Die engste 2. Liga aller Zeiten biegt auf die Zielgerade ein. Neben dem 1. FC Köln dürfen sich noch acht weitere Mannschaften berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg oder die Relegation machen. Was für und was gegen die Bundesliga-Kandidaten spricht.
Hamburger SV (52 Punkte, 63:36 Tore)
+ Der HSV kann sich eigentlich nur noch selbst schlagen. Nicht nur, dass die Hanseaten trotz ihrer jüngsten 2:4-Niederlage gegen Braunschweig fünf Spieltage vor Saisonende fünf Punkte Vorsprung auf Platz drei haben – die Mannschaft von Merlin Polzin hat auf dem Papier auch das leichteste Restprogramm. Hamburg trifft lediglich noch auf Teams, die aktuell in der unteren Tabellenhälfte zu finden sind – im Durchschnitt auf Rang 13.
– Bei den bisherigen, stets verunglückten Aufstiegsversuchen hat es der HSV eben tatsächlich immer wieder geschafft, sich selbst zu schlagen und gute Ausgangssituationen zu verspielen. Derzeit muss der Spitzenreiter auf einen seiner wenigen unersetzbaren Spieler verzichten: Linksverteidiger Miro Muheim, der aufgrund eines Muskelfaserrisses wohl noch drei Wochen ausfällt. Der Schweizer Nationalspieler ist mit zehn Vorlagen Hamburgs zweitbester Assistgeber und mit mehr als 90 Ballkontakten pro 90 Minuten (Platz eins im Liga-Vergleich) ein absoluter Fixpunkt. Insgesamt stehen Polzin aktuell nur zwei fitte Außenverteidiger zur Verfügung, um die beiden Seiten zu bestücken.
Restprogramm: FC Schalke 04 (A), Karlsruher SC (H), SV Darmstadt 98 (A), SSV Ulm (H), Greuther Fürth (A)
1. FC Köln (51 Punkte, 43:34 Tore)
+ Der große Rückhalt des 1. FC Köln heißt Marvin Schwäbe. Mit seiner Rückkehr zwischen die Pfosten begann bekanntlich der Vormarsch in die Aufstiegszone, doch in den vergangenen Wochen legte der Torhüter formtechnisch sogar noch mal eine Schippe drauf. Mit ihm hat der FC nur vier von 19 Zweitliga-Spiele verloren, dabei lediglich 14 Gegentreffer kassiert. Schwäbe hielt bislang 79,1 Prozent der gegnerischen Abschlüsse – ebenfalls Bestwert. In der Offensive sind die beiden Top-Torschützen Damion Downs und Tim Lemperle endlich fit genug, um wieder gemeinsam zu starten. So muss es den Geißböcken einfach gelingen, das Vier-Punkte-Polster über die Ziellinie zu bringen.
– Der FC tritt nach wie vor nicht wie eine Mannschaft auf, die sich in einer solch komfortablen Tabellensituation befindet – konnte zuletzt selbst in Fürth über weite Strecken nicht die Kontrolle übernehmen. Schon die ganze Saison über suchen Gerhard Struber und seine Spieler die richtige Balance. Besonders in der Rückrunde fällt das Toreschießen extrem schwer, lediglich Schlusslicht Jahn Regensburg unterbietet die elf Kölner Treffer noch.
Restprogramm: Preußen Münster (H), Hannover 96 (A), SSV Jahn Regensburg (H), 1. FC Nürnberg (A), 1. FC Kaiserslautern (H)
SV Elversberg (47 Punkte, 54:33 Tore)
+ Das Momentum spricht für das Team von Horst Steffen. Mit sieben Punkten aus drei Spielen (9:1 Tore) ist Elversberg der formstärkste Zweitligist und kletterte von Platz neun auf den Relegationsrang. Sturm-Star Fisnik Asllani traf an den letzten beiden Wochenenden fünfmal, ist mit insgesamt 17 Treffern nun der zweitbeste Torjäger hinter Hamburgs Davie Selke und mit 23 Scorer-Punkten im Liga-Vergleich sogar der gefährlichste Offensivakteur.
– Womöglich wurde der Dorfclub aus dem Saarland über weite Teile der Saison unterschätzt. Als Tabellendritter, bei noch fünf verbleibenden Partien, wird das ganz bestimmt nicht mehr der Fall sein. Das Restprogramm der Elversberger ist schwieriger als jenes von Hamburg und Köln – mit Düsseldorf, Paderborn und Nürnberg kommen nun gleich drei Gegner, die sich ebenfalls noch Hoffnungen auf den Aufstieg machen.
