Die Nummer 10 ist beim 1. FC Köln die Nummer der Legenden. Den Grundstein dafür legte Wolfgang Overath, der als Spielmacher eine ganze Ära prägte. Nun übergab Lukas Podolski das Zepter an Said El Mala. Das nächste Kapitel dieser kölschen Geschichte kann geschrieben werden.
„Die Nummer 13 geht, die Nummer 10 bleibt…“ Overath, Littbarski, Podolski: In kaum einem anderen deutschen Club ist die ohnehin schon legendäre Rückennummer mit so einer Historie versehen wie beim 1. FC Köln. Nach dem Abschied des Prinzen war sie sogar ein richtiges Politikum, nun trägt sie mit Said El Mala der Hoffnungsträger der FC Fans.
Der GEISSBLOG wirft einen Blick auf die Geschichte, die im Zeitalter der „Positionsnummern“ stets dem Spielmacher vorbehalten war. Während die Nummer 1 das Tor hütete und die Nummer 5 meist dem guten, alten Libero vorbehalten war, während der Mann mit der 9 für die Tore zuständig war, hatte der Spieler mit der 10 meist die Aufgabe, die Strippen im Mittelfeld zu ziehen.
Wolfgang Overath prägte mit der 10 eine ganze Ära
Der erste großer 10er in der FC-Historie war selbstredend Wolfgang Overath, der vom Karrierestart weg meist mit dieser Nummer auf dem Rücken auflief. In den 60ern spielte er auch schon mal mit der 2, der 3 oder der 8, aber ab der Saison 1968/69 bis zu seinem Karriereende 1976/77 hatte der Europameister von 1972 und Weltmeister von 1974 das Trikot sicher.

In der Double-Saison 1977/78 war es Herbert Neumann, der in die großen Fußstapfen des Ex-Präsidenten trat, es folgten mit Tony Woodcock und Rainer Bonhof zwei weitere Größen von einst für je eine Saison, ehe Stephan Engels für drei Jahre das Trikot eher auf der Außenbahn trug, damit aber auch den DFB-Pokal gewinnen konnte.
Ihm folgte Olaf Janßen, ehe die Ära Pierre Littbarski beim FC begann. Der Dribbelkünstler hatte erst die Nummer 7 getragen, nach seiner Rückkehr aus Paris 1987 bis zu seinem Abschied Richtung Japan 1993 war Litti aber als Nummer 10 gesetzt.
Nach Littbarski: Nummer 10 wird zum Wanderpokal
Dann begannen bekanntlich die dunkleren Jahre beim 1. FC Köln, das Trikot mit der Rückennummer 10 wurde zum Wanderpokal: Horst Heldt trug es, Ralf Hauptmann, Andrzej Rudy, Patrick Weiser, Dorinel Munteanu, Goran Vucevic. „Pele“ Wollitz war dann nochmal so ein klassischer Spielmacher, Markus Kreuz eher nicht. Andriy Voronin stürmte mit der 10 in der Saison 2003/04, nach seinem Wechsel zur Bayer 04 Leverkusen schnappte sich Newcomer Lukas Podolski die Nummer – und wurde zur kölschen Kultfigur.

Auch der Abschied 2006 Richtung Bayern tat der Liebe der Fans keinen Abbruch. Während der Prinz in der Ferne weilte, dirigierte „Mozart“ Thomas Broich mit der Nummer 10 das Spiel des 1. FC Köln, allerdings mit überschaubarem Erfolg. Podolski kehrte zurück, Broich floh nach Nürnberg, die 10 war wieder zu Hause.
Doch dann kam das Jahr 2012, der neuerliche Absturz Richtung Zweitklassigkeit. Podolski – mit einer vermeidbaren Verletzung und einem bitteren Platzverweis nicht unbeteiligt am freien Fall in der Rückserie – sicherte dem 1. FC Köln trotzdem das Überleben. Sein Wechsel zum FC Arsenal spülte 15 Millionen Euro in die Kassen des Clubs, der nur dank dieser Einnahmen der Zahlungsunfähigkeit entging.
Die Saga um Patrick Helmes
Als Dank versprach der damalige Präsident Werner Spinner, die 10 nicht mehr zu vergeben, solange Lukas Podolski Fußball spielt – eine Zusage, die dem ein Jahr später verpflichteten Geschäftsführer Jörg Schmadtke ein Dorn im Auge war. Der Düsseldorfer konnte mit dem Kölner Poldi-Kult nichts anfangen und plante zur Saison 2014/15 den Wortbruch: Patrick Helmes, nach Jahren bei Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg nach Köln zurückgekehrt, sollte den FC mit der 10 auf dem Rücken in der Bundesliga anführen.
Doch dazu kam es nicht mehr: Helmes musste wegen Hüftarthrose seine Karriere beenden. Der Stürmer trug die Nummer nur in einem Spiel – einem Testspiel. In einem Pflichtspiel konnte Helmes sie nicht mehr auf den Rasen führen. Der Schaden im Verhältnis zu Lukas Podolski war dennoch angerichtet, es dauerte eine ganze Weile, bis sich das Verhältnis normalisierte.
Hoffenheim-Heimspiel startet eine neue Ära
Umso mehr Größe zeigten alle Parteien im Sommer 2026: bei der Vertragsverlängerung von Said El Mala. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler war weise genug, bei dem sensiblen Thema Podolski mit ins Boot zu holen. Statt Zoff gab es eine Thronfolge per Video-Call. Und beim 1. FC Köln begann mit dem 1. Bundesliga-Spieltag und dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim ein neues Kapitel der unendlichen Geschichte, dieses Mal mit El Mala im Trikot der legendären Nummer 10.








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