Der 1. FC Köln trifft in der Conference League auf Partizan Belgrad. (Foto: IMAGO / Domenic Aquilina)

Der 1. FC Köln trifft in der Conference League auf Partizan Belgrad. (Foto: IMAGO / Domenic Aquilina)

Gegneranalyse Teil 2: Partizan Belgrad – Leidenschaft und Siegeswille vom Balkan

Der 1. FC Köln trifft in der Gruppenphase der Europa Conference League auf den OGC Nizza, Partizan Belgrad und den 1. FC Slovácko. Wie stehen die Chancen der Geißböcke auf ein Weiterkommen in Gruppe D? Die Datenanalysten von CREATEFOOTBALL haben sich alle Gegner im Detail angeschaut. Der GEISSBLOG stellt die jeweiligen Mannschaften vor. Nach dem OGC Nizza geht es mit dem serbischen Vertreter aus Belgrad weiter.

Der serbische Vizemeister des Vorjahres ist der Kopf der Gruppe D in der Conference League. Für gewöhnlich wird der Verein FK Partizan genannt. Bekannt ist der Klub jedoch auch als Crno-beli (“Die Schwarz-weißen”), Parni valjak (“Die Dampfwalze”) oder im deutschen Sprachraum auch Partizan Belgrad.

Partizan-Trainer Gordan Petric ist in seiner Spielweise und Aufstellung variabel, setzt allerdings meist auf ein System mit einem Stürmer und mit Viererkette. Wichtig für ihn ist dabei ein klarer Zehner sowie zwei temporeiche Flügelstürmerspielern. In den ersten Saisonspielen resultierte daraus allerdings nur wenig erzeugte Torgefahr.

Partizans Stärken

Ein besonderes Augenmerk muss der FC bei Partizan auf das Duo Ricardo Gomes und Bibras Natcho werfen. Die beiden Offensivspieler sind super aufeinander abgestimmt sowie sehr variabel in der Chancenkreation und Torerzielung. Meist agiert Belgrad dominant mit Ballbesitz. Diese Spielkontrolle bringt Natcho und den technisch sehr versierten tiefen Spielmacher Patrick Andrade ins Spielgeschehen.

Gleichzeitig verfügt Partizan über eine hohe Körperlichkeit: Sowohl die gesamte Abwehrkette, aber auch Ljubomir Fejsa, Patrick Andrade und Hamidou Traore, verfügen über einen robusten Körperbau, sind den physisch betonten Fußball aus Serien gewöhnt und setzen diesen in Europa um. Mit Gomes, Queensy Menig und Fousseni Diabaté verfügt die Mannschaft zudem über eine hohe Qualität im offensiven Eins-gegen-Eins. Besonders Auffällig zudem: Partizan bringt viele hochwertige Angriffe durch Eckbälle zu Stande. Alleine in der vergangenen Saison gelangen dem Team so acht Treffer.

Partizans Schwächen


Trainer Petric ist trotz seiner 53 Jahre recht unerfahren, flog bei den meisten Stationen schnell wieder raus. Kritiker werfen ihm eine fehlende klare Spielidee vor und einen Mangel an kreativen Lösungen. Zwar steht Partizan meist recht hoch, geht aber selten als Team gemeinsam ins Pressing, sodass die Einzelspieler häufig überspielt werden. Zudem agiert Belgrad oft sehr zentrumslastig, wodurch insbesondere Natcho mit einer qualitativ guten Doppelsechs recht gut zu verteidigen ist.

In der Defensive hat Belgrad ein klares Tempodefizit in der Innenverteidigung und seit anderthalb Jahren eine Rotation im Tor. Dadurch kann es zu keinem wirklichen Einspielen mit der Viererkette kommen. Der in der Saison 2021/22 äußerst starke Stefanovic muss immer dem jungen Popovic weichen, bei dem sich Belgrad einen guten Transfererlös erhofft, sobald dieser einige Profispiele absolviert hat.

Offensiv ist Partizan zu abhängig von Natcho und Gomes. Werden einer oder beide aus dem Spiel genommen, haben die Serben kaum Ideen, um Chancen zu kreieren. Mit Sasa Zdjelar wurde die Passmaschine zu ZSKA Moskau verkauft. Sein Ersatz Patrick Andrade macht seine Sache bisher gut, aber Zdjelar war auf einem noch höheren Niveau. Aktuell spielt die Mannschaft über 50 Pässe weniger pro Spiel, wodurch sich Probleme in der Spielkontrolle ergeben.

