Erst Fohlen, jetzt Adler: Wo die Eintracht den FC (noch) abgehängt hat

Alessio Castro-Montes jubelt mit Linton Maina und Marius Bülter.
Der spätes Ausgleich beim Debüt von René Wagner: In der letzten Saison traf Alessio Castro-Montes in Frankfurt zum 2:2. Foto: imago/Sven Simon

Längst nicht so emotional wie die Derbys mit Borussia Mönchengladbach, aber historisch, oft wegweisend und meistens hoch unterhaltsam: Die Fan-Lager fiebern dem ewig jungen Duell zwischen dem Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln am Freitagabend entgegen. Zum 99. Mal heißt es Adler gegen Geißböcke. Ein Blick zurück.

Das Derby mag den größten Druck vom 1. FC Köln genommen haben, doch mit der Fahrt zu Eintracht Frankfurt wartet das nächste geschichtsträchtige wie wegweisende Duell auf das Team von René Wagner. Es ist keine Erzfeindschaft – aber eines der ausgeglichensten Traditionsduelle der Liga: 98 Bundesliga-Spiele, 35 Kölner Siege, 31 Remis, 32 Frankfurter Siege, 163:148 Tore für den FC. Am Freitagabend (20.30 Uhr) steigt im Deutsche-Bank-Park Bundesliga-Duell Nummer 99. Das 100. folgt am 23. Spieltag Ende Februar in Müngersdorf. Doch schon jetzt ist klar: Wer am Freitag verliert, auf den warten ungemütliche Wochen.

Über alle 116 Pflichtspiele – inklusive Endrunden um die Deutsche Meisterschaft, DFB-Pokal und 2. Bundesliga – hinweg, führt der FC mit 43 zu 39 Siegen bei 34 Remis. Beide Vereine sind Gründungsmitglieder der Bundesliga, beide zählen inzwischen rund 160.000 Mitglieder. Beide kennen Meisterfeiern, Europapokalnächte und den Gang in die Zweitklassigkeit.

Was sie heute unterscheidet, ist der jüngere Weg. Die Eintracht hat sich seit 2016 vom Fahrstuhlclub zur festen nationalen und internationalen Größe entwickelt, dazu eine ganze Reihe sensationeller Transfercoups. Der FC sucht diese Stabilität noch, genauso wie den richtigen Weg, um sich über dreistellige Einnahmen wirtschaftlich nach oben zu arbeiten. Ein Blick zurück auf ein Duell, das oft mehr über beide Clubs erzählt hat als über die 90 Minuten selbst.

Frankfurt vs. Köln: Titel, die über den anderen führten

Die einzige Deutsche Meisterschaft der Eintracht führte über den FC. In der Endrunde 1959 gewann Frankfurt beide Gruppenspiele gegen Köln, 2:1 daheim und 4:2 in Köln. Im Finale folgte das 5:3 nach Verlängerung gegen Kickers Offenbach. Drei Jahre später drehte der FC den Spieß um. Auf dem Weg zur ersten Meisterschaft 1962 siegten die Kölner in der Endrunde 3:1 in Frankfurt, im Endspiel folgte das 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg.

Im DFB-Pokal setzte sich das Muster fort. 1968 schaltete der FC die Eintracht im Achtelfinale erst im Wiederholungsspiel aus (1:1 n. V., dann 1:0 in Frankfurt) und holte am Ende den Pokal. 1974 revanchierte sich Frankfurt mit einem 4:3 nach Verlängerung im Viertelfinale – und gewann danach selbst den Cup. Siebenmal trafen beide im Pokal aufeinander, viermal kam der FC weiter, dreimal die Eintracht. Das bislang letzte Pokalduell gewann Frankfurt im Dezember 2006 mit 3:1 nach Verlängerung.

