Er zählt zu den teuersten Transfers der Vereinsgeschichte, wartet jedoch seit mehr als fünf Monaten auf einen Einsatz für den 1. FC Köln. Und nun sitzt Rav van den Berg sogar auf der Tribüne. Das sagt Thomas Kessler über die schwierige Situation des Niederländers.
Es war der Tiefpunkt seiner bislang ohnehin nicht einfachen Zeit beim 1. FC Köln: Rav van den Berg hat es beim 1:1 gegen den SV Werder Bremen erstmals aus Leistungsgründen nicht in den Spieltagskader der Geißböcke geschafft (der GEISSBLOG berichtete).
Trainer René Wagner wollte neben dem Stammduo Jahmai Simpson-Pusey und Luka Lochoshvili lediglich einen Ersatzmann für sein Aufgebot nominieren, entschied sich für den von der Bank zuverlässigen Joel Schmied – und untermauerte damit, was ohnehin schon jeder ahnte: Van den Berg, immerhin Kapitän der niederländischen U21-Nationalmannschaft, ist beim FC aktuell nur Innenverteidiger Nummer vier.
Der Weg des Bruders als Vorbild
Besonders ärgerlich ist das für alle Beteiligten, weil van den Berg auch in einer anderen Rangliste auf Platz vier steht. Der 22-Jährige ist nach Jhon Cordoba, Lukas Podolski und Sebastiaan Bornauw der viertteuerste Zugang in der FC-Historie. Rund acht Millionen Euro war er den Kölnern wert, als er im vergangenen Sommer als vermeintlicher Königstransfer vom englischen Zweitligisten Middlesbrough kam. „Ein Spieler, der so viel kostet, sollte im besten Fall auch spielen“, gab Sportchef Thomas Kessler zuletzt bei einer Talkrunde des DuMont-Verlags zu.
Bei van den Bergs Verpflichtung hatten sowohl der Spieler als auch der Club natürlich eine ganz andere Vorstellung. Das als technisch versiert und zweikampfstark geltende Abwehr-Talent sollte schnell zum Leistungsträger reifen – wollte sich genau wie sein zweieinhalb Jahre älterer Bruder Sepp über die Bundesliga (Schalke und Mainz) für die Premier League (Brentford) empfehlen.
Ich muss in der Kaderplanung natürlich mehr als zwei spielfähige Innenverteidiger haben. Wir haben vier – ich traue allen zu, dass sie spielen können.
Thomas Kessler
Kessler probierte sich bereits vor dem Kader-Aus gegen Bremen an einer Erklärung, warum sich van den Berg in Köln bislang nicht durchsetzen kann. „Es liegt auf der Hand, dass es immer wieder in der Entwicklung passieren kann, dass jemand den Standort wechselt und nicht sofort Fuß fasst.“ Schon der Start sei nicht einfach gewesen. „Es waren lange Verhandlungen mit Middlesbrough. Die haben ihn vier Wochen lang kalt gestellt und nur im Kraftraum trainieren lassen. Er hatte also keine Vorbereitung und als Rav voll im Saft stand, hat er sich schwer an der Schulter verletzt.“
Nach seinem verheißungsvollen Bundesliga-Debüt gegen den SC Freiburg am zweiten Spieltag der vergangenen Saison – mit einer perfekten Quote von 100 Prozent gewonnenen Zweikämpfen – zog sich van den Berg bei seinem zweiten Einsatz in Wolfsburg eine Schultereckgelenksprengung zu, fiel monatelang aus.

Auch nach seiner Genesung fand der 1,91-Meter-Hüne nie so wirklich zur Topform, war zwischenzeitlich aufgrund eines unglücklichen Handspiels zum Jahresabschluss gegen Union Berlin (0:1) und der daraus resultierenden Rotsperre wieder zum Zuschauen verdammt. In den letzten Partien unter Lukas Kwasniok war van den Berg dann wieder gesetzt – unter Nachfolger René Wagner spielte er jedoch nur bei dessen Debüt in Frankfurt, wo er kein gutes Bild abgab.
Mehr als fünf Monate ist das her. Seitdem, seit dem 5. April, sitzt der Niederländer beim FC dauerhaft auf der Bank. Und nun sogar nur auf der Tribüne. Seine Chance auf einen Neustart während der Saisonvorbereitung hat van den Berg offenbar nicht genutzt. „Wir haben auf der Position nachgelegt. Ich muss in der Kaderplanung natürlich mehr als zwei spielfähige Innenverteidiger haben“, verwies Kessler auf den Konkurrenzkampf und schob nach: „Wir haben vier – ich traue allen zu, dass sie spielen können.“
Auch der teuerste FC-Star brauchte seine Zeit
Abgeschrieben hat der Sportboss seinen bislang teuersten Einkauf keinesfalls. „Es wäre nicht der erste Spieler in der Geschichte des Fußballs, der erst im zweiten oder vielleicht im dritten Jahr den Sprung gemacht hat.“ Ein positives Beispiel ist der Kölner Rekordtransfer: Jhon Cordoba erlebte ein Horrorjahr, nachdem der FC rund 17 Millionen Euro für ihn nach Mainz überwiesen hatte, avancierte später aber noch zum Torjäger und Publikumsliebling.
Wie viel Geduld van den Berg und der FC haben, wird sich zeigen. Sollte sich an seiner komplizierten Lage bis zum Winter nichts geändert haben, könnte eine Luftveränderung – womöglich zunächst mal per Leihe – allen Beteiligten helfen. Sein langfristiger Vertrag bis zum 30. Juni 2030 lässt viel Spielraum zur Entwicklung.





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