Die vielen warmen Worte von René Wagner lassen vermuten: Mikey Moore steht am Freitagabend in Stuttgart vor dem Blitzdebüt für den 1. FC Köln. Durch Said El Malas Erkältung ist der Engländer direkt ein Startelf-Kandidat. Landsmann Reigan Heskey muss sich hingegen gedulden.
Der 1. FC Köln zu Gast beim Tabellenschlusslicht. Aussagekraft hat diese Konstellation nach erst einem Spieltag natürlich nicht – erst recht nicht, da der VfB Stuttgart die schmerzvolle Ehre hatte, zum Saisonauftakt beim FC Bayern München zu gastieren. Und dennoch werden die Schwaben ihr Möglichstes tun, um am Freitagabend (20.30 Uhr) gegen die Geißböcke die Rote Laterne wieder loszuwerden.
„Der VfB hat über die letzten Jahre überragende Arbeit gemacht und stand nicht umsonst zweimal im Pokalfinale“, zollt René Wagner der Entwicklung des VfB vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Team gebührenden Respekt. Der FC-Trainer warnt: „Sie haben ihren Kader größtenteils zusammengehalten. Wir wissen, dass es ein brutal schweres Spiel wird.“
Klopp auf der Tribüne
Dennoch, da ist Wagner überzeugt, werden die Kölner zu ihren Chancen kommen. Schließlich hat der FC mit Hoffenheim bereits einen Europapokal-Teilnehmer geschlagen. Es wäre ein Traumstart, sollte dieses Kunststück noch einmal gelingen. Doch es muss diesmal mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Said El Mala gelingen, der krankheitsbedingt genau wie Thijs Dallinga das Abschlusstraining und die Abfahrt verpasste.
Doppelt bitter: Jürgen Klopp sitzt am Freitag in der MHP Arena auf der Tribüne, um sich das Traditionsduell anzuschauen. Und eigentlich, das ist völlig klar, wollte der Bundestrainer dabei auch El Mala, der einer der heißesten Kandidaten für die anstehenden Nations-League-Partien ist, unter die Lupe nehmen.
Ausgerechnet mit Klopp auf der Tribüne steht der FC-Star vor dem ersten Ausfall seiner Bundesliga-Karriere. Selbst wenn El Mala noch nachreisen könnte, wird es höchstens für einen Joker-Auftritt reichen. Auf der Suche nach einem Ersatz in der Kölner Startelf wandert der Blick zwangsläufig auf zwei Top-Talente: Reigan Heskey kam als Back-up für El Mala, Offensiv-Allrounder Mikey Moore folgte in dieser Woche per Leihe von Tottenham Hotspur. Wirklich infrage kommen dürfte nur letzterer.
Moores deutlicher Vorsprung
Die beiden Engländer trennen zwar nur gut fünf Monate, die Moore älter ist. Jedoch hat der 19-Jährige bereits 71 Profispiele für Tottenham und die Glasgow Rangers absolviert. 71 mehr als Heskey, der aus dem Nachwuchs von Manchester City verpflichtet wurde und noch auf sein Debüt wartet. So ist es Moore, der durch die Ausfälle in der Kölner Offensive vor einem Blitzdebüt steht – nach gerade mal zwei Trainingseinheiten am Geißbockheim.
„Ich bin froh, dass er da ist“, sagt Wagner über den U-Nationalspieler und zählt auf: „Mikey hat eine super Vorbereitung gespielt. Er hat bei Tottenham das erste Spiel in Brentford von Beginn an gemacht, hat dann im Pokal gut gespielt und ist gegen Newcastle reingekommen.“ Soll heißen: Moore steht voll im Saft.
Diesen Spielertyp haben wir nicht umsonst sechs Wochen verfolgt.
