9. Mai 1998: Toni Polster und der 1. FC Köln steigen ab. (Foto: IMAGO / Kolvenbach)

9. Mai 1998: Toni Polster und der 1. FC Köln steigen ab. (Foto: IMAGO / Kolvenbach)

Das Ende des Dinos: Als der FC in die Zweite Liga musste

35 Jahre lang gehörte der 1. FC Köln zum Inventar der Bundesliga. Als Gründungsmitglied der Profi-Liga war der FC ein ständiger Bundesligist. Keine Abstiege, keine tristen Zweitliga-Jahre, keine Wiederaufstiegsfeiern – die Geißböcke waren ein unabsteigbarer Dino der Bundesliga. Bis zur Saison 1997/98, als plötzlich nur noch der HSV als “Dino” übrig blieb und das für viele Kölnerinnen und Kölner Unvorstellbare passierte: der FC wurde zur Fahrstuhl-Mannschaft.

Köln – Schon in den Jahren zuvor hatte sich der 1. FC Köln immer mehr vom Topklub hin zum Krisen-Klub entwickelt. Ein schleichender Verfall, der für viele mit dem tragischen Tod von Maurice Banach seinen Anfang genommen hatte. Der tränenreiche Abstieg im Sommer 1998 war somit nur noch die Konsequenz einer jahrelangen Misswirtschaft und Probleme auf und neben dem Platz.

Schon früh in der Saison war erkennbar, dass der FC gegen den Abstieg spielen würde. Der Start in die Saison 1997/98 verlief mehr schlecht als recht. Im DFB-Pokal blamierte man sich gegen eine Amateurmannschaft und schied in der ersten Runde beim SSV Ulm (1:3 n.V.) aus. Und obwohl der FC sein Auftaktspiel in der Liga zu Hause gegen den MSV Duisburg mit 3:2 gewinnen konnte, brannte am Geißbockheim schon bald der Baum.

Neururer muss früh seinen Hut nehmen

Denn was folgte, waren klare Auswärtsniederlagen in Dortmund (0:3) und im Derby in Mönchengladbach (1:4), dazwischen ein torloses Remis in Müngersdorf gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der 5:3-Heimsieg gegen Aufsteiger Wolfsburg sorgte nur kurzfristig für Erleichterung, denn anschließend verlor der FC drei Partien in Folge.

Erst in Hamburg (1:2), dann gegen die Bayern (1:3) und schließlich beim Aufsteiger Hertha BSC Berlin (0:1). Diese Niederlagen-Serie war zu viel für Trainer Peter Neururer, der nach dem Berlin-Spiel von seinen Aufgaben entbunden wurde. Es übernahm Lorenz Günther-Köstner.

Rote Laterne zu Weihnachten

Der erhoffte Effekt durch den Trainerwechsel blieb allerdings aus. Nur kurz konnte Köstner der Mannschaft neues Selbstvertrauen geben. Mit 2:1 gewann der FC in Köstners erstem Spiel bei Hansa Rostock. Schon die nächsten beiden Spiele wurden gegen Schalke (0:2) und in Bochum (1:2) wieder verloren.

Bis zur Winterpause holte der FC aus neun Partien nur neun Punkte. Unter anderem hagelte es bittere Klatschen in Leverkusen (0:4) und zu Hause gegen Bielefeld (3:5). Und so kam es, dass die Geißböcke zu Weihnachten mit der Roten Laterne auf dem letzten Tabellenplatz überwinterten.

Hoffnung nach Derbysieg

Der FC startete das Jahr 1998 erfolgreich und schürte so in der Stadt die große Hoffnung, den Abstieg doch noch vermeiden zu können. Zum Auftakt gewann man direkt das Derby gegen Borussia Mönchengladbach mit 3:2, was den FC direkt auf einen Nichtabstiegsplatz katapultierte.

Im Anschluss holte man einen Punkt in Wolfsburg (1:1), und obwohl man daheim gegen den HSV einen Rückschlag erlebte und mit 1:2 verlor, sorgte man die Woche danach für eine faustdicke Überraschung und gewann beim Meister Bayern München (2:0). Spätestens jetzt glaubte ganz Köln wieder an den Klassenerhalt.

Große Schritte in Richtung Klassenerhalt

Die Euphorie des Jahresbeginns konnte der FC mit in die nächsten Partien nehmen, und so sah es zwischenzeitlich so aus, als wäre der 1. FC Köln doch noch unabsteigbar. Auf den Sieg in München folgten zwei Heimsiege gegen Hertha BSC (2:0) und den VfL Bochum (2:1) sowie zwei Punktgewinne gegen Rostock und in Stuttgart (je 1:1).

Zu diesem Zeitpunkt der Saison waren noch sechs Spiele zu spielen und der FC auf bestem Wege, ein „Dino“ der Bundesliga zu bleiben. Doch was in den letzten sechs Partien folgte, war für jeden FC-Fan der wahre Alptraum.

Talfahrt im Schlussspurt und Skandalspiel auf Schalke

Erst verlor der FC im Müngersdorfer Stadion gegen den direkten Konkurrenten aus Karlsruhe (0:1), dann holte man sich bei Werder Bremen eine Packung ab (0:3). Mit 1860 München kam ein weiterer direkter Konkurrent nach Müngersdorf. Und auch dieses Spiel verlor der FC, 2:3 war der Endstand gegen die Münchner Löwen.

Plötzlich spitzte sich die Situation wieder zu am Geißbockheim. Das drittletzte Spiel der Saison verlor man so unglücklich wie dramatisch im Schalker Parkstadion (0:1). Dramatisch deshalb, da der FC wie so häufig nicht gerade vom Glück gesegnet war. So erkannte Schiedsrichter Kemmling ein klares Handspiel in der 80. Minute, beim Stand von 0:0, nicht.

Der Schalker Oliver Held hatte einen Schuss für das ganze Stadion deutlich sichtbar auf der Torlinie mit der Hand abgewehrt. Nur Kemmling hatte es anders gesehen – und Held auf Nachfrage des Schiedsrichters gelogen. Statt eines Elfmeters und der Kölner Führung verlor der FC kurz vor Schluss mit 0:1 – es sollte der entscheidende Genickschlag im Abstiegskampf werden.

Niemals geht man so ganz

Von diesem Schock konnte sich die Mannschaft in den beiden letzten Spielen nicht mehr erholen. In Bielefeld verlor man nach Führung durch einen Doppelpack des Ex-Kölners Uwe Fuchs mit 1:2 und war praktisch abgestiegen. Im letzten Spiel der Saison ging es in Müngersdorf ausgerechnet gegen Bayer Leverkusen. Zwar holte man noch ein 2:2, doch der Abstieg war besiegelt.

Knapp 35 Jahre nach Gründung der Bundesliga, knapp 34 Jahre, nachdem der 1. FC Köln zum ersten Deutschen Meister der Bundesliga geworden war, war das für jeden Kölner und jede Kölnerin Unvorstellbare eingetreten: Der 1. FC Köln musste in der neuen Saison in der 2. Bundesliga ran.

Als nach Abpfiff Trude Herrs Klassiker „Niemals geht man so ganz“ durch die Boxen im Müngersdorfer Stadion ertönte, blieben auf den Rängen nur wenige Augen trocken. Der 9. Mai 1998 würde für immer in Erinnerung bleiben, als einer der traurigsten Tage in der Geschichte des 1. FC Köln. Als der Tag, an dem der vorletzte Bundesliga-Dino starb.

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