Mit diesem Comeback hatte beim 1. FC Köln niemand mehr gerechnet: Kurz nach seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining hat Imad Rondic tatsächlich sein Bundesliga-Debüt gefeiert. Vom Abstellgleis hat er sich in eine Vorbildrolle katapultiert.
Als Imad Rondic im Februar 2025 am Deadline Day des Winter-Transferfensters zum 1. FC Köln wechselte, träumte er von der Bundesliga. Der Stürmer wollte den Geißböcken zum Aufstieg verhelfen und anschließend selbst im deutschen Oberhaus ankommen. Es kam bekanntlich ganz anders. Am Freitagabend feierte Rondic dennoch eines der kuriosesten Bundesliga-Debüts der vergangenen Jahre.
Nach nur zehn Einsätzen in der Aufstiegssaison wurde der Bosnier zum ersten Mal ausgemustert, nach Leihen zu Raków Czestochowa und Zweitliga-Absteiger Preußen Münster zum zweiten Mal. Beim Vorbereitungsauftakt verbannten ihn die Verantwortlichen sofort aus dem Mannschaftstraining. Rondic sollte sich einen neuen Verein suchen, wurde jedoch nicht fündig. Nun ist er plötzlich Bundesliga-Profi.
Wagner belohnt Rondic
Aufgrund seiner vorbildlichen Einstellung im Individualtraining mit Kevin McKenna kehrte der 27-Jährige am Mittwoch ins Team zurück, rutschte wegen des Ausfalls von Thijs Dallinga direkt in den Kader und wurde am Freitagabend zu Beginn der Nachspielzeit tatsächlich eingewechselt – ein Bundesliga-Debüt, mit dem beim FC in diesem Sommer niemand mehr gerechnet hatte. Wahrscheinlich nicht mal Rondic selbst.
„Nach dem 3:1 war die Marschroute, auf das 3:2 zu gehen. Im Fußball sind schon die verrücktesten Dinge passiert, deshalb haben wir uns für Imad entschieden und ein Stück weit seine Geschichte belohnt“, erklärte René Wagner, betonte wie schon unter der Woche: „Das ist ein Spieler, der von uns aus dem Mannschaftstraining genommen wurde, das war ein herber Rückschlag für ihn. Er hat sich acht Wochen den Arsch aufgerissen.“
Es war mir wichtig, der Mannschaft das Zeichen zu geben: Wer sich bei uns den Arsch aufreißt, wird Fußball spielen.
René Wagner
Verrückt, aber wahr: Vom Abstellgleis hat sich Rondic beim FC in eine Vorbildrolle gearbeitet. „Spieler, die jeden Tag ihr Herz auf dem Platz lassen, die nie aufgeben, die immer versuchen, das Beste rauszuholen, haben es verdient, bei uns im Kader stattzufinden“, wollte Wagner demonstrieren, dass sich Schufterei auszahlt.
„Ob es für weitere Einsätze reichen wird, weiß ich nicht“, ergänzte der FC-Trainer, „aber für heute war es mir wichtig, auch der Mannschaft das Zeichen zu geben: Wer sich bei uns den Arsch aufreißt, wird Fußball spielen.“
Unfreiwillige Vorlage statt Fußballmärchen
Es wäre eine dieser Geschichten gewesen, die nur der Fußball schreibt, wenn Rondic den FC bei seiner Bundesliga-Premiere noch mal auf 2:3 herangebracht hätte. So viel Märchen steckte dann aber doch nicht im wahrscheinlich schon jetzt kuriosesten Comeback dieser Saison. Der Angreifer hatte drei Ballkontakte, mit einem wollte er per Kopf einen Stuttgarter Einwurf klären, bediente allerdings stattdessen unfreiwillig Josha Vagnoman für dessen Traumtor zum 1:4-Endstand.
So endete Rondics unerwarteter Aufstieg vorerst auf dem Boden der Tatsachen. Und womöglich bleibt sein erster Bundesliga-Einsatz trotz all der warmen Worte Wagners auch sein einziger. Kehrt Thijs Dallinga nach seinem Magen-Darm-Infekt zurück, dürfte für den Bosnier im Spieltagskader kein Platz mehr sein.
Findet Rondic nach Debüt neuen Club?
Hinzu kommt: Auch nach dem Deadline Day in Deutschland ist Rondic ein Kandidat für einen Abgang. Trotz seines überraschenden Bundesliga-Debüts wissen alle Beteiligten, dass der Stürmer wohl kaum plötzlich beim FC durchstarten und seinen Vertrag bis 2029 erfüllen wird.
Dieser Vertrag, der ihm ein Monatsgehalt von 50.000 bis 60.000 Euro zusichern soll, war gewiss auch einer der Gründe, warum sich bislang kein Abnehmer fand. Doch mit Kroatien, der Schweiz, Polen und Griechenland sind noch mehrere potenziell interessante Transfermärkte geöffnet. Womöglich hilft der eine Bundesliga-Einsatz, den Rondic nun in seiner Vita hat, bei der Club-Suche.








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