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Dominanz gegen Effizienz: Das war gut, das war schlecht

Das war schlecht

Das war schlecht

Als eklatant und letzten Endes auch spielentscheidend entwickelte sich die Standardschwäche – vorne wie hinten. Union kam nach gefühlt jeder Ecke oder jedem Freistoß zum Abschluss (Polter 37., Andersson 45., Andersson 61., Hübner 65.) – und in letzter Konsequenz auch durch Florian Hübner in der 30. Minute zum 2:0. Ausgangspunkt war ein Freistoß aus dem Halbfeld, begünstigt wurde der Schütze durch die Passivität des ihm zugeteilten Cordoba. Währenddessen waren Ecken von Johannes Geis oder Florian Kainz, ob auf den ersten Pfosten oder auf den Elfmeterpunkt, meist leichte Beute für einen gegnerischen Verteidiger. Ein weiterer Knackpunkt für die Niederlage war vor allem das giftige Auftreten der Unioner, die den Kölnern das Leben über die volle Spielzeit schwer machten. Sie stellten sich in einem 4-3-3 mit Felix Kroos als Zehner auf, sodass sich auf dem Spielfeld zehn Mann-gegen-Mann-Situationen entwickelten. Das stellte die Geißböcke in beiden Spielhälften vor arge Probleme. Das Spiel von hinten heraus war kaum möglich, da die gegnerischen Angreifer Marcel Hartel, Sebastian Polter (später Andersson) und Suleiman Abdullahi quasi bei der Ballannahme schon auf den Füßen der Innenverteidiger standen. Die Anspielstationen waren limitiert, Geis wurde von Kroos in die Mangel genommen, die Außenverteidiger Trimmel und Reichel ließen ihren Pendants Kainz und Risse kaum Freiräume. Dies führte dazu, dass ein Spielfluss überhaupt nicht möglich war. Die Kölner mussten diese Eins-gegen-Eins-Duelle zwingend gewinnen, um Platz zu schaffen. Bevor sie am Gegenspieler vorbei waren, wurden sie meist jedoch unangenehm angegangen – das Stilmittel in Unions Taktik. Insgesamt 20 Fouls verbuchten die Berliner, nicht selten waren diese taktischer Natur. Maximal zwei Pässe konnten die Kölner spielen, ehe sie von den Beinen geholt wurden (Hübner 5., Hübner 12., Schmiedebach 15., Reichel 26., Friedrich 28., Trimmel 29., Hartel 38.) Oft blieb dann nur der lange Ball auf die beiden Stürmer, die diese Rolle durchaus beherrschen: Sowohl Terodde als auch Cordoba besitzen eine Lufthoheit, können sich gegen großgewachsene Innenverteidiger meist durchsetzen. Das Gegenteil war gestern der Fall. Sie wurden oft schon bei der Ballannahme gestört, wenn nicht sogar gedoppelt. Durch die enge Manndeckung konnte der Ball in sehr vielen Fällen nicht mehr kontrolliert werden (Terodde 2., 10., 16., 58., 79., Cordoba: 4., 72., 74. Minute) und ging verloren. Spätestens nach dem Platzverweis gegen Ken Reichel (65. Minute) wurde klar: Das Spiel wird nur durch den unbedingten Willen entschieden. Und in dieser Disziplin zeigte sich Union deutlich im Vorteil. Als es zu zehnt nicht mehr Mann-gegen-Mann, sondern nur noch mit Mann und Maus verteidigt wurde, sich jeder Berliner todesmutig in die Bälle der Gäste warf, war klar: Sie werden die drei Punkte behalten. Das bewies auch die Laufleistung: Die Unioner liefen mit 119,45 km insgesamt sieben Kilometer mehr als die Kölner – zur Erinnerung: Die Gastgeber waren fast eine halbe Stunde in Unterzahl.

So geht es weiter

Es war ein Spiel unter schwierigen Bedingungen. Berlin zeigte Einsatzwillen und setzte sich demnach verdient mit 2:0 durch. Somit wird es wieder spannend in den Top 4. Damit die Kölner nicht aus der Spur geraten, wird ein Sieg gegen Erzgebirge Aue unumgänglich. Kapitän Jonas Hector kommt von seiner Gelbsperre zurück, bringt noch mal einiges an Sicherheit und Routine. Schritt für Schritt werden dann auch die Neuzugänge Geis und Kainz mehr ins Spiel eingebunden, gab es gegen Union doch häufiger Abstimmungsfehler. Somit heißt es: Mund abputzen, die kleine Zeitspanne bis zum Spiel am Sonntag nutzen und gegen Aue wieder Punkte landen. Man darf nicht vergessen: Will man am Ende erneut 36 Punkte erreichen, müssen von den restlichen 15 Spielen 12 gewonnen werden. Am besten sollte man in Aue damit beginnen.

