Wagners Woche der Wahrheit: Klärt sich jetzt die K-Frage?

Thomas Kessler und René Wagner
Hoffen auf einen Heimsieg: Thomas Kessler und René Wagner vom 1. FC Köln. (Foto: Bucco)

Steht der 1. FC Köln vor der Woche der Wahrheit? Drei Spiele hat Trainer René Wagner, um die Kritiker vielleicht dauerhaft zu überzeugen. Den Anfang macht das Heimspiel gegen den FC Schalke 04.

Eine kommentierende Analyse von Alexander Haubrichs

Als kürzlich der zweite GEISSTALK in der Rösterei Schamong in Ehrenfeld aufgezeichnet wurde, da ließ WM-Final-Kommentator Tom Bartels mit seiner nüchternen Einschätzung zum 1. FC Köln die Reporter des GEISSBLOG nachdenklich zurück.

Nach dem Derby und unmittelbar vor der Auswärtsaufgabe in Frankfurt hielt der Wahl-Kölner ein Plädoyer für Ruhe und Beständigkeit in der oft allzu emotionalen Domstadt. Seine besondere Verbindung zu Thomas Kessler unterschlug er dabei nicht – und machte damit deutlich, dass seine Gedanken sich durchaus auch im Handeln der Kölner Verantwortlichen widerspiegeln.

Bartels: 1. FC Köln gut aufgestellt für die Zukunft

Bartels‘ These: Der 1. FC Köln sei bei allem Verletzungspech gut aufgestellt für den Kampf um den Klassenerhalt. Und René Wagner sei eine bewusste Wahl von Thomas Kessler, der etwas in dem Coach sieht und deshalb auf ihn baut. Ähnlich wie Freiburgs Julian Schuster solle man den jungen Trainer doch an der Aufgabe wachsen lassen. 

Womit er sicher Recht hat: Seit der Ära Peter Stöger gab es nur kurz mit Steffen Baumgart ansatzweise Kontinuität auf der Trainerposition. Das soll Wagner nun ändern. Auch auf dem Geschäftsführer-Posten leistete man sich Fehlgriff auf Fehlgriff – und will mit Thomas Kessler eine dauerhafte Besetzung gefunden haben.

Doch bei allem Wunsch nach langfristigen Lösungen: Hat man auf einer Position den Falschen oder erweist sich dieser als nicht lernfähig, muss man handeln. So geschehen bei Lukas Kwasniok. 

Wagners überschaubare Ausbeute

Für Kessler gilt: Die Bewertung seiner Arbeit muss man in größeren Zeiträumen messen – mit seiner Transferbilanz, dem dauerhaften sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg, ob seine England-Strategie aufgeht und eben, ob er auf die richtigen Leute setzt.

Und da richtet sich der Blick auf René Wagner, den Trainer, den Kessler nach einem mühsamen Endspurt im Sommer dauerhaft befördert hat. Man war der Meinung, dass das Problem im Finale der Vorsaison bei der Mannschaft lag. Wagner bekam seine Chance, das Team ein neues Gesicht.

Doch bislang bleibt seine Ausbeute überschaubar – und das obwohl er Gegner in schöner Regelmäßigkeit zum bestmöglichen Zeitpunkt serviert bekommt. Ersatzgeschwächte Hoffenheimer, Stuttgart in der Findungsphase, an sich selbst zweifelnde Bremer. Dann der punktlose HSV, das abstürzende Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Zuletzt die nach sechs Gegentreffern in Leipzig und genauso vielen Monaten ohne Heimsieg komplett verunsicherte Eintracht aus Frankfurt.

Was den FC-Fans Sorgen macht

Die Kölner Punktausbeute ist in Ordnung – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bedenklicher ist, dass sich bislang nicht wirklich eine Spielidee erkennen lässt. Aufstellung, Taktik und auch das Coaching während der Spiele wirken reißbrettartig, oft vermisst man wie gegen Bremen eine Reaktion auf Fehlentwicklungen oder die Mannschaft wirkt wie am Freitag in Frankfurt unvorbereitet auf den erwartbaren Sturmlauf der SGE vor der eigenen Kurve unmittelbar nach der Halbzeitpause.

Dazu kommt, dass Entwicklungssprünge ausbleiben. Mikey Moore etwa deutete sein Talent mehrfach an, in Frankfurt aber führte sein Frust über sich selbst zu einer mehr als teuren Zweikampf-Verweigerung, die den Siegtreffer der Hessen einläutete. Eine besorgniserregende Fitness und Laufbereitschaft, anhaltende Probleme bei Standards und natürlich die Auswärtsschwäche sind weitere Alarmsignale.

Das Umfeld zweifelt weiter

Das hilft natürlich nicht, das ohnehin schon zweifelnde Umfeld zu überzeugen und so nahm unmittelbar nach Schlusspfiff in Frankfurt die nur fünf Tage ruhende Kritik gleich wieder Fahrt auf. Daher kommt den nächsten drei Spielen erneut eine große, ja mehr als richtungsweisende Bedeutung zu. Schalke zu Hause, dann Union im eigenen Stadion im Pokal und auswärts in der Liga. Eine Woche, die vielleicht endlich die Richtung weist – schließlich kommt vor der Länderspielpause noch Bayer Leverkusen, gleich danach geht es zum FC Bayern München.

Endlich einmal im Pokal überwintern und sich mit vier Zählern im Mittelfeld festbeißen, dann würde für einige Zeit Ruhe einkehren. Dagegen würde ein Aus im K.o.-Spiel und kein Sieg die Stimmung dramatisch nach unten ziehen. Drei Spiele in der Woche der Wahrheit. René Wagner und sein Team müssen jetzt liefern und die längst schwelende K-Frage beantworten: Hat der 1. FC Köln nun eine Krise oder nicht?

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