„Ich will hier weg!“ FC-Reservist versteht Kwasniok nicht und lässt Zukunft offen

Lukas Kwasniok wechselte Jusuf Gazibegovic nur am zweiten Spieltag gegen Freiburg ein. (Foto: IMAGO / Ulrich Hufnagel)
Lukas Kwasniok wechselte Jusuf Gazibegovic nur am zweiten Spieltag gegen Freiburg ein. (Foto: IMAGO / Ulrich Hufnagel)

Nach einer Hinrunde als Reservist hat Jusuf Gazibegovic den 1. FC Köln im Winter verlassen, um sich per Leihe seinem vorherigen Club Sturm Graz anzuschließen. Nun offenbart der Rechtsverteidiger sein Unverständnis für die Nicht-Berücksichtigung unter Lukas Kwasniok und lässt seine Zukunft offen.

Man könnte meinen, er hätte das Verletzungspech vom Geißbockheim mit in die Steiermark genommen. Jusuf Gazibegovic, bis Saisonende vom 1. FC Köln an Sturm Graz verliehen, hat die vergangenen beiden Spiele aufgrund von Oberschenkelproblemen verpasst. Am Sonntag, wenn der Tabellenzweite der österreichischen Bundesliga den SCR Altach empfängt, will der 25-Jährige jedoch zurückkehren. „Ich bin optimistisch, dass es am Wochenende wieder funktioniert“, sagt Gazibegovic im Sturm-Podcast BlackFM.at.

Trotz seiner Verletzung hat der Rechtsverteidiger in Graz schon fast 13-mal so viele Minuten gesammelt wie in der Hinrunde beim FC – was keine große Kunst ist. Während Gazibegovic bei Sturm direkt wieder in die Startelf rückte, einmal im Pokal sowie zweimal in der Liga beginnen durfte (insgesamt 285 Minuten), hatte Lukas Kwasniok ihn nur ein einziges Mal eingewechselt. Beim 4:1 gegen Freiburg am zweiten Spieltag hatte der gebürtige Salzburger 22 Minuten rangedurft.

Gazibegovic: „Und zack war es vorbei“

Das Verständnis für seine ernüchternde Hinrunde hält sich bei Gazibegovic in Grenzen, das wird im Podcast-Interview deutlich. Er habe „ziemlich schnell gemerkt“, dass es für ihn schwer wird: „Ich habe eigentlich eine gute Vorbereitung gespielt, kann mich an kein Spiel erinnern, wo ich etwas falsch gemacht oder nicht gezeigt hätte, dass ich unbedingt will. Dann kamen die ersten Pflichtspiele, ich war nur im Kader und habe nicht gespielt. Da habe ich schon signalisiert: Okay, vielleicht wäre es besser zu gehen.“

Kwasniok habe ihm jedoch gesagt: „Ich bin zufrieden mit dir, du machst das gut.“ Was Gazibegovic auch selbst so empfand und durch sein Bundesliga-Debüt am 31. August gegen Freiburg bestätigt sah. Nach der anschließenden Reise zur Nationalmannschaft sei er aber außen vor gewesen. „Es war alles okay, dann bin ich zurückgekommen und zack war es vorbei – gefühlt aus dem Nichts. Das war das erste Mal, wo ich dachte: Okay, ich habe nicht verstanden, was genau ich falsch gemacht habe.“

Ich habe nicht gesagt, dass ich spielen muss, sondern dass ich im Kader sein muss. Es war wirklich nicht so schlecht.