Restprogramm: Fortuna Düsseldorf (H), SC Paderborn (A), 1. FC Nürnberg (A), Eintracht Braunschweig (H), FC Schalke 04 (A)
Fortuna Düsseldorf (47 Punkte, 47:42 Tore)
+ Düsseldorf schien bereits abgeschlagen, war vor zwei Wochen auf Platz neun abgestürzt. Doch mit knappen Siegen gegen Münster (1:0) und in Paderborn (2:1) hat sich die Fortuna wieder auf Platz vier geschoben, punktgleich mit dem Dritten Elversberg. Mann der Stunde ist Angreifer David Kownacki, der nach zwischenzeitlich nur einem Tor in sechs Partien nun an den letzten drei Treffern direkt beteiligt war (zwei Tore, eine Vorlage).
– Über die gesamte Saison gesehen konnte Düsseldorf selten vollends überzeugen, vor allem in spielerischer Hinsicht. Beobachter der Fortuna wundern sich selbst ein wenig, warum die Mannschaft plötzlich wieder oben dran ist. Gegen die verbleibenden fünf Gegner holte das Team von Daniel Thioune in der Hinrunde nur fünf Punkte – die würden zum Aufstieg gewiss nicht reichen. Den Trainer plagen unterdessen Personalsorgen, in Paderborn waren nur 17 der erlaubten 20 Kader-Plätze vergeben, elf Profis fehlten.
Restprogramm: SV Elversberg (A), 1. FC Nürnberg (H), Eintracht Braunschweig (A), FC Schalke 04 (H), 1. FC Magdeburg (A)
1. FC Magdeburg (46 Punkte, 55:42 Tore)
+ Die jetzt kommenden Gegner lagen Magdeburg in der Hinrunde. Damals holte der FCM zehn Punkte aus den letzten fünf Partien. Siegreich ist die beste Auswärtsmannschaft der Liga inzwischen ausschließlich zu Hause, in der heimischen Avnet Arena gelangen die jüngsten drei Erfolge. Da passt es gut, dass drei der verbleibenden fünf Duelle hier steigen.
– In der mit 55 Toren zweiterfolgreichsten Offensive der 2. Liga stotterte der Motor zuletzt. Magdeburg traf nur in einem der vergangenen vier Spiele. Exemplarisch dafür steht Top-Stürmer Martijn Kaars, der seit Anfang März auf ein Tor wartet. Zwei Siege am Stück gelangen der Mannschaft von Christian Tietz in der Rückrunde noch kein einziges Mal, für den Aufstieg scheint die Konstanz zu fehlen.
Restprogramm: SSV Jahn Regensburg (H), Hertha BSC (A), Preußen Münster (H), SC Paderborn (A), Fortuna Düsseldorf (H)
1. FC Kaiserslautern (46 Punkte, 50:45 Tore)
+ Die Mannschaft von Markus Anfang kann Serien. Die Roten Teufel sind der einzige Zweitligist, dem in dieser Saison vier Siege am Stück gelangen. Bei der jüngsten 1:2-Niederlage gegen Nürnberg soll es zur Pause in der Kabine geknallt haben – offenbar im positiven Sinne. Anschließend spielte Kaiserslautern den Club an die Wand, vergaß aber das Toreschießen. Fußballerisch ist das Team in der Lage, jeden Zweitligisten zu schlagen. Personell kann Anfang im Endspurt aus dem Vollen schöpfen, alle Stammkräfte sind fit.
– Kaiserslautern hat eine glänzende Ausgangsposition (zwischenzeitlich Platz zwei) mit nur einem Sieg aus fünf Partien weggeworfen. Wenn es bei Torjäger Ragnar Ache (16 Tore) nicht läuft, wie zuletzt bei den Niederlagen in Magdeburg und gegen Nürnberg, fehlen Anfang die Knipser. Es folgen Marlon Ritter und Daniel Hanslik, jeweils mit sieben Treffern. Dabei ist der anfällige Mannschaftsteil eigentlich die Defensive. Mit 45 Gegentreffern stellen die Pfälzer (gemeinsam mit Nürnberg) die schwächste Abwehrreihe der Aufstiegskandidaten.