René Wagner über Moore
Zudem steht er seit Wochen mit dem FC-Coach im Austausch, hat sich die Spiele in Würzburg und gegen Hoffenheim angeschaut. Moore weiß, was auf ihn zukommt, und verfügt über ausreichend Spielintelligenz, um sofort helfen zu können. „Das war der Spieler, den wir gesucht haben. Er ist zwischen den Linien gefährlich, hat viel Volumen, arbeitet gerne nach hinten mit und wird gefährlich vor dem Tor“, schwärmt Wagner und betont: „Diesen Spielertyp haben wir nicht umsonst sechs Wochen verfolgt.“
Neben dem Neuzugang drängt – nach seiner starken Vorbereitung sowie den Assists gegen Würzburg und Hoffenheim – auch Linton Maina in die Startelf. Womöglich besetzt Wagner in Stuttgart beide Flügel neu, dann müsste neben dem kranken El Mala auch Jan Thielmann weichen. Maina und Moore könnten jeweils auf beiden Seiten auflaufen.
Das „Aber“ bei Heskey
„Das Schöne ist, dass er alles kann“, sagt Wagner über den Engländer: „Wir haben nach einer Option auf der Zehn gesucht, aber er kann auch beide Seiten spielen. Er fühlt sich auf allen Positionen wohl, was nicht so ganz normal ist.“ Der nachvollziehbare Plan: „Wir setzen Mikey da ein, wo er uns am meisten hilft.“ Und da Moore anders als Heskey nur kurze Zeit auf seine Arbeitsgenehmigung warten musste, ist das in Stuttgart bereits möglich. „Großes Lob an die Stadt Köln für die schnelle Hilfe“, so Wagners stellvertretender Dank.
Dass Heskey nicht nur länger auf das grüne Licht der Behörden, sondern auch auf sein Debüt warten muss, kommt für den Kölner Coach derweil nicht überraschend. „Bei Reigan war uns von Anfang an klar, dass er ein bisschen Zeit brauchen wird – unbestritten seines Talents. Er war bei City ein brutaler Unterschiedsspieler in der Jugend, das war aber trotzdem U19- und U21-Fußball.“
Für jeden Spieler, der versucht, in der Bundesliga Fuß zu fassen, gehören ein paar mehr Sachen dazu, als im Eins-gegen-eins unfassbar gut zu sein.
René Wagner
Beim FC wird der 18-Jährige nicht nur an die Bundesliga, sondern auch generell an den Herren-Fußball herangeführt. „Für jeden Spieler, der versucht, in der Bundesliga Fuß zu fassen, gehören ein paar mehr Sachen dazu, als im Eins-gegen-eins unfassbar gut zu sein. Da gehören Kapazität, Fitness und Volumen dazu“, erklärt Wagner und sieht Fortschritte: „Der Junge gibt jeden Tag im Training Gas, arbeitet an den Themen, die wir ihm mitgeben.“ Sei es das Zweikampfverhalten, seien es zusätzliche Läufe.
„Er muss die Bundesliga athletisch bewältigen können“, nennt der FC-Trainer Heskeys wichtigstes Ziel, denn: „Fußballerisch haben wir absolut keine Bedenken, dass er direkt einen Impact haben kann. Wir müssen vorsichtig mit ihm umgehen und haben aktuell auch andere Spieler im Kader, die es gut machen.“ Maina, Thielmann und nun auch Moore.
Skhiri vor Startelf-Comeback?
Dahinter lauert Heskey auf seine Chance, womöglich als Joker in Stuttgart. „Wir gucken, wann wir ihn auf den Platz bekommen. Ich bin mir sicher, dass er dann eine gute Leistung bringen wird“, so Wagner, der auch in der Mittelfeldzentrale über eine Änderung nachdenkt:
Ellyes Skhiri könnte Paul Okon-Engstler verdrängen und damit sein Startelf-Comeback feiern. „Ellyes ist definitiv weiter als letzte Woche“, sagt der 38-Jährige. Ein Platz in der Anfangsformation sei laut Wagner genauso möglich wie eine erneute Einwechslung.
So könnte der 1. FC Köln in Stuttgart beginnen: Schwäbe – Castro-Montes, Simpson-Pusey, Lochoshvili, Mensah – Krauß – Skhiri, Johannesson – Moore, Maina – Ache








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