7:0, 0:5 und ein Torfestival zwischen Frankfurt und Köln

Das erste Bundesliga-Duell gewann die Eintracht: 2:1 am 12. Oktober 1963 im Waldstadion. Den Kölnern schadete das wenig – sie wurden am Ende der erste Meister der Bundesliga-Geschichte. Danach schwankte das Duell zwischen den Extremen. Im Mai 1973 kassierte der FC in Frankfurt ein 0:5, bis heute seine höchste Niederlage gegen die Eintracht. In der Saison 1980/81 gewannen beide ihr Heimspiel deutlich zu null: Köln 5:0, Frankfurt 4:0.

Wolf Haas und Gerd Strack jubeln um Trikot des 1. FC Köln.
7:0 vor 11000 Zuschauern in Müngersdorf: Doppeltorschütze Uwe Haas jubelt mit Gerd Strack. Rechts Schiri Wolf Günter Wiesel. (Foto: imago/Horstmüller)

Den Rekord stellte der FC am 29. Oktober 1983 auf: 7:0 gegen die Eintracht, vor nur 11.000 Zuschauern in Müngersdorf. Uwe Haas traf doppelt, dazu Klaus Fischer, Klaus Allofs, Frank Hartmann, Paul Steiner und Vincent Mennie. Auf der FC-Bank saß Hannes Löhr – mit zehn Treffern bis heute Kölns bester Torschütze in diesem Duell.

Auf Augenhöhe an der Spitze standen beide Ende der 80er. 1989/90 wurde der FC unter Christoph Daum Vizemeister, die Eintracht unter Jörg Berger Dritter. Das Hinspiel in Köln endete 3:5 – das torreichste Spiel jener Saison, am letzten Spieltag gewann Frankfurt auch das Rückspiel mit 3:1.

Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln im selben Fahrstuhl

Ab Mitte der 90er wurden aus zwei Spitzenteams zwei Abstiegskandidaten – oft im selben Jahr. Am 31. Spieltag 1995/96 gewann der FC 3:0 gegen die Eintracht, die wenige Wochen später erstmals in ihrer Geschichte abstieg. Zwei Jahre danach erwischte es den FC, während Frankfurt gerade zurückkehrte.

2001 musste die Eintracht zum zweiten Mal runter, und wieder hatte der FC seinen Anteil: 4:1 in Köln, 5:1 in Frankfurt. Danach liefen die Wege fast im Gleichschritt:

  • 2002/03: beide in der 2. Bundesliga, beide steigen gemeinsam mit dem SC Freiburg auf.
  • 2003/04: beide steigen gemeinsam mit 1860 München wieder ab.
  • 2004/05: beide kehren zurück – Köln als Zweitliga-Meister, Frankfurt als Dritter hinter dem MSV Duisburg.

Diese Phase hat sogar einen gemeinsamen Trainer. Friedhelm Funkel führte den FC 2003 zurück in die Bundesliga, wurde im Oktober 2003 entlassen und übernahm 2004 die Eintracht, die er ein Jahr später ebenfalls nach oben brachte. In der Zweitliga-Saison 2004/05 gewannen beide ihr Heimspiel gegeneinander, Köln 2:0, Frankfurt 1:0.

Im ersten Bundesliga-Duell nach dem gemeinsamen Aufstieg schoss Frankfurt den FC im Oktober 2005 mit 6:3 ab. Am Saisonende stieg Köln zum vierten Mal ab, die Eintracht blieb drin und erreichte das Pokalfinale.

Nach Köln kam Frankfurt: Daum zwischen den Stühlen

Kein Trainer verkörpert die Verbindung so wie Christoph Daum. Mit dem FC wurde er Ende der 80er zweimal Vizemeister. Im November 2006 kehrte er nach Köln zurück – und schied einen Monat später ausgerechnet in Frankfurt aus dem Pokal aus, 1:3 nach Verlängerung gegen Funkels Eintracht.

2008 führte Daum den FC zurück in die Bundesliga, im März 2011 wechselte er die Seiten. Frankfurt holte ihn als Nachfolger von Michael Skibbe in den Abstiegskampf; Daum zeigte sich überzeugt, dass Köln und die Eintracht beide drinbleiben.