16 Kommentare
  1. Michael Grober says:

    Mich ärgert nun im Hinblick auf das Spiel gegen Aue, die Aussage von Markus Anfang, dass es viel Kraft gekostet habe, gegen den Rückstand in Berlin „anzurennen“. Dadurch wird schon eine Ausrede gesucht, wenn wir dort auch nicht das gewünschte Ergebnis erzielen.
    Fakt ist aber, dass wir im Vergleich zu Union ca. 7 Km weniger gelaufen sind, obwohl wir ab der 66min. einen Mann mehr hatten. Was soll also der Gegner sagen?
    Und man hat sich Dich geärgert, dass die Eisernen das Spiel dauernd durch Foulspiel und Zeitspiel unterbrochen hat und dadurch kaum Spielfluss aufkam …so anstrengend kann das nicht gewesen sein.
    Also bitte argumentiert in eine Richtung …

  2. Klio says:

    Wenn Anfang sagt, dass das Kraft gekostet hat, meint er wohl eher die mentale Kraft.

    Ein Gegentor in der ersten Spielminute, mit dem die abwehrstärkste Mannschaft der Liga vor ihrem euphorisierten Publikum in Führung geht, ist ein kapitaler Bock und eine große Hypothek für das Spiel. Wenn der Gastgeber dann auch noch mit dem zweiten Schuss trifft, dann hat man sich die Aufgabe extrem schwer gemacht. Und der Rest ist dann halt ein Anrennen.

  3. NICK says:

    Merkwürdig…wenn man „Das war gut liest“ und das Spiel nicht gesehen hat, dann meint man wir hätten hier koordinierten Angriffsfussball und vorgetragen und eine Chance nach der anderen raus gespielt.

    Für mich sah es so aus, als hätte diese Mannschaft noch nie zusammen trainiert…“Dominanz“, „Spiel auf ein Tor“??? Das gabs doch nicht mal nach der roten Karte! Das war gar nix, außer schlecht.

    Wer hat diesen Artikel geschrieben? „Eliano Lussem“ – Herr Lussem – Willkommen im Geissblog, aber bitte ein bisschen realistischere Berichterstattung.

    • Eliano Lußem says:

      Hallo Nick,
      da ich jede einzelne Chance von Köln beschrieben habe, kann es sich eigentlich gar nicht so lesen, als hätten sie eine Möglichkeit nach der anderen raus gespielt. Auch die von mir beschriebene Dominanz bezieht sich vor allem auf die nackten Zahlen, die so nur ziemlich schwer von der Hand zu weisen sind. Das „Spiel auf ein Tor“ – übrigens ein Zitat von Urs Fischer, Trainer Union Berlin – war es insofern, als dass Köln das Spiel kontrolliert hat (71% Ballbesitz) und Union sich vor allem auf das Abwehren konzentriert hat. Diese Argumente lassen mich im Glauben, dass ich das Spiel realistisch bewertet habe. Ich hoffe, ich konnte da ein bisschen mehr für Klarheit sorgen. Beste Grüße!

      • NICK says:

        Danke für die Antwort. Ich fand es war schrecklich anzusehen…wenn ICH diesen Artikel lese, dann passt der für mich nicht zu diesem Spiel. Das liest sich für mich so, als wären wir die eindeutig bessere Mannschaft gewesen, hätten Union quasi an die Wand gespielt und haben halt zweimal Pech bei den Gegentoren gehabt.

        Für mich ist die Realität – uns ist das ganze Spiel nichts Vernünfiges eingefallen, nicht mal als es dann in Überzahl weiterging. Wir hätten noch mal 90 Minuten weiter spielen können und es wäre nichts für uns Positives dabei rum gekommen. Das die Zahlen für uns sprechen ist schön, spiegelt aber nicht den Spielverlauf wieder.

        Der Artikel ist sicher im Detail richtig, aber er vermittelt dem Leser, der das Spiel nicht gesehen hat, einen falschen Eindruck. Aber das ist nur meine persönliche Meinung…

        • OlliW says:

          Ich fand es auch nicht so schlecht anzusehen, an sich. Was mich kollossal nervte war, dass man vergebens auf den einen entscheidenden Pass wartete bzw. der zu selten und zu wenig zwingend kam. So musste man sehr früh befürchten, dass es nix wird mit einem Tor, geschweige denn mit Punkten. Daher das Gefühl, der FC sei „schlecht“ gewesen. Es war ohne Ertrag und ohne entscheidend gute Aktionen. Aber eigentlich haben sie versucht zu spielen, wie auch gegen Fürth und Co.

          • NICK says:

            Wenn man nur etwas (halbherzig) versucht, aber es nicht hinbekommt, dann ist und bleibt das schlecht. Ob es schön anzusehen ist, wenn man den Ball belanglos durch die eigenen Reihen spielt, aber nie gefährlich vors Tor bekommt, das ist Geschmacksache. Mir gefällts nicht. Vor allem ist das ein Spielstil der nächstes Jahr als Aufsteiger eh hinfällig ist. Damit kriegen wir fünf Stück in der ersten Halbzeit…mag gegen Aue oder Dresden funktionieren, aber wie man sieht klappts nichtmal gegen die Spitzenteams der zweiten Liga…da könnte man ja schonmal das Verteidigen und Auskontern für Liga eins einüben…könnte man…

            Was generell fehlt, aber das liegt weder an Trainer noch Mannschaft, denn das ist ja immer bei uns da, egal wer grad so da ist – das Unvermögen mal den entscheidenen Schritt nach vorn zu machen, wenns drauf ankommt…muss an der Luft liegen…

      • Gerd Mrosk says:

        Finde das sehr gut,das man sich auch mal persönlich hier äussert Eliano.Ich denke ihr tut euer bestes und die jeweiligen Sichtweisen können auch schon mal auseinander klaffen.Die Wahrheit liegt wie oft iwo in der Mitte.Ich fand die Leistung des FC für das erste Spiel nach der Pause ziemlich forsch und gut.Vergessen darf man natürlich nicht die fehlende Konsequenz im Abschluss,respektive die uns oft auszeichnende Effizienz,diese eben diesmal auf Gegners Seite lag.

  4. Max Moor says:

    Nix war Gut sondern die haben lustlos und einfach Scheiße gespielt . Die sind satt mit Geld und spielen zulange mit ihren Handys rum ! Die sollten langsam mal Ihre Einstellung ändern und sich auf das wesentliche Konzentrieren . Verlieren ist mir Scheiß egal selbst wenn wir noch 5 mal Verlieren aber ich will Einsatz / Kampf und Laufbereitschaft sehen ! ! ! Und nicht wenn man 0 : 1 hinten liegt sich schon Aufgeben tut !!!

  5. Max Moor says:

    @ OlliW , erreicht der Trainer die Mannschaft noch ? Siehst du ein System im Spiel ? bis auf 3 bis 4 Spiele und der Pokalauftritt gegen Schalke war es zu oft grauenvoll was die da aufn Platz spielen so wie letzte Saison schon . Es fehlte zwar in Berlin Schaub und Hector aber das darf keine Ausrede sein denn andere Teams schaffen es doch auch , siehe Kiel ( Kinsombi fehlt lange ) und die Kämpfen trotzdem . . .

    • OlliW says:

      Hm…das kann ich nicht beurteilen. Da Du die Frage aufwirfst, denke ich, dass Du da arge Zweifel hast. Ich denke, dass es morgen schon wieder anders aussehen wird. Allein, weil es muss ;-) Ob „im Kern“ alles in Butter ist? – Keine Ahnung. Wen man die Mentalitäten der Gegner mit dem FC vergleicht, vor allem in den letzten beiden Spielen, dann kann man seine Zweifle haben…

      Und: Wenn in unserem Kader zwei Stammkräfte fehlen, darf es trotzdem funktionieren, das sehe ich auch so.

  6. Michael H says:

    Ich habe das Gefühl, dass hier die Aussagen von Trainern praktisch eins zu eins übernommen werden in der letzten Zeit.

    Nein, es war kein gutes Spiel des FC. Die besagten Statistiken sagen gerade in der zweiten Liga weniger aus. Die bessere Mannschaft hat nicht verloren.

    Der FC hat verloren, weil er überhaupt keinen Druck auf Unions Defensive entwickeln konnte. Weil er die wenigen Chancen, den die Spieler hatten, nicht genutzt hat. Da spielt es kaum eine Rolle, ob man die bessere Passquote hat.

    Ein wenig Realitätssinn wäre nicht unangebracht. Auch hier.

  7. Rolf Noy says:

    Schlechtes Spiel und zurecht verloren. Kann man gerne schönreden wie man will. Bringt aber nix. Gegen St. Pauli wird sich zeigen ob sie aus den letzten beiden Niederlagen was gelernt haben. Körpersprache muss eine andere werden.

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