Raus-Rufe! So reagieren Wagner und die FC-Profis: „Kann ich nicht verstehen“

René Wagner nach dem 0:0 gegen Schalke. (Foto: Bucco)
René Wagner nach dem 0:0 gegen Schalke. (Foto: Bucco)

Bislang fand die Kritik an René Wagner vor allem in den sozialen Netzwerken statt, am Samstagnachmittag jedoch fand sie ihren Weg ins RheinEnergieStadion. Beim ernüchternden 0:0 gegen Schalke 04 gab es erstmals lautstarke „Wagner raus“-Rufe. So reagieren der Trainer und die Profis des 1. FC Köln.

Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer und Martin Zenge

Als das Pfeifkonzert zum Spielende überstanden war, kehrte im RheinEnergieStadion zunächst Ruhe ein. Für ein paar Momente wirkte es, als würden die Fans des 1. FC Köln das 0:0 gegen den FC Schalke 04 nicht weiter kommentieren, als würden sie die dürftige Vorstellung gegen den ersatzgeschwächten Aufsteiger hinnehmen. Es kam anders.

Gerade als René Wagner an der Seitenlinie mit Sportchef Thomas Kessler zusammenstand, gab es von den Rängen lautstarke „Wagner raus“-Rufe. Dass der Trainer wenig Kredit hat, ist seit seiner Beförderung ein offenes Geheimnis. Doch nicht mal zwei Wochen nach dem emotionalen Derbysieg gegen Borussia Mönchengladbach hat der Unmut ein neues Level erreicht.

Wagner: „Erwartungshaltung ist riesig“

Wagner entging der Fan-Frust natürlich nicht. Seine Reaktion gegenüber dem ZDF: „Ich rede mit den Leuten, die hier im Verein entscheiden, und da gibt es für mich keine Diskussion.“ Auf der Pressekonferenz ergänzte er: „Die Erwartungshaltung an diesem Standort ist riesig. Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen. Bei so einem Verein möchte man natürlich als Trainer arbeiten.“

Tatsächlich war am Samstag jedoch keine hohe Erwartungshaltung vonnöten, um das RheinEnergieStadion enttäuscht zu verlassen. Bereits die erste Halbzeit war nicht prickelnd, vor dem Schalker Tor fehlte dem FC sämtliche Genauigkeit. Doch immerhin hatte die Wagner-Elf ein paar Szenen – anders als in der erschreckend schwachen und uninspirierten zweiten Halbzeit.

Von dem Spektakel, das der Trainer in Müngersdorf eigentlich bieten will, fehlte jede Spur. Und so gab es schon unmittelbar nach dem ersten Wechsel, als Luca Waldschmidt nach 68 Minuten den unauffälligen Mikey Moore ablöste, nicht nur Pfiffe, sondern auch deutlich vernehmbare „Wagner raus“-Rufe aus dem Norden. Nach Abpfiff war die Ablehnung des 38-Jährigen dann noch lautstärker und aus mehreren Himmelsrichtungen, auch aus der Südkurve, zu hören.

Das kann ich nicht verstehen.

Marius Bülter über die Wagner-Rufe

Sportchef Thomas Kessler äußerte sich nach der Partie nicht, die Spieler wiederum hatten wenig Verständnis für den Wagner-Unmut. Borna Sosa auf die Frage, ob er die Pfiffe verstehe: „Ja und nein. Ja, weil wir natürlich enttäuscht sind, weil wir die drei Punkte nicht geholt haben. Nein, weil wir alles dafür gegeben haben.“

Marius Bülter konnte zwar die Pfiffe nachvollziehen, auch die Mannschaft habe sich „viel, viel mehr vorgenommen“ – doch die Wagner-Rufe gingen dem Angreifer zu weit: „Das kann ich nicht verstehen. Es ist emotional, da kommt so etwas zustande. Wir müssen darüber stehen, müssen bei uns bleiben und so etwas ausblenden.“

Wagner will sich „an Erfolgen festhalten“

Genau das wird auch Wagners Marschrichtung sein. Trotz des schwachen Auftritts stellte sich der Trainer wie gewohnt vor seine Mannschaft. „Es gehört dazu, dass wir zu Hause versuchen, so ein Spiel zu gewinnen. Das haben wir getan. Alle Jungs, die auf dem Platz standen, haben Gas gegeben. Das ist für uns das Wichtigste.“ Nur: „Wir haben es leider nicht geschafft, im letzten Drittel die Gefahr auszustrahlen, die wir gerne ausgestrahlt hätten.“

Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen.

René Wagner

Vielen Fans und Beobachtern ist die Kölner Spielidee nach wie vor ein Rätsel. Bei Sky fragten sich auch Experte Simon Terodde und Moderator Sebastian Hellmann, wofür der FC stehen will. Wagner gab zu: „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Das wissen wir alle. Das ist normal so früh in der Saison. Das dauert, die Prozesse müssen anlaufen. Wir gehen Schritte in die richtige Richtung.“

Zum Beispiel? „Wir hatten Themen mit Standards und mal wieder die Null halten. Das haben wir heute geschafft.“ Gegen Schalke kassierte der FC erstmals überhaupt unter Wagner kein Gegentor. „Das sind Erfolge, an denen wir uns auch festhalten wollen.“ Wagner hebt die kleinen Schritte hervor und hofft, ausreichend Zeit für den großen Sprung zu bekommen. Doch der Trainer braucht kurzfristige Erfolge, damit die Stimmung nicht endgültig kippt. Ein Pokal-Aus gegen Union Berlin am Dienstagabend wäre ein erheblicher Katalysator für den Frust.

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