Christoph Daum
Erfolgloser Rettungsversuch: Der inzwischen verstorbene Christoph Daum stieg nach einer Niederlage gegen den 1. FC Köln ab. (Foto: imago/DeFodi)

Am vorletzten Spieltag kam ausgerechnet der FC nach Frankfurt und gewann 2:0 – Adil Chihi und Lukas Podolski trafen. Frustrierte Anhänger der Adler stürmten den Rasen, die Situation schien kurzzeitig außer Kontrolle, weil die Polizeikräfte sich auf die Kölner Fans konzentriert hatten, doch die Ultras der Hessen zogen sich dann doch wieder zurück.

Eine Woche später war der vierte Abstieg der Eintracht nach 1996, 2001 und 2004 besiegelt. Ein Jahr darauf tauschten beide wieder die Plätze: Köln stieg 2012 ab, Frankfurt kehrte zurück.

Frankfurts Weg zurück nach oben

Der Wendepunkt der Eintracht liegt im Mai 2016. Als Tabellen-16. rettete sich Frankfurt unter dem im März verpflichteten Niko Kovač in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg (1:1, 1:0). Was danach kam, hätte damals kaum jemand für möglich gehalten:

  • 2017: Einzug ins Pokalfinale, Niederlage gegen Dortmund.
  • 2018: Pokalsieg mit 3:1 gegen den FC Bayern – der erste große Titel seit 30 Jahren.
  • 2019: Europa-League-Halbfinale unter Adi Hütter, Aus erst im Elfmeterschießen gegen Chelsea.
  • 2022: Europa-League-Sieg in Sevilla gegen die Glasgow Rangers im Elfmeterschießen, unter Oliver Glasner.
  • 2023: Achtelfinale der Champions League und erneut Pokalfinale.
  • 2025: Platz drei – erstmals Champions League über die Bundesliga-Tabelle.

Zum Symbol wurde der Viertelfinal-Abend im April 2022. Rund 30.000 Frankfurter füllten das Camp Nou, obwohl der Club offiziell nur 5.000 Karten erhalten hatte, und die Eintracht gewann 3:2 beim FC Barcelona.

Getragen wurde der Aufschwung von einer Clubführung mit langem Atem – erst Fredi Bobic, dann Markus Krösche als Sportvorstand. Rückschläge blieben trotzdem nicht aus: In der Champions-League-Saison 2025/26 musste Dino Toppmöller im Januar gehen, unter Albert Riera reichte es nur zu Platz acht. Seit dem Sommer sitzt wieder Adi Hütter auf der Bank, assistiert von Clublegende Alex Meier.

Kölns Antworten – und eine Gabelung

Die Saison 2017/18 zeigt, wie nah Höhenflug und Absturz beieinanderlagen. Der FC war als Fünfter erstmals seit 25 Jahren wieder international dabei, rund 20.000 Kölner reisten im September 2017 zum Europa-League-Auftakt nach London. Der Andrang am Emirates Stadium war so groß, dass der Anpfiff um eine Stunde verschoben wurde.

Sechs Tage später verlor der FC daheim 0:1 gegen die Eintracht, im Februar folgte ein 2:4 in Frankfurt. Im Mai 2018 stieg Köln ab – und Frankfurt feierte den Pokalsieg. Ab hier trennten sich die Wege.

Im direkten Duell blieb der FC trotzdem unbequem. Zwischen September 2017 und November 2025 gewann die Eintracht kein einziges Mal in Köln:

  • Dezember 2019: 4:2 in Frankfurt – bis heute der letzte Kölner Sieg dort.
  • Februar 2022: 1:0 gegen den späteren Europa-League-Sieger.
  • Februar 2023: 3:0, Ellyes Skhiri trifft doppelt.
  • Februar 2024: 2:0 – ausgerechnet Frankfurts Leihgabe Faride Alidou bringt den FC in Führung, die Eintracht beendet das Spiel nach zwei Gelb-Roten Karten zu neunt.

In Frankfurt endeten die letzten vier Gastspiele des FC remis: dreimal 1:1, zuletzt 2:2.

Im November 2025 beendete die Eintracht ihre Kölner Durststrecke mit einem wilden 4:3: Jakub Kamiński traf nach vier Minuten, Jonathan Burkardt stellte mit einem Doppelpack binnen drei Minuten auf 4:1. Marius Bülter und Luca Waldschmidt verkürzten spät, in der Nachspielzeit traf Said El Mala noch den Pfosten.

Im April 2026 holte der FC bei René Wagners Debüt als Interimstrainer in Frankfurt ein 2:2 – nach 0:2-Rückstand, durch Treffer von Kamiński und Alessio Castro-Montes.

Grenzgänger zwischen Frankfurt und Köln

Kaum ein Duell hat so viele Trainer und Spieler, die auf beiden Seiten Spuren hinterlassen haben.

NameBeim FCBei der EintrachtBemerkenswert
Friedhelm Funkel (Trainer)2002–2003, 2021, 20252004–2009Aufstiege mit beiden: Köln 2003 und 2025, Frankfurt 2005
Christoph Daum (Trainer)1986–1990, 2006–20092011Stieg mit Frankfurt ab – nach dem 0:2 gegen den FC am vorletzten Spieltag
Jörg Berger (Trainer)1991–19931988–1991, 1998–19991990 mit Frankfurt Dritter, direkt hinter Daums FC
Ellyes Skhiri2019–2023, ab 20262023-2026Doppelpack beim 3:0 gegen die Eintracht, wenige Monate vor dem Wechsel
Luca Waldschmidtab 2023Jugend ab 2010, Profi bis 2016Köpfte beim 3:4 im November 2025 das letzte Tor
Faride AlidouLeihe 2023/24LeihgeberFührungstor beim 2:0 gegen seinen Stammverein

Die meisten Duelle bestritt Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel (35), auf Kölner Seite Wolfgang Overath (29). Bester Torschütze ist Bernd Hölzenbein mit 13 Treffern vor Hannes Löhr (10).

Frankfurt vs. 1. FC Köln: Starke Ultras auf beiden Seiten

Auch abseits des Rasens sind sich beide Clubs ähnlicher, als es manchem lieb ist. Im Herbst 2024 lagen FC und Eintracht mit jeweils rund 140.000 Mitgliedern gemeinsam auf Rang vier in Deutschland. Anfang 2026 meldeten beide rund 160.000 – mehr haben nur Bayern, Dortmund und Schalke.

Beide Anhängerschaften haben Europa mit Massenreisen beeindruckt: Köln 2017 in London mit rund 20.000 Fans bei 3.000 Tickets, Frankfurt 2022 in Barcelona mit rund 30.000 im Stadion bei 5.000 offiziellen Karten. Südkurve und Nordwestkurve zählen zu den lautesten Tribünen der Liga.

Nur diese beiden Clubs bringen ihr Wappentier leibhaftig mit ins Stadion: Geißbock und Adler sind die einzigen lebenden Maskottchen der Bundesliga. Hennes begleitet den FC seit 1950, als ein Zirkusdirektor den ersten Geißbock auf einer Karnevalssitzung überreichte – benannt nach Spielertrainer Hennes Weisweiler. Seit 2019 ist Hennes IX. im Amt.

Der Steinadler Attila kam 2006 dazu. Seinen ersten großen Auftritt hatte er beim Pokalfinale in Berlin, am Ende jener Saison, in der die Eintracht den FC 6:3 abgeschossen hatte. Seitdem ist er bei den Frankfurter Heimspielen dabei, auf dem Handschuh von Falkner Norbert Lawitschka – mit inzwischen 22 Jahren.

Bei beiden Clubs nehmen auch die Ultra-Gruppierungen eine wichtige Rolle ein, sie sind verantwortlich einerseits für die imposanten Choreographien, die fantastische Stimmung, aber eben immer auch mit dem Gebrauch von Pyrotechnik. Bei den Verbandsstrafen für Fanvergehen lagen zuletzt beide Clubs ganz vorn.

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