FC gegen Schalke: Darum fehlte dieser Klassiker der Bundesliga

Damion Downs traf beim letzten Aufeinandertreffen zum 1:0-Sieg.
Damion Downs traf beim letzten Aufeinandertreffen zum 1:0-Sieg. Foto: imago/Eibner

Der 1. FC Köln gegen den FC Schalke 04 – für den FC nach dem Kräftemessen mit Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt der dritte Liga-Klassiker in Folge. Und einer, der gefehlt hat in den letzten Jahren. Das zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher.

Nächstes Heimspiel in Müngersdorf, wieder Druck auf dem Kessel und wieder kommt ein Konkurrent aus dem Westen. Am Samstag, 24. Oktober, empfängt der FC um 15:30 Uhr den FC Schalke 04 – das erste Bundesliga-Duell seit dem 0:0 im Januar 2023. Beide kommen aus der zweiten Liga: Köln stieg 2025 als Zweitliga-Meister auf, Schalke kehrte im Mai 2026 nach drei Jahren Zweitklassigkeit zurück.

Die Bilanz spricht klar für den FC. In 90 Bundesliga-Spielen gewann Köln 40-mal, Schalke 27-mal, 23 Partien endeten remis (158:129 Tore). Über alle 128 Pflichtspiele – inklusive 28 Duellen in der alten Oberliga West, acht im Pokal und zwei in der 2. Bundesliga – steht es 58:42 Siege bei 28 Unentschieden.

Dazu kommt eine Verbindung, die über Tabellen hinausgeht: Mehrere Kölner Jungs haben ihre größten Momente in Königsblau erlebt – und sind danach ans Geißbockheim zurückgekehrt.

Die Oberliga-Jahre: Wettlauf um den Westen

Lange vor der Bundesliga waren Köln und Schalke die beiden Schwergewichte der Oberliga West. In der ewigen Tabelle dieser Liga (1947–1963) steht der FC mit 591 Punkten auf Rang zwei, Schalke mit 587 direkt dahinter – nur Borussia Dortmund sammelte mehr Zähler.

Zweimal endete die Saison mit beiden ganz oben. 1958 wurde Schalke Westmeister vor Köln und holte danach mit einem 3:0 gegen den Hamburger SV seine bislang letzte Deutsche Meisterschaft. 1962 drehte sich das Bild: Köln wurde Westmeister vor Schalke und anschließend erstmals Deutscher Meister.

Die letzten vier Westtitel gingen allesamt an den FC (1960 bis 1963). So zogen beide 1963 als Gründungsmitglieder in die Bundesliga ein – Köln als ihr künftiger erster Meister, Schalke als siebenmaliger Deutscher Meister.

Kantersiege, Pokaldramen und Klaus Fischer

In den ersten Bundesliga-Jahren war das Duell oft einseitig. Zu Beginn der Saison 1967/68 gewann der FC 7:0, am 8. November 1969 sogar 8:0 – bis heute der höchste Sieg der NRW-Klubs. Hannes Löhr, Karl-Heinz Thielen und Bernd Rupp trafen je doppelt, dazu Heinz Hornig und Wolfgang Overath. Löhr ist mit 16 Toren bis heute Kölns bester Schütze gegen Schalke.

Schalke schlug am 1. September 1971 zurück: 6:2, Klaus Scheer traf schon vor der Pause viermal. Es ist die höchste Kölner Niederlage gegen Königsblau.

Ihre dramatischsten Kapitel schrieben beide im DFB-Pokal, dreimal im Halbfinale:

  • 1971: Köln gewinnt 3:2 in der Glückauf-Kampfbahn, Overath, Thielen und Heinz Flohe treffen.
  • 1972: Hin- und Rückspiel. Der FC siegt 4:1, verliert in Gelsenkirchen 2:5. Im Elfmeterschießen hält Schalkes Torwart Norbert Nigbur zwei Strafstöße und verwandelt selbst einen – Schalke zieht ins Finale ein und holt den Pokal.
  • 1980: Köln gewinnt 2:0 im Parkstadion, Pierre Littbarski und Tony Woodcock treffen.

Die schönste Pointe liefert Klaus Fischer. Der Mittelstürmer war Schalkes Torgarant der 70er, mit 182 Bundesliga-Toren für Königsblau und zehn Treffern gegen den FC. Sein letztes Bundesliga-Spiel für Schalke bestritt er im Juni 1981 ausgerechnet gegen Köln, am letzten Spieltag der ersten Schalker Abstiegssaison – der FC gewann 2:1.

