Teamgefüge stößt an Grenzen: „Das ist, was eine Top-Mannschaft auszeichnet“

Ella Peddemors bei ihrem Freistoßtor gegen den 1. FC Köln. (Foto: IMAGO / Lobeca)
Ella Peddemors bei ihrem Freistoßtor gegen den 1. FC Köln. (Foto: IMAGO / Lobeca)

Eine Halbzeit lang haben die Frauen des 1. FC Köln beim VfL Wolfsburg mitgehalten, am Ende stand trotzdem eine 0:3-Niederlage auf der Anzeigetafel. Den Unterschied machte eine Qualität, die den Kölnerinnen aktuell noch fehlt, um ganz oben mitzuhalten.

Die Frauen des 1. FC Köln sind beim VfL Wolfsburg an ihre Grenzen gestoßen und haben im 18. Pflichtspiel gegen die Wölfinnen die 16. Niederlage kassiert. Die Partie am Samstagmittag wurde in der zweiten Halbzeit durch einen Traumfreistoß von Wolfsburgs Ella Peddemors entschieden. Kölns Chancenverwertung ließ nicht zum ersten Mal zu wünschen übrig.

Dabei funktionierte der Kölner Plan zunächst. „Ich glaube, wir haben den Gegner mit einem vielleicht überraschenden, tieferen Pressing vor große Probleme gestellt“, sagt Trainerin Britta Carlson. Gerade in der ersten Halbzeit sah sie ein „sehr, sehr gutes Spiel“ ihrer Mannschaft. Das 0:1 zur Pause entstand nicht aus Wolfsburger Überlegenheit, die Geißböcke verschuldeten das Gegentor durch ein Klärungs-Missverständnis zwischen Marina Hegering und Vanessa Leimenstoll selbst.

Individuelle Klasse schlägt Geschlossenheit

Der Wendepunkt und vermeintliche Genickbruch der Kölnerinnen kam dann in Halbzeit zwei. Nach einem Foul von Carlotta Imping in der 59. Minute kurz vor dem Strafraum legte sich Peddemors den Ball zurecht, aus ganz spitzem, eigentlich aussichtslosem Winkel – nicht aber für die aktuell Führende der Torschützenliste. Sie zirkelte den Ball über die Lattenunterkante ins Kölner Netz. Es war ein Traumtor und schon ihr zweiter Treffer an diesem Nachmittag. „Da kann man unserer Torfrau keinen Vorwurf machen“, nahm Carlson Keeperin Lisa Schmitz in Schutz.

Die niederländische Nationalspielerin Peddemors setzte sich mit neun Bundesligatoren nach dem achten Spieltag an die Spitze der Torschützenliste. Mit dem 0:2 war das Spiel für die Kölnerinnen praktisch gelaufen, das weiß auch Carlson. „Dann wird es schwer, wenn du gegen eine Mannschaft wie Wolfsburg 0:2 hinten liegst, das noch mal zu drehen.“ Wolfsburg legte kurz darauf nach, drei Minuten später köpfte die deutsche Nationalspielerin Camilla Küver nach einer Ecke zum 0:3 ein.

Die Unterschiedsspielerin fehlt

Sichtlich beeindruckt zeigte sich die FC-Trainerin vor allem vom Freistoßtor: „Das ist ja auch eine Qualität, die nicht jede Spielerin hat, den so zu setzen“, sagt Carlson. „Das hilft dann schon, wenn es mal schwierig wird, Spiele durch Standards oder eine Einzelleistung zu entscheiden. Und ich glaube, das zeichnet die Spielerin aus.“

Und genau hier liegt auch ein Unterschied zwischen beiden Teams. „Wir sind eher eine Mannschaft, die über die Geschlossenheit kommt“, sagt Carlson. Das Teamgefüge trägt die Kölnerinnen bisher durch die Saison und hielt eine Spitzenmannschaft wie Wolfsburg eine Halbzeit lang in Schach. Für den einen Moment, der ein Spiel entscheidet, braucht es jedoch mehr Individualität.

Damit setzen sich die Wölfinnen Saison für Saison oben ab. „Das ist halt das, was eine Top-Mannschaft wie Wolfsburg auszeichnet, dass die im Gegenzug einen Fehler von uns relativ schnell bestrafen“, so Carlson. Köln dagegen vergab in der Anfangsphase seine besten Chancen. „Uns hat in dem Moment die Effizienz gefehlt“, monierte die Trainerin.

Carlson: „Wir haben Spielerinnen, die das können“

Ganz ohne individuelle Klasse ist der FC natürlich nicht, nur steht sie teilweise aktuell nicht auf dem Platz. „Wir haben sicherlich auch Spielerinnen, die das leisten können“, sagt Carlson und bezieht sich auf die ewig lange Verletzungshistorie in dieser Saison. „Eine Taylor Ziemer, die leider verletzt ist. Das ist schon eine Spielerin, die auch mal Unterschiede machen kann.“ Bisher war der ausgedünnte Kader noch kein Problem, aber gegen die Top-Mannschaften holt die Kölnerinnen das Thema ein – zumindest wenn sie den Anspruch haben, oben mitzumischen.

Trotzdem wirkt das Teamgefüge: Die vier Siege aus den ersten sieben Spielen demonstrierten, wie weit der Kölner Weg über das Team trägt. Gegen die Spitze reicht es im Moment noch nicht. „Wir kommen halt eher übers Team“, betont Carlson. Der FC will eine Mannschaft werden, die sich oben festