Der 1. FC Köln ist mit einer Gegentor-Flut in die neue Saison gestartet. Damit setzen sich aus der vergangenen Spielzeit bekannte Sorgen fort. Im gesamten Kalenderjahr 2026 haben die Geißböcke bislang erst einmal zu null gespielt.
Marvin Schwäbe ist stark in die Saison gestartet. Nach dem Auftakterfolg gegen die TSG Hoffenheim wurde der Torhüter für seinen parierten Elfmeter und weitere Glanztaten gefeiert (der GEISSBLOG berichtete), auch gegen den VfB Stuttgart gehörte er zu den besten Profis des 1. FC Köln. Dass die Geißböcke nach zwei Spieltagen dennoch bereits sechs Gegentore gefressen haben, zeigt: Die Defensive ist aktuell eine Baustelle.
Als Bilal El Khannouss am Freitagabend per Solo zum 1:0 traf, hätte gut und gerne auch schon 3:0 oder 4:0 für den VfB stehen können. „Das 0:1 haben wir mit relativ wenig Gegenwehr gekriegt – das darfst du dir auf dem Niveau einfach nicht erlauben“, kritisierte Sportchef Thomas Kessler und musste nach der Pause noch drei weitere Gegentreffer mitansehen.
Kessler: „Nicht jeder ist an sein Maximum gekommen“
Trainer René Wagner analysierte: „Das 0:1 müssen wir besser verteidigen, das 0:2 müssen wir strukturell besser lösen, beim 0:3 kann Locho draußen cleverer sein. Das sind alles Dinge, die wir lernen müssen.“ Vor allem der für fünf Millionen Euro aus Nürnberg verpflichtete und gegen Hoffenheim noch durchaus überzeugende Luka Lochoshvili sowie der über die gesamte Spielzeit überforderte Rechtsverteidiger Alessio Castro-Montes erlebten einen rabenschwarzen Freitagabend.
„Nicht jeder ist an sein Leistungsmaximum gekommen, was gegen so eine starke Mannschaft auch nicht einfach ist“, sagte Kessler und nahm seine Spieler in Schutz: „Das hatte nicht nur mit wenig Gegenwehr zu tun, dass sich der VfB gegen uns Chancen erspielen konnte“, so der FC-Geschäftsführer, der auf die Qualität des VfB verwies.
„Stuttgart spielt nicht ohne Grund in der Champions League und hat andere Saisonziele. Der VfB war nicht unsere Kragenweite.“ Nicht umsonst würden einige Experten die Mannschaft von Sebastian Hoeneß als „Geheimtipp der Bundesliga“ nennen. „Man hat gesehen, dass es einen extremen Qualitätsunterschied gibt“, erkannte Kessler an.
Es ist schon ein Vorwurf, dass wir zu viele Gegentore bekommen, aber wir haben gegen zwei Top-Teams gespielt.
Tom Krauß
Tom Krauß gab derweil zu: „Es ist schon ein Vorwurf, dass wir zu viele Gegentore bekommen.“ Doch auch der Sechser wandte ein: „Wir haben gegen zwei Top-Teams gespielt, gegen den Tabellen-Fünften und den Tabellen-Vierten der letzten Saison.“ Auch Hoffenheim ist ein Europapokal-Teilnehmer. „Das darf keine Ausrede sein, aber es ist eine brutale Qualität.“
Eine Ausrede sollte es tatsächlich nicht sein, schließlich hatte der FC schon bei der Generalprobe in Paderborn, die man wie ein Pflichtspiel angehen wollte, in 180 Minuten sieben Gegentreffer kassiert. Und auch im DFB-Pokal bei den Würzburger Kickers hielt die weiße Weste nicht. Sowohl gegen den Drittligisten als auch gegen Hoffenheim kam wieder die bekannte Schwäche bei Standards zum Vorschein.
FC im Januar letztmals ohne Gegentor
Ein Blick auf das große Ganze zeigt: Einzig im Bundesliga-Heimspiel gegen Wolfsburg (1:0) im Januar blieb der FC in diesem Kalenderjahr ohne Gegentor. In allen anderen 21 Pflichtspielen musste Schwäbe immer mindestens einmal hinter sich greifen. Einige Namen in der Defensive wie Lochoshvili und der in Stuttgart erneut ordentliche Gideon Mensah sind zwar neu, die Gegentorflut allerdings nicht.
„Der Gegner hat andere Ziele in dieser Saison, aber wir müssen die richtigen Themen ansprechen“, sagte Wagner, der noch auf sein erstes Zu-null-Spiel als Chefcoach wartet. Der 38-Jährige sagt voraus: „Die Themen werden uns die gesamte Saison begleiten. Für eine Mannschaft wie uns, die letzte Saison in der Liga geblieben ist und sich jetzt fußballerisch verbessern möchte, gehört es dazu, auch gegen den Ball zu arbeiten. Das müssen wir jede Woche wieder zum Thema machen.“
So vielversprechend die neue Offensive rund um Said El Mala sowie die Neuzugänge Thijs Dallinga und Mikey Moore auch aussehen mag: Immer ein Tor mehr als der Gegner zu schießen, wird schwer. „Ich habe viele Dinge gesehen, die mich zuversichtlich stimmen, habe aber auch viele Dinge gesehen, die wir klar ansprechen und besser machen müssen“, drückte sich Kessler diplomatisch aus. „Wir sollten ansprechen, dass wir die deutlich schlechtere Mannschaft waren, aber auch, dass der VfB in einem deutlich anderen Regal unterwegs ist.“ Es gebe „keinen Anlass, alles dermaßen in Frage zu stellen“. Und dennoch würde es dem FC guttun, endlich mal wieder zu null zu spielen.








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