Der 1. FC Köln hat ein bewegtes Jahr hinter sich. (Fotos: Mika Volkmann, Eduard Bopp)

Die FC-Gesichter eines turbulenten Jahres 2019

Die FC-Verlierer des Jahres

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Die FC-Verlierer des Jahres

Der größte Verlierer des Jahres ist die Diskussionskultur beim 1. FC Köln. Eine vertrauliche Sprachnachricht des Präsidenten führt zu dessen Sturz. Ein Interimspräsidium dispensiert sich selbst, weil man nicht miteinander in einem Raum sein will. Der Sportchef sagt offen: “Erklären kann ich gerne alles – diskutieren geht mir aber zu weit.” Und nicht nur beim Thema China scheint es nur noch Schwarz oder Weiß zu geben. Das Motto: “Bist du nicht für mich, dann bist du gegen mich!” Diese Mentalität verfolgt den 1. FC Köln wie ein böser Geist, doch sie wird von vielen Verantwortlichen im und von Einflussnehmern um den Klub herum seit Jahren vorangetrieben. Horst Heldt und Werner Wolf haben sich auf die Fahnen geschrieben, dies zu ändern. Es wird eine Mammutaufgabe.

Passend dazu gehören Markus Ritterbach und Toni Schumacher zu den größten Verlierern des Jahres. Ihr Aus als Vizepräsidenten ist ihres Amtes und ihrer eigentlichen Leistung über viele Jahre für den FC unwürdig gewesen. Das Duo hätte einen großen Abschied verdient gehabt, schließlich sind fünf ihrer sieben Amtsjahre von großen Erfolgen geprägt gewesen. Erst die Posse um Werner Spinner und die Sprachnachricht, vor allem aber ihre Reden auf der Mitgliederversammlung machen einen Abschied im Frieden zunichte. Statt Größe zu zeigen, präsentieren sie sich als verletzte Seelen, die nicht das Wohl des FC im Sinne haben, sondern persönliche Abrechnungen mit ihren Feinden. Diese Wunden zu heilen, wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Auch Armin Veh hätte einen anderen Abgang wählen können. Im Sommer, als sein Entschluss 2020 zu gehen reift, hat der Sportchef alle Chancen und unternehmerischen Freiheiten den FC in bestem Lichte zu verlassen. Doch der 58-Jährige will nicht nur über sein Ende beim FC, sondern auch über die Art und Weise der Verkündung selbst bestimmen. Der Zeitpunkt, den er sich dafür wählt, ist mit der Vereinsführung nicht abgesprochen, doch es passt zu dem Wesen des Geschäftsführers, sich von nichts und niemandem vorschreiben zu lassen, wie er sein Leben lebt und seine Arbeit vornimmt. Dass zu diesem Zeitpunkt bereits deutliche Kritik an einigen seiner Personalentscheidungen laut wird, passt. Perspektivisch hat so mancher Transfer zwar das Potential zu einem großen Wert für den FC. Doch Veh muss sich kurzfristig anhören, dass er zum zweiten Mal mit der Trainerwahl daneben gelegen, einen klaren Schnitt im Kader verpasst und die Grenze dessen, was er sich als Geschäftsführer gegenüber den Gremien der Geissböcke erlauben darf, überschritten zu haben. Sein Abschied erscheint daher letztlich wie eine Erlösung für den Verein und auch für ihn selbst.

Der Mitgliederrat erlebt das turbulente Jahr des 1. FC Köln hautnah mit. Erst muss Stefan Müller-Römer in den Vorstand aufrücken. Dann wählt das Mitgliedergremium ein neues Präsidium aus und stellt es zur Wahl. Als Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger mit großer Mehrheit gewählt werden, scheint alles gut. Doch dann gehen die Turbulenzen weiter und münden in Siegers Rücktritt nur drei Monate nach der Wahl. Eine herbe Niederlage für den Mitgliederrat, der zur Folge hat, dass erneut ein Interimsvorstand bestellt werden muss. Besonders macht die Situation, dass aus dem Mitgliederrat schon wieder Stimmen laut werden, die das amtierende (selbst vorgeschlagene) Präsidium hart kritisieren. Dabei müsste diese Kritik des Mitgliederrates am Vorstand eigentlich eine Selbstkritik sein, schließlich hat sich das Gremium ein Jahr Zeit genommen, um das bestmögliche Trio für den Job auszuwählen. Wenn der Mitgliederrat nun also mit der Vorstandsarbeit nicht zufrieden ist, muss sich das Gremium die Kritik selbst auf die Fahne schreiben. Derweil geht die Suche erneut los, denn es muss für Herbst 2020 ein neuer Vizepräsident gefunden werden.

Als FC-Verlierer im Jahr 2019 muss auch Markus Anfang gelten. Der 45-Jährige schafft eigentlich den Aufstieg mit dem 1. FC Köln. Die von ihm geholten Punkte hätten zur Rückkehr in die Bundesliga gereicht. Feiern darf er mit dem FC aber nicht mehr. Das liegt einerseits an den sportlichen Schwankungen in der Saison 2018/19, andererseits an der Kluft, die zwischen ihm und der Mannschaft geherrscht hat. Auch die Fans schließen Anfang nie in ihr Herz. Obwohl Kölner, will es zwischen Anfang und der Stadt nie wirklich funken. Seit seinem Abgang wird er vielfach bei anderen Klubs gehandelt. Man darf gespannt sein, wo der Trainer als nächstes eine Chance bekommen wird.

Zwei Spieler stehen sinnbildlich für viele sportlichen Enttäuschungen im Jahr 2019: Anthony Modeste und Jorge Meré. Modeste darf im Februar endlich wieder für den Effzeh auflaufen, kommt dann aber unter Anfang nicht ins Rollen. Für diese Saison nimmt sich der Franzose viel vor, enttäuscht aber gar größtenteils, hat nach 13 Einsätzen erst ein Saisontor auf dem Konto. Der Franzose steht damit beispielhaft für die alte Garde jener einst gefeierten Spieler, die beim FC inzwischen überaus kritisch beäugt werden. Der Rückkehrer wird hart arbeiten müssen, um seinen Zwei-mal-Fünf-Jahres-Vertrag zu rechtfertigen. Derweil ist Jorge Meré nur noch Bankdrücker und eine der großen Überraschungen der bisherigen Saison – im negativen Sinne. Dass sich der Spanier in der Hinrunde nicht durchsetzen kann, mag auch ein Lob für Sebastiaan Bornauw und Rafael Czichos sein. Vor allem aber ist es eine persönliche Niederlage für den so hoch veranlagten Meré. In Topform wären beide Spieler, der Innenverteidiger Meré und der Stürmer Modeste, für den FC Gold wert. Aktuell jedoch sind sie verdientermaßen nur Ersatz.

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