„Unterwürfig gegenüber Donald Trump“: Wie der 1. FC Köln über einen Boykott der WM 2026 denkt

Donald Trump und Gianni Infantino bei der Verleihung des Friedenspreises der FIFA im Dezember 2025.
Kriecherische Inszenierung: FIFA-Präsident Gianni Infantino verleiht Donald Trump den extra geschaffenen Friedenspreis. (Foto: Imago/Brazil Photo)

Letzte Länderspielpause vor der WM 2026 in den USA. Auch viele Profis des 1. FC Köln sind bei ihren Nationalteams. Doch wäre ein Boykott der Propaganda-Show von Donald Trump angesichts seines Handelns bitter nötig? Vizepräsident Jörg Alvermann vom 1. FC Köln wird deutlich.

Als vor der Weltmeisterschaft in Katar die Nachrichten über Arbeitssklaven und die Unterdrückung der LGBTQ-Gemeinschaft Schlagzeilen machten, flammte eine monatelange Diskussion auf. Der Höhepunkt: Am 4. Juli 2022 diskutierte der Bundestag durchaus kontrovers über einen Boykott, und Heike Ullrich, die damalige Generalsekretärin und heutige Vizepräsidentin des Deutscher Fußball-Bund, musste erläutern, warum man trotzdem an einer Teilnahme festhielt.

Auch vor der Weltmeisterschaft in Russland 2018 hielt sich die Begeisterung in engen Grenzen. Nach dem Überfall auf die Ukraine durch die Truppen von Wladimir Putin wäre ein Turnier dort nicht mehr möglich gewesen.

Jörg Alvermann, Vizepräsident des 1. FC Köln.
Kritik an der FIFA: Jörg Alvermann, Vizepräsident des 1. FC Köln (Foto: Imago/Nordphoto)

Aber was ist mit den USA? In diesem Sommer soll dort der neue Weltmeister gekrönt werden. Donald Trump wird alles tun, um das Turnier zu seiner persönlichen Propaganda-Veranstaltung zu machen. Doch parallel überzieht der US-Präsident Venezuela und den Iran mit völkerrechtswidrigen Angriffen. In Kuba, das während der Corona-Pandemie seine Spezialisten in alle Welt schickte, um gerade ärmeren Ländern bei der Eindämmung zu helfen, hungern wegen der US-Blockade die Menschen. Und selbst die NATO-Verbündeten hatten Anfang des Jahres Truppen nach Grönland verlegt, um sich auf das Undenkbare vorzubereiten: einen bewaffneten Konflikt mit den USA. Währenddessen terrorisieren seine ICE-Agenten die heimische Bevölkerung, die Pressefreiheit ist in Gefahr.

WM 2026 in den USA als Trumps Propaganda-Show?

Trotzdem ist das Schweigen gerade in Deutschland bislang ohrenbetäubend. Lediglich St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich hatte versucht, eine Diskussion anzustoßen. Auch Trainer Alexander Blessin plädierte dafür, „jetzt darüber nachzudenken und nicht erst während des Turniers und das alles auf den Spielern abzuladen“.

Die Hanseaten ernteten dafür Kritik von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Doch vom 1. FC Köln kommt jetzt Unterstützung. Zumindest zu einer offenen Diskussion ist der neue FC-Vorstand bereit und ermuntert sogar dazu: „Wir halten es für absolut legitim, die Instrumentalisierung des Fußballs für politische und wirtschaftliche Interessen zu kritisieren und eine öffentliche Debatte zu führen. Ein offener Diskurs ist wichtig und notwendig“, sagt Kölns Vizepräsident Jörg Alvermann.

FIFA und die WM 2026: Es zählt nur das Geld

Für Unmut sorgte einmal mehr FIFA-Präsident Gianni Infantino. Er stellte mit der Verleihung des Friedenspreises an Donald Trump nach dem Kotau vor Wladimir Putin und den katarischen Scheichs erneut unter Beweis, dass Menschenrechte, Anstand und Moral beim Weltverband keine Entscheidungskriterien sind, es zählen nur Macht, Einfluss und Geld. Das sieht man auch beim 1. FC Köln kritisch. Vizepräsident Jörg Alvermann: „Wir sehen die politische Instrumentalisierung der bevorstehenden Weltmeisterschaft und die Unterwürfigkeit der FIFA unter Gianni Infantino gegenüber US-Präsident Donald Trump mit großer Sorge. Wir lehnen diese Form der Inszenierung entschieden ab.“

WM 2026: Darum ist der 1. FC Köln gegen einen Boykott

Allerdings hält man am Geißbockheim wenig von einem Verzicht auf eine Teilnahme. „Wir halten einen Boykott des Turniers für den falschen Weg. Ein Rückzug träfe in erster Linie die Spieler und Fans und würde dem Fußball die Möglichkeit nehmen, als verbindendes Element zu wirken – gerade auch in den Co-Gastgeberländern Kanada und Mexiko“, verweist Alvermann auf die zwei Nachbarn der USA, die unter Trumps Politik leiden und gleichzeitig mit Präsidentin Claudia Sheinbaum (Mexiko) und Premier Mark Carney (Kanada) zwei leuchtende Beispiele verantwortungsvoller demokratischer Staatsführung an der Spitze haben. Alvermann: „Wir erwarten daher weder vom DFB noch von potenziellen WM-Fahrern unseres Kaders einen Verzicht. Aber Fußball-Deutschland sollte nicht schweigen, wenn der Sport für politische Propaganda missbraucht wird.“

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