Jusuf Gazibegovic über seine FC-Hinrunde

Er sei trotzdem drangeblieben, habe weitergemacht. „Ich war vier-, fünfmal nicht im Kader. Das war unverständlich für mich zu dem Zeitpunkt, weil ich weiß, was ich kann.“ Schließlich habe er mit Sturm Graz schon Champions League gespielt und „gute Partien gezeigt“. Nun die Reservistenrolle bei einem Bundesliga-Aufsteiger. „Ich habe es einfach nicht verstanden und natürlich oft die Gespräche gesucht, warum ich nicht spiele und nicht dabei bin.“

Kwasniok verwies offenbar intern wie auch extern auf den Pressekonferenzen auf die Stärken der anderen Außenverteidiger und hatte gerade im ersten Saisondrittel die Ergebnisse auf seiner Seite. „In dem Zeitraum waren wir mit Köln gut unterwegs, die Spieler haben super gespielt“, erinnert sich Gazibegovic und lobt seinen Konkurrenten: „Sebastian Sebulonsen macht das wirklich gut, er spielt verdient.“

Gazibegovic: „Das macht keinen Sinn“

Dass er selbst in neun von 15 Spielen nicht mal im Spieltagsaufgebot war, konnte er jedoch nicht nachvollziehen. „Ich habe nicht gesagt, dass ich spielen muss, sondern dass ich im Kader sein muss. Es war wirklich nicht so schlecht, dass ich nicht dabei bin. So habe ich das nicht empfunden“, blickt Gazibegovic auf seine Trainingsleistungen zurück.

Nachdem man ihm zunächst noch signalisiert hatte: „Bleib da, du kriegst deine Chance“, musste er im Laufe der Hinrunde realisieren, dass doch nur ein Winterwechsel hilft. „Irgendwo habe ich dann gesehen: Das macht keinen Sinn. Irgendwann war der Moment gekommen, wo ich mich entscheiden musste.“ Und die Entscheidung lautete: „Ich will hier weg. Ich muss unbedingt spielen, ich will auch das Nationalteam nicht komplett verlieren.“

Ich habe Gespräche geführt mit Thomas Kessler, dem ich sehr dankbar bin, dass er mir überhaupt die Chance geboten hat, hier in Graz in die Spur zu finden. Es ist nicht selbstverständlich, dass er mich hat gehen lassen.

Jusuf Gazibegovic

Der Wechselwunsch reifte wohl spätestens, als Kwasniok im Oktober auf einer Pressekonferenz erklärte: „Viele Spiele in der Bundesliga werden durch Größe entschieden.“ Bezüglich Gazibegovic und dem damals ebenfalls chancenlosen Alessio Castro-Montes schob der FC-Trainer nach: „Die beiden sind jetzt nicht so groß gewachsen, nicht körperlich die allerrobustesten.“

Die heutige Reaktion des 1,74 Meter großen Gazibegovics: „Das ist für mich nicht nachvollziehbar – noch immer nicht. Das macht es zu einfach.“ Er habe über die Aussagen geschmunzelt und wisse natürlich: „Jeder Trainer hat seine Präferenzen, welche Spielertypen spielen. Das ist Fußball. Ich bin keinem sauer.“

Dankbar zeigt sich der 23-fache bosnische Nationalspieler gegenüber Thomas Kessler. „Es ist nicht selbstverständlich, dass er mich hat gehen lassen. Er hat sich damit ein Loch aufgemacht, weil ich einer der zwei Rechtsverteidiger war.“ Der FC-Geschäftsführer habe ihm „die Chance geboten, in Graz in die Spur zu finden“.

Wie geht’s für Gazibegovic weiter?

Seine langfristige Zukunft lässt Gazibegovic derweil offen. Die Leihe läuft zunächst bis Saisonende, sein Vertrag in Köln noch bis 2028. „Ich denke gar nicht an den Sommer. Natürlich bin ich mit dem Plan hierhergekommen, zu spielen, wieder in den Rhythmus zu kommen und zu zeigen, was ich kann. Ich möchte mich auf der größten Bühne zeigen, das ist ganz klar. Aber derzeit bin ich voll auf das Hier fokussiert“, so seine Herangehensweise.

Die deutsche Bundesliga wäre fraglos eine größere Bühne als die österreichische, doch eine Zukunft beim FC dürfte zumindest unter Lukas Kwasniok äußerst unwahrscheinlich sein. Zumal Gazibegovic in einer Schnellfragerunde im Rahmen des Podcasts nicht wirkte, als vermisse er den FC. Bei den Fragen Köln oder Graz und Süd- oder Nordkurve entschied er sich jeweils für Sturm. 

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