Benchmarking der relevanten Daten

Stats1. FC KölnPartizan Belgrad
xG1.31.8
Ballbesitz56 %57 %
Schüsse13.215.5
Passquote81.6 %82.5 %
Zweikampfquote49.3 %50.3 %
PPDA8.57.5
Alle Daten pro 90 Minuten aus den nationalen Ligawettbewerben der Saison 2022/23

Schlüsselspieler

Igor Vujacic (28, IV): Abwehrchef mit 1.89 Metern Körpergröße und 89 Kilogramm – Der Fels in der Brandung! Hat eine hohe Qualität im Luft- und Bodenzweikampf und agiert trotz seiner Physis äußerst fair und effektiv. In der Saison 21/22 in der heimischen Liga mit über 15 Balleroberungen pro 90 Minuten (Bestwert ligaweit). Mit einem mutigen, aber teils ungenauen Passspiel im Aufbau, schlägt er auch gerne lange Bälle. Zudem mit Tempodefiziten.

Bibras Natcho (34, ZM): Äußerst erfahrener Mittelfeldroutinier, bereits mit drei Treffern in den ersten sechs Ligaspielen. Kommt in der Regel auf der Zehn, teils aber auch auf Außen oder der Sechs zum Einsatz. Kreierte in der vergangenen Saison die viermeisten Chancen der gesamten Liga. Natcho kommt vorrangig über sein exzellentes Passspiel, insbesondere der Pass in die Schnittstelle ist seine Spezialität (über drei pro 90 Minuten). Zudem beidfüßig stark, zieht oft selbst ab, gerade auch gerne aus der Distanz und mit starken Standards.

Ricardo Gomes (30, ST): Mit 29 Toren in 35 Spielen Torschützenkönig der serbischen Liga 21/22. Beidfüßiger, wuchtiger Angreifer (1.87 Meter groß), verfügt über ein sehr komplettes Skillset: Starke Technik, sehr ordentliches Tempo, gute Physis, um in der Luft angespielt zu werden und als Wandspieler zu agieren. Vor dem Tor ist Gomes äußerst abschlussstark. Zusammen mit Spielmacher Natcho eine starke Kombination, beide legen sich gegenseitig viele Chancen auf.

Player to watch

Queensy Menig (27, LF): Gehört zu den gefährlichsten Flügelspielern der serbischen Liga, liebt das Tempodribbling (nur 1.74 Meter groß, tiefer Körperschwerpunkt, extrem trickreich). Sechs Tore und neun Assists im Vorjahr, nachdem er von Twente verpflichtet wurde. Sehr kreativ im letzten Drittel, dringt sehr häufig in den Strafraum ein – sein eigener Abschluss steht ihm aber teils im Weg. Insgesamt jedoch ein sehr inkonstanter Spieler.

Fazit: Siegchance für den 1. FC Köln?

Der 1. FC Köln hat mit Sicherheit den qualitativ stärker besetzen Kader, allerdings verfügt Partizan über einige technisch beschlagene, sowie einige äußerst robuste Akteure. Aus der heimischen Liga ist Partizan umkämpfte und hitzige Spiele gewohnt. Insbesondere Innenverteidiger Vujacic, aber auch Nebenmann Sanicanin, sind stark in der Luft, wodurch die vielen Flanken der Kölner im Normalfall häufig geklärt werden dürften. Leichter ist die Viererkette Partizans durch Passspiel und Tempodribblings zu bezwingen. Sargis Adamyan und Linton Maina wären hier gute Optionen für die Startelf.

Im defensiven Verbund muss der FC Natchos Aktionen so gering wie möglich halten, besonders der laufstarke Skhiri wird hier eine elementare Rolle spielen (Schlüsselduell!). Im Heimspiel werden die Kölner klar mehr Ballbesitz haben und Partizan tiefer stehen, weshalb wird die Lösungsfindung elementar für den FC Wird. Probleme gab es dabei bereits in den Playoffs gegen Fehervar. Auswärts in Belgrad wird Partizan angepeitscht von den Fans versuchen die Kontrolle zu übernehmen. Dort wären demnach temporeiche Umschaltaktionen mit progressiven Pässen die richtige Herangehensweise.

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Dieser Text stammt von der Fußball-Consultancy CREATEFOOTBALL GmbH, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

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