Restprogramm: Eintracht Braunschweig (A), FC Schalke 04 (H), Karlsruher SC (A), SV Darmstadt 98 (H), 1. FC Köln (A)
SC Paderborn (45 Punkte, 48:39 Tore)
+ Die Hoffnungen ruhen auf dem Mittelfeld-Duo Filip Bilbija und Aaron Zehnter, das an den letzten zehn Paderborner Treffern beteiligt war. Zehnter hat sich inzwischen zum besten Vorlagengeber der Liga aufgeschwungen (gemeinsam mit Hamburgs Jean-Luc Dompé). Zudem verfügt Lukas Kwasniok endlich über einen konstant treffenden Stürmer, Adriano Grimaldi traf in den vergangenen zehn Partien sechsmal. Trainer-Vulkan Kwasniok könnte selbst ein entscheidender Trumpf sein, schließlich gilt er als Top-Motivator.
– Die Motivationsqualitäten benötigt Paderborn auch, um seine aktuelle Pleiten-Serie hinter sich zu lassen. Drei Niederlagen in Folge – vor heimischem Publikum gegen die beiden direkten Konkurrenten Köln und Düsseldorf sowie auswärts bei Kellerkind Braunschweig – haben den SCP auf Platz sieben zurückfallen lassen. Dabei kassierte Paderborn sieben Gegentreffer, so viele wie kein anderes Team. Das Restprogramm hat es in sich: Mit Nürnberg, Elversberg und Magdeburg warten noch drei direkte Konkurrenten. Die Personalie Kwasniok sorgt allerdings auch für gewaltig Unruhe. Am Dienstag verkündeten die Ostwestfalen, dass der von Bundesligisten umworbene Chefcoach und der Verein zum Saisonende getrennte Wege gehen werden. Ein Hammer mitten in der heißen Phase.
Restprogramm: 1. FC Nürnberg (A), SV Elversberg (H), FC Schalke 04 (A), 1. FC Magdeburg (H), Karlsruher SC (A)
1. FC Nürnberg (44 Punkte, 49:45 Tore)
+ Obwohl Nürnberg im vergangenen Winter mit Finn Jeltsch (VfB Stuttgart) einen absoluten Leistungsträger verlor, erhöhte die Mannschaft von Miroslav Klose ihren Punkteschnitt von 1,29 auf 1,83. Damit ist der Club hinter dem Hamburger SV das zweitbeste Team der Rückrunde. Daran muss Nürnberg im Endspurt anknüpfen, wahrscheinlich sogar noch etwas zulegen.
– Nürnberg hat das schwerste Restprogramm aller Mannschaften, die noch auf den Aufstieg hoffen dürfen – die Gegner haben einen durchschnittlichen Tabellenrang von 6,2. Nur am letzten Spieltag in Braunschweig wartet ein Team, das schlechter als der Club platziert ist. Ausgerechnet jetzt fehlt Top-Stürmer Stefanos Tzimas aufgrund muskulärer Probleme. Der Grieche hat schon die vergangenen drei Partien verpasst und soll auch am Samstag gegen Paderborn keine Option sein.
Restprogramm: SC Paderborn (H), Fortuna Düsseldorf (A), SV Elversberg (H), 1. FC Köln (H), Eintracht Braunschweig (A)
Hannover 96 (43 Punkte, 35:30 Tore)
+ Hannovers großer Trumpf ist die Defensive um Ex-FC-Torhüter und Weltmeister Ron-Robert Zieler. Lediglich 30 Gegentreffer kassierten die Niedersachen, was im Liga-Vergleich Platz eins bedeutet. Dadurch ist Hannover nur schwer zu bezwingen, war bis zum 27. Spieltag das einzige Zweitliga-Team ohne Rückrunden-Niederlage.
– Doch 96 gewinnt eben auch viel zu selten. Seit André Breitenreiter an der Seitenlinie steht, gelangen lediglich drei Dreier – bei sieben Unentschieden und zuletzt zwei Pleiten. Mit nur 35 Toren stellt Hannover die fünftschwächste Offensive der Liga, was für den Aufstieg eigentlich nicht reichen kann. Nun fällt mit Jessic Ngankam (ausgeliehen von Frankfurt) auch noch der zweitbeste Torschütze nach Nicolo Tresoldi aufgrund eines Schien- und Wadenbeinbruchs für die restliche Saison aus.
Restprogramm: SV Darmstadt 98 (A), 1. FC Köln (H), SSV Ulm (A), Greuther Fürth (H), Hertha BSC (A)








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