Spieltag für Spieltag muss Britta Carlson bei den Bundesliga-Frauen des 1. FC Köln spontan umbauen und feiert trotzdem den besten Ligastart der Vereinsgeschichte. Kaderbreite und Händchen machen die Rotation vom Problem zum Vorteil.
Jede Woche eine neue Startelf: Britta Carlson musste beim 1. FC Köln am 7. Spieltag wieder rotieren. Nach dem 3:1-Heimsieg gegen den HSV, dem vierten Sieg der Saison, liegen die Kölnerinnen nach dem besten Ligastart ihrer Vereinsgeschichte mit zwölf Punkten nur zwei Zähler hinter Rang drei. Langsam, aber sicher werden die ständigen Umbauarbeiten der Trainerin zum Hot Take dieser Saison.
Zur Dauerbaustelle ist die Abwehrkette geworden. Kapitänin Marina Hegering und Top-Transfer Kathy Hendrich kehrten zwar gegen den Hamburger SV wieder zurück, dafür fielen Elise Stenevik, Sædís Rún Heiðarsdóttir und Anna Gerhardt weiter aus. Gegen den HSV kam kurz vor dem Anpfiff Taylor Ziemer hinzu: „Sie hatte die ganze Woche muskuläre Probleme“, sagte Carlson. „Eigentlich nichts Wildes, aber sie hat dann im letzten Sprint ein bisschen mehr gemerkt und wollte das Risiko nicht eingehen.“
Erfolgsgeheimnis von Plan B
Dass eine Mannschaft so viel rotieren kann ohne auseinanderzufallen, ist keine Selbstverständlichkeit. Pauline Bremer, die mit ihrem Dreierpack den Sieg sicherte, führt den historisch guten Saisonstart auch auf die Entwicklung der Mannschaft zurück. „Wir haben eine super Qualität auf dem Platz und einen guten Teamgeist.“ Carlson lobte auch die Spontanität ihrer Spielerinnen: „Da kann ich nur ein großes Kompliment an die Mannschaft geben, dass sie gerade, wenn wieder solche Schwierigkeiten kommen, das souverän löst.“
Die kurzfristigen Änderungen sind inzwischen zum kleinen Vorteil geworden – wegen der Unvorhersehkeit: Die Gegner können sich auf die FC-Frauen personell schwer einstellen, denn sie sind in dieser Saison nie in der gleichen Formation gestartet. Ob das inzwischen sogar das ist, was die Mannschaft und ihren Erfolg ausmacht? Den richtigen Riecher scheint die Cheftrainerin bei der Kreativarbeit zu haben, und der Kader gibt ihr die Qualität in der Breite dazu. Auf Ziemers Ausfall war der Trainerstab vorbereitet. Laura Vogt rückte eine Position vor, Hegering kehrte als Kapitänin und Abwehrchefin in die Startelf zurück.
Neue Chancen für junge Talente
Aus der Not entstehen dabei auch schöne Geschichten. Carolin Elsen gab im Spiel gegen Mainz ihr Startelfdebüt und ist seitdem gesetzt. So eine Spielerin profitiert anfangs sicherlich von großen Ausfällen. Das Eigengewächs wurde in der Länderspielpause mit den ersten Einsätzen in der U23-Nationalmannschaft belohnt. Auch junge Talente wie Julia Schiffrath und Jil Schäfer standen gegen den HSV im Kader und haben durchaus realistische Chancen in Zukunft Minuten zu sammeln. „Jule wäre heute vielleicht mal eine Option gewesen“, sagte Carlson. Mit Schäfer belohnte sie eine junge Spielerin für ihre Leistungen: „Ich glaube, das ist auch was Besonderes für so eine junge Spielerin, schon dabei zu sein.“
Auf dem Platz war es am Samstag genau die Haltung und das Selbstbewusstsein, was gegen Freiburg noch gefehlt hatte. „Vor allen Dingen die Zielstrebigkeit, die wir heute hatten, die uns in der letzten Woche noch gefehlt hat, war heute da“, sagte Carlson. „Das freut mich extrem, da hat sich die Mannschaft belohnt.“ Gerade im Umschaltspiel sei sogar noch mehr möglich gewesen: „Wenn wir die Situationen noch konsequenter zu Ende spielen, hätten es auch drei, vier Tore mehr sein können.“ Am Samstag wartet das Spitzenspiel beim VfL Wolfsburg auf die Kölnerinnen, wo sie ihre gute Formkurve unter Beweis stellen können.







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