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Seltenes Interview: FC-Capo Schell spricht über den FC

Distanzierung von Gewalt? Das wäre nicht ehrlich

Manche Sympathien müssen wir wohl nicht mehr verspielen

Über die gesellschaftlichen Entwicklungen hinaus äußerte sich der 38-Jährige in dem Interview zu diversen Problemen und Konflikten zwischen der Ultraszene, dem FC und dem Deutschen Fußball-Bund. Dabei gestand Schell ein, dass einige Vorfälle und Aktionen in den letzten Monaten und Jahren viel Kredit aufs Spiel gesetzt hätten. „Manche Sympathien müssen wir wohl nicht mehr verspielen“, sagte Schell mit einem Schuss Zynismus und erklärte, die FC-Ultras müssten „aufpassen, dass wir den Bogen nicht überspannen, uns aber auch nicht verbiegen. Zugegeben ist das ein Balanceakt, den wir nicht immer hinbekommen haben.“

Verbale Ausfälle gegenüber Ron-Robert Zieler oder der beschämende Auftritt in der Europa League in Belgrad hatten die Ultras schwer in Verruf gebracht. Dazu kam es immer wieder zu Konflikten, weil Ultras und Klub Aktionen wie den Einsatz von Pyrotechnik, Spruchbanner oder Vorkommnisse auf Auswärtsreisen unterschiedlich bewerteten. So bestätigte Schell, dass „Pyrotechnik für uns in Maßen dazugehört“. Es gehöre lediglich nicht dazu, Pyrotechnik gefährlich einzusetzen. „Auch Böller zu zünden, finden viele von uns gut, aber das machen wir nicht“, sagte Schell, wissend, dass der FC in den letzten Jahren immer wieder Strafen hatte zahlen müssen, weil Böller aus der Fankurve in Richtung Spielfeld geworfen worden waren.

Distanzierung von Gewalt? „Das wäre nicht ehrlich“

Zuletzt stand ein weiteren Vorwurf wieder im Fokus: Gewalt. Nach den Vorfällen von Köln-Bocklemünd und dem Überfall auf den Union-Bus wurden mehrere FC-Mitglieder aus dem Verein ausgeschlossen. Unter den Verhafteten waren auch Ultras gewesen. Doch auch darüber hinaus hatte es in den letzten Monaten immer wieder Vorfälle auf Auswärtsfahrten gegeben. Alleine in der vergangenen Rückrunde war es unter anderem in Hamburg und Frankfurt zu Ausschreitungen außerhalb des Stadions gekommen.

Schell erklärte auf die Frage, warum sich Ultras nicht von Gewalt distanzieren würden: „Das wäre einfach, aber das wäre nicht ehrlich. Ich kann nicht ausschließen, dass irgendwo was passiert und Leute dabei sind, die sich Ultra auf die Fahne schreiben. Ultra sein bedeutet auch, an Grenzen zu kratzen – und damit geben wir ein komfortables gesellschaftliches Feindbild ab.“ Zwar könne er als Vorsänger oder könnten andere führende Ultras in den einzelnen Gruppierungen und in der Kurve „auf die Leute einwirken, wenn wir das wollen“. Doch das Selbstbild des Ultras sei ein anderes: „Gewalt ist keine Pflicht als Ultra. Aber die Auseinandersetzung mit anderen Gruppen ist ein Teil von Ultras. Das kann man verurteilen oder auch nicht – ändert aber nichts am Zustand.“

3 Kommentare
  1. Toni10 says:

    Interessanter Artikel und bestätigt meine Meinung von vielen Fans. Er (die ultras) verzichtet lieber auf Erfolg anstatt ein wenig Tradition zu opfern. Als Fan sollte man doch das beste für den Club wollen und nicht auf seine Bedürfnisse schauen. Wen juckt es wo das Stadion steht? Mit einem eigenen Stadion würde der Club mehr erwirtschaften und auch die Mannschaft stärken. Ich halte nix von Brause- oder Werksclubs aber solch ein Denken ist echt absurd. Ich bin Mitglied daher gehört mir der Club und ich will meinen zweiwöchentlichen Rhythmus beibehalten und bloß nicht in einen anderen Stadtteil fahren… Mit solch einem Denken müssen wir uns nicht wundern, dass wir wieder in der 2. Liga spielen. Ständig Stress wegen der Fans die glauben sie sind das wichtigste im und für den Verein grausam.

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