Markus Anfang und Alexander Nouri an der Seitenlinie. (Foto: imago/Kolvenbach)

“Das wäre eine persönliche Niederlage für jeden für uns”

Der Vulkan Anfang und die Vorbildfunktion

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Der Stimmungsboykott in den ersten 20 Minuten war fast hilfreich

Sie reden mit der Mannschaft viel, auch am Spielfeldrand sind Sie sehr aktiv. Wird sich das noch verändern?

In Bielefeld war ich in der ersten Halbzeit fast komplett ruhig. Gegen Ingolstadt dagegen war der Stimmungsboykott in den ersten 20 Minuten fast hilfreich, weil wir nicht ganz genau gewusst hatten, wie der Gegner mit dem neuen Trainer spielen würde. So konnte ich viele Hilfestellungen geben und die Spieler einfacher erreichen. Natürlich habe ich es auch lieber, wenn die Fans da sind – da muss ich dann aber auch lauter sein.

Und innerlich?

Im Spiel muss ich emotional sein, weil fast alles, was ich mache, an meine Spieler gerichtet ist. Und dafür muss ich lauter werden, damit sie mich wahrnehmen. In der Halbzeitpause oder nach dem Spiel bin ich dagegen sehr schnell wieder ruhig und fahre runter. Es ist nicht gewollt, dass die Leute sehen, wie ich an der Seitenlinie rumtanze. Das interessiert keinen. Es geht nur um die Inhalte. Das nimmt natürlich ab, je sicherer die Spieler werden.

Es geht aber auch zwischen Ihnen und den anderen Trainern immer wieder hin und her. Gehört dieses Aneinanderreiben auch dazu?

Das beste Beispiel fand ich gegen Paderborn: Baumi (Steffen Baumgart, Trainer des SCP) kam vor dem Spiel zu mir. Er sagte: ‚Jetzt toben wir uns 90 Minuten aus und danach sind wir wieder Freunde.’ Das ist kein Problem. Jeder will erfolgreich sein, und wenn im Fußball keine Emotionen wären, wäre der Fußball tot. Das ist in mir. Ich bin nicht introvertiert, ich lebe das. So bin ich, das kann ich nicht ändern. Es gibt auch Emotionen zwischen den Trainerbänken, aber danach ist immer alles wieder okay. Es geht nie auf eine persönliche Ebene. Es geht nur um das Spiel.

Und Ihr Umgang mit den Spielern?

Am Anfang mussten sie unseren Humor erst einmal kennen lernen. Wir drücken auch mal einen Spruch, sind sarkastisch. Damit haben wir sie erstmal laufen lassen. Aber wir müssen dann als Trainerteam auch mal einstecken können. Man muss ja auch über sich selbst lachen können. Wir wollen alle zusammen Spaß haben.

Es gehört dazu, dass du einen reden lässt, dass du zuhörst

Aber auch ernst sein.

Natürlich. Es gibt die Momente, in denen es ernst wird und ich sagen muss: Du musst jetzt Leistung abrufen und ich muss die Entscheidung treffen, wer spielt und wer nicht. Die Entscheidung muss jeder akzeptieren.

Trotzdem treffen Sie als Trainer einer Mannschaft auch mal auf Konflikte.

Wir haben tagtäglich Spieler, auf die wir eingehen müssen. Das gehört zu unserer Arbeit als Trainer dazu. Es geht darum zu verstehen, warum ein Spieler unzufrieden ist. Es gehört dazu, dass du einen reden lässt, dass einer einfach mal zu Wort kommt, dass du zuhörst. Daran, finde ich, sollten wir uns in vielen Situationen erinnern.

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