Der 1. FC Köln hat einen unglücklichen Derby-Abend in Mönchengladbach erlebt. Nach der 1:3-Niederlage beim Erzrivalen zeigten sich die Geißböcke wenig überraschend sehr enttäuscht. Die Stimmen zum Spiel.
Aus dem Borussia-Park in Mönchengladbach berichten Marc L. Merten und Martin Zenge
Marvin Schwäbe
„In der ersten Halbzeit hatten wir extrem viele Ballbesitzphasen, in den gewissen Momenten aber keine Lösung im letzten Drittel. Wir haben viel verlagert, haben es geschafft, ins letzte Drittel zu kommen – aber wirklich gefährlich zu werden, war schwierig. Gladbach hat uns die Tiefe weggenommen. Insgesamt müssen wir mit dem Ballbesitz ein Stück weit besser umgehen. Wir haben uns Konter gefangen, was Gladbach ins Spiel gebracht hat. Ich glaube, ansonsten wäre es für uns in die richtige Richtung gegangen. Leider haben wir sie hier und da ein bisschen eingeladen.“
Marius Bülter
„Ich habe die strittigen Szenen noch nicht gesehen, für uns war das natürlich unglücklich. Wie das 0:2 gefallen ist, tat weh. Der Spielverlauf, der letzte Woche vielleicht ein bisschen glücklich für uns war, war heute eher unglücklich. Die erste halbe Stunde habe ich uns nicht so schlecht gesehen. Am Ende ist es ein Derby, phasenweise standen beide Mannschaften tief, damit nicht so viel anbrennt. Gladbach stand nicht so verkehrt, sie haben das gut gemacht. Bis zum Elfmeter hatten sie aber nicht die Chancen. In der zweiten Halbzeit sind wir eigentlich gut reingekommen, haben dann aber innerhalb von zwei Minuten zwei Tore kassiert. Unsere Reaktion fand ich okay. Das wird jetzt ein paar Tage wehtun. Uns ist bewusst, welche Bedeutung das Spiel hatte. Man muss aber auch sagen, dass die Art und Weise gestimmt hat – wir haben alles reingehauen. Manchmal ist der Sport so. Es hat sich zwischenzeitlich nicht wie ein 0:3 angefühlt. Die Art und Weise stimmt mich zuversichtlich, das nehmen wir mit in die Länderspielpause.“
Thomas Kessler
„Wir sind enttäuscht. Es war ein Spiel, das durch knappe Entscheidungen entschieden wurde. Das Momentum war überhaupt nicht auf unserer Seite. Kurz vor der Halbzeit bekommen wir einen Elfmeter gegen uns. Marvin hält ihn zwar, aber beim folgenden Eckball fehlen dir nach dem Jubeln über den gehaltenen Elfmeter wahrscheinlich die fünf Prozent, um dieses Tor zu verhindern. Der zweite Elfmeter tut dann richtig weh. Ich fand, dass wir nicht die schlechtere Mannschaft waren. Es ist lange, lange her, dass der FC nach Mönchengladbach gefahren ist und die Borussia uns den Ball gegeben hat, hinten gestanden hat und gar nichts machen wollte. Das ist etwas, was wir uns erarbeitet haben. Der Plan ist für Gladbach heute aufgegangen, weil wir es nicht geschafft haben, uns viele Chancen zu kreieren. Wir hatten uns vorgenommen, dominanter zu sein und uns besser durchzuspielen. Das ist uns nicht gelungen.“
Lukas Kwasniok
„Das Wichtigste ist, Siege mit Stolz zu feiern und Niederlagen mit Anstand zu akzeptieren. Deswegen: Eugen, an dich und deine Mannschaft Glückwunsch zu den drei Punkten. Die Dramaturgie des Spiels war heute Abend nicht auf unserer Seite, deswegen sind wir als Verlierer vom Platz gegangen. Wir hatten von Beginn an Spielkontrolle, haben wenig zugelassen. Gladbach hat sich darauf fokussiert, die eigene Hälfte zu kontrollieren. Wir hatten nach 30 Minuten das Gefühl, etwas Besonderes machen zu müssen, um vor der Halbzeit in Führung zu gehen, und haben zwei-, dreimal in den kompakten Block reingespielt, haben Kontersituationen zugelassen. Da hatte Gladbach das Gefühl: Hey, wir können hier über einen Umschalter zum Erfolg kommen. Dann passiert der Elfmeter, Schwäbe hält ihn sensationell. Aber der gefährlichste Eckball in einem Spiel ist immer der nach einem gehaltenen Elfmeter. Wir haben uns in der Halbzeit geschüttelt und zweimal gewechselt, fressen aber noch einen VAR-Elfmeter. Dann wird es schwer. Trotzdem hatte ich das Gefühl, das noch etwas möglich gewesen wäre, wenn wir beim 0:2 im Spiel geblieben wären. Das 0:3 hat uns sicherlich gekillt, durch einen technischen Fehler. Dann war das Spiel eigentlich gegessen, das 3:1 ist ein bisschen zu spät gefallen. Am Ende müssen wir das akzeptieren. Wir hatten uns hier mindestens einen Punkt gewünscht, das sollte nicht der Fall sein.“
Eugen Polanski
„Lukas, danke dir. Lukas hat das relativ gut zusammengefasst. Wir haben mit zunehmender Spieldauer daran geglaubt, hier ein Spiel gewinnen zu können. Wir haben den Elfmeter nicht reingeschossen, aber die Mannschaft ist positiv geblieben – das zeichnet sie gerade aus. Wir haben die unbedingte Gier, Spiele gewinnen zu wollen, Tore zu erzielen und das eigene Tor zu verteidigen. Wir wussten, dass Köln in der zweiten Halbzeit kommt, haben aber wieder einen Elfmeter zugesprochen bekommen und den Gott sei Dank reingemacht. Nach dem 3:0 sind wir auf einer Welle geritten, hatten vieles im Griff. Wir haben sehr kompakt verteidigt. Ich bin tatsächlich gar kein Freund vom VAR, das wird bei mir immer schlimmer, auch wenn wir eher davon profitiert haben. Ich sehe den Sinn dahinter nicht. Das 3:1 war auf gar keinen Fall ein Elfmeter. Die Dramatik, die am Ende noch mal reinkommt, hat der Schiedsrichter reingebracht. Das darf er nicht pfeifen. Ich hätte gerne zu null gespielt, bin aber natürlich trotzdem froh, dass wir das Spiel mit zwei Toren Abstand gewonnen haben.“







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