Viertelstunde die verdiente Führung für die Gastgeber. Allerdings stellte der Effzeh einmal mehr in dieser Saison das Fußballspielen zwischenzeitlich ein und brachte die Weißrussen zurück ins Spiel. Mit einem Doppelschlag binnen zwei Minuten stellten die Gäste das Spiel auf den Kopf. Doch anders als in vielen Spielen in dieser Saison ließen sich die Kölner davon nicht verunsichern und zündeten im zweiten Durchgang den Turbo: Durch zwei Treffer von Yuya Osako, dank eines direkten Freistoß von Sehrou Guirassy und dem 5:2 von Milos Jojic jagte der Effzeh die Weißrussen aus dem Stadion. Ein erstes Ausrufezeichen auf europäischer Bühne – es sollte nicht das letzte werden.

Am 23. November gastierte schließlich Arsene Wenger mit seiner Millionentruppe aus London am Rhein. Zwar kamen die Gäste mit einer besseren B-Elf, doch auch die Kölner gingen mittlerweile auf dem Zahnfleisch und hatten zahlreiche Youngster in ihrem Kader. Ohne Frage waren die Gunners auch an diesem Tag der Favorit und die klar bessere Mannschaft, doch der Effzeh verteidigte aufopferungsvoll und nutzte die eine Chance, die sich ihm bot, als Sehrou Guirassy im Strafraum von den Beinen geholt wurde. Der Franzose zögerte keine Sekunde und schnappte sich den Ball selbst. Sein Selbstvertrauen wurde belohnt und der Effzeh ging gegen den großen FC Arsenal mit 1:0 als Sieger vom Platz. Punktgleich mit Roter Stern auf dem zweiten Platz war also klar: Die Kölner hatten sich ihr Endspiel in Belgrad erkämpft. Doch nur ein Sieg würde reichen, denn bei einem Unentschieden wären die Serben aufgrund des direkten Vergleichs in die K.o.-Runde eingezogen.

Trainerwechsel, Verletztenmisere, Fan-Skandale

Vor dem wohl wichtigsten Spiel des Jahres brach in Köln jedoch das Chaos aus. Nur vier Tage vor der Partie in Belgrad wurde Peter Stöger nach einem 2:2 auf Schalke entlassen. Nach viereinhalb Jahren endete die Ära des Österreichers, ihm blieb das letzte Gruppenspiel in Europa mit den Geissböcken verwehrt. Der neue Trainer Stefan Ruthenbeck sprang mit seiner Rumpfelf direkt ins kalte Wasser, nur elf einsatzfähige Profi-Feldspieler standen im gerade einmal 16 Mann großen Kader. Ein Blick auf die Ersatzbank verriet das Dilemma: Mit Birk Risa, Anas Ouahim und Ismail Jakobs saßen dort gleich drei Nachwuchskräfte. Dennoch wollte der FC im Hexenkessel des serbischen Marakana bestehen.

Die Szenen, die sich dann aber vor und während des Spiels im Kölner Fanblock abspielten, konnten im Gegensatz zu London nicht mehr als vergleichsweise harmlos abgetan werden. Feuerwerkskörper flogen auf den Platz und trafen fast die eigenen Spieler, Sitze wurden abgerissen und in die anliegenden Blöcke geworfen. Böller und andere Geschosse flogen in Richtung anderer Fans. Was einige der mitgereisten FC-Anhänger an diesem Tag für ein Bild abgaben, war beschämend. Zwar waren auch die Belgrader Anhänger nicht frei von Schuld, doch mit lautstarken Gesängen verstanden diese es zumindest, ihre eigene Mannschaft nach vorne zu peitschen. Mit Erfolg. Der Effzeh agierte auch an diesem Tag zu harmlos, hatte kaum eine hochkarätige Torchance und verlor das Endspiel gegen ebenso schwache Belgrader am Ende mit 0:1. Die Serben feierten ihre Mannschaft bis tief in die Nacht und verabschiedenden die Kölner mit einem eindrucksvollen „Auf Wiedersehen“ aus 50.000 Kehlen.

Traum geplatzt, doch die Erinnerungen bleiben

Für den Effzeh war der Traum vom Weiterkommen ausgeträumt. Doch die sechs Spiele auf internationalem Parkett werden wohl sowohl den Spielern, den Verantwortlichen sowie den Fans in tiefer Erinnerung bleiben. Wenn in der Hinrunde 2017/18 beim 1. FC Köln sportlich fast alles schief ging – das Geschenk, das die Mannschaft ihren Anhängern und sich selbst mit dem fünften Platz in der Vorsaison gemacht hatte, sorgte für ein neues Kapitel in der Geschichte des Effzeh auf der internationalen Bühne.


Alles über den Effzeh in Europa könnt ihr im Buch „Geißböcke mit Fernweh – der 1. FC Köln und seine internationalen Spiele“ von Dirk Unschuld nachlesen. Weitere Informationen findet Ihr hier!

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