Klaus Fischer für Schalke 04.
Erst Schalke, dann Köln: Klaus Fischer war einer der Grenzgänger. Foto: imago/Thomas Zimmermann

Danach wechselte Fischer nach Köln. Im Pokal-Viertelfinale am 1. März 1983 traf er beim 5:0 gegen seinen alten Klub dreimal, vor nur 13.000 Zuschauern in Müngersdorf. Drei Monate später holte der FC den Pokal.

Krisenjahre und eine Kölner Serie

Zwei der späteren Pokalduelle spielte der FC als Zweitligist. Im Oktober 2006 warf Köln unter Hanspeter Latour den Bundesligisten Schalke vor 50.000 Zuschauern mit 4:2 nach Verlängerung raus, Thomas Broich und Adil Chihi trafen in der Extrazeit. Im Oktober 2018 endete das Duell 1:1 nach Verlängerung, Schalke gewann das Elfmeterschießen 6:5.

In der Liga ist der FC seit März 2016 gegen Schalke ungeschlagen – zwölf Spiele in Folge, zehn in der Bundesliga und zwei in der 2. Liga. Die letzte Niederlage war ein 1:3 am 25. Spieltag 2015/16. Dazu gehören zwei Partien mit Symbolkraft:

  • 22. Mai 2021: Köln gewinnt am letzten Spieltag 1:0 gegen den bereits abgestiegenen Revierklub und rettet sich in die Relegation, die der FC gegen Holstein Kiel übersteht.
  • 7. August 2022: Schalke kehrt mit einem Auswärtsspiel in Müngersdorf in die Bundesliga zurück – und verliert 1:3.

Im September 2024 trafen sich beide erstmals in der 2. Bundesliga – Schalke war 2023 abgestiegen, Köln ein Jahr später. Beim 3:1 in Gelsenkirchen trafen Damion Downs, Linton Maina und Tim Lemperle, begleitet von rund 6.000 Kölnern unter 61.624 Zuschauern. Im Rückspiel im Februar 2025 reichte ein Tor von Downs zum 1:0, Kenan Karaman traf in der Nachspielzeit nur den Pfosten. Köln stieg als Zweitliga-Meister auf, Schalke folgte ein Jahr später unter Miron Muslic.

Zwei Kölner Jungs auf Schalke

Marco Höger wurde 1989 in Köln geboren und spielte als Kind beim TuS Höhenhaus. Über die Jugend von Bayer Leverkusen und Alemannia Aachen kam er 2011 nach Schalke. Dort erlebte er seine größten Abende: fünf Jahre Europapokal, darunter das 4:3 im März 2015 im Bernabéu, als er gegen Real Madrid in der Startelf stand.

2016 kam Höger zum FC und erreichte gleich in der ersten Saison mit Köln den Europapokal. Nach dem Abstieg 2018 half er beim direkten Wiederaufstieg. Nach zwei Jahren in Mannheim kehrte er 2023 zurück und führte die U21 als Kapitän an. Seit seinem Karriereende 2025 arbeitet er im Scouting des FC-Nachwuchsleistungszentrums, mit Schwerpunkt auf der Kaderplanung der U21.

Mark Uth ist in Köln geboren und aufgewachsen und kam mit zwölf Jahren in die FC-Jugend. Der Weg zu den Kölner Profis führte über Umwege: Heerenveen, Heracles Almelo, dann Hoffenheim. 2018 wechselte er nach Schalke, spielte dort Champions League. Im selben Jahr kam er zu seinem einzigen Länderspiel.

Im Januar 2020 lieh Schalke ihn an den FC aus, mit einer einzigen Bedingung: Uth durfte nicht gegen Königsblau spielen. Er sah das 3:0 im Februar 2020 deshalb von der Tribüne. Zurück in Gelsenkirchen erlebte er den Tiefpunkt seiner Karriere. Nach dem besiegelten Abstieg in Bielefeld am 20. April 2021 warteten nachts mehrere hundert Anhänger an der Arena, Spieler wurden mit Eiern beworfen und über das Gelände gejagt. Uth sprach später von rund 400 Hooligans, die auf ihn gewartet hätten, und von schlaflosen Nächten.

Im Sommer 2021 kehrte er endgültig nach Köln zurück, wo ihn zunehmend Verletzungen bremsten. Sein letztes Spiel wurde trotzdem zum Happy End: Am 18. Mai 2025 kam er beim 4:0 gegen Kaiserslautern in der 82. Minute, traf fünf Minuten später und feierte mit dem FC Aufstieg und Zweitliga-Meisterschaft. Seine Karriere fasste er in drei Worten zusammen: „Schön. Turbulent. Happy End.“

Grenzgänger zwischen FC und Schalke 04

Höger und Uth sind nicht die Einzigen, die zwischen Rhein und Revier gependelt sind.

NameBeim FCAuf SchalkeBemerkenswert
Klaus Fischer1981–19841970–1981182 Bundesliga-Tore für Schalke, Pokal-Hattrick für Köln gegen Schalke 1983
Simon Terodde2009–2012, 2017–20202021–2024Zweitliga-Torschützenkönig mit beiden: 29 Tore für Köln 2018/19, 30 für Schalke 2021/22, jeweils Aufstieg
Dominick Drexler2018–20212021–2025Aufstieg mit Köln 2019 und mit Schalke 2022
Christian ClemensJugend ab 2001, Profi 2010–2013 und 2017–20212013–2016Gebürtiger Kölner, ging nach zwölf Jahren beim FC nach Gelsenkirchen
Horst HeldtSpieler 1990–1995, Geschäftsführer Sport ab 2019Sportvorstand 2010–2016Als Spieler und Manager auf beiden Seiten
Jörg Berger (Trainer)1991–19931993–1996Erst am Geißbockheim, dann in Gelsenkirchen
Peter Neururer (Trainer)1996–19971989–1990Trainierte Schalke in der 2. Liga, später den FC

Bester Torschütze des Duells ist Hannes Löhr mit 16 Treffern für Köln, gefolgt von Wolfgang Overath (9). Für Schalke traf Klaus Fischer am häufigsten (10).

Ultras: Zwei Achsen über Kreuz

Auf den Rängen ist das Duell aufgeladener, als die Tabelle vermuten lässt – und zwar wegen zweier Klubs, die gar nicht mitspielen. Die Fanszenen des FC und von Borussia Dortmund pflegen seit Jahren eine Freundschaft. Wer mit dem Erzrivalen aus Dortmund befreundet ist, steht in der Nordkurve automatisch auf der falschen Seite.

Seit September gibt es die Gegenachse auch offiziell. Die Ultras Gelsenkirchen und die Gladbacher Gruppe Sottocultura haben ihre Kontakte, die bis in die frühen 2000er zurückreichen, im September zur Fanfreundschaft erklärt. Damit stehen sich Köln und Dortmund auf der einen, Schalke und Gladbach auf der anderen Seite gegenüber – jeweils befreundet mit dem Erzrivalen des anderen. Nach den turbulenten Szenen aus dem Derby vom vorletzten Spieltag dürften die Sicherheitskräfte gewarnt sein.

Denn: Das Spiel am Samstag ist das erste Duell zwischen FC und Schalke seit diesem Schulterschluss. Kevin Großkreutz, der als Fan sowohl am BVB als auch am FC hängt, sprach im Podcast bereits von „zwei Derbys“. Größe bringen beide Lager reichlich mit: Schalke hat die Marke von 200.000 Mitgliedern überschritten, der FC zählt rund 160.000.

FC vs. Schalke 04: Am Samstag in Müngersdorf

Beide kommen mit einer Niederlage im Rücken. Der FC verlor am Freitag 0:1 in Frankfurt und steht mit sieben Punkten auf Rang zwölf. Schalke unterlag am Samstag daheim 0:1 gegen Mainz, hat fünf Punkte und ist Vierzehnter.

Für Köln spricht die jüngere Geschichte: zwölf Ligaspiele ohne Niederlage gegen Schalke, die beiden letzten Duelle gewonnen. Das Rückspiel steigt am 24. Spieltag Anfang März 2027 in der Veltins-Arena.

Zahlen und Fakten

Der FC führt in der Bundesliga, im Pokal und in der 2. Liga. Stand: vor dem 91. Bundesliga-Duell.

WettbewerbSpieleSiege FCRemisSiege SchalkeTore (FC:S04)
Bundesliga90402327158:129
2. Bundesliga22004:1
Oberliga West, DFB-Pokal361651569:60
Gesamt128582842231:190
  • Gegen keinen anderen Klub hat der FC in der Bundesliga so oft gewonnen wie gegen Schalke (40-mal).
  • Höchster FC-Sieg: 8:0 in Köln, 8. November 1969. Höchste Niederlage: 2:6 in Gelsenkirchen, 1. September 1971.
  • Pokal: sieben Duelle mit acht Spielen, darunter drei Halbfinals (1971, 1972, 1980) und ein Viertelfinale (1983). Köln kam viermal weiter, Schalke dreimal.
  • Beste Torschützen: Hannes Löhr (16) und Wolfgang Overath (9) für Köln, Klaus Fischer (10) für Schalke.
  • Letzte Schalker Siege: 3:1 in der Bundesliga, 25. Spieltag 2015/16; 1:0 im Pokal-Achtelfinale, Dezember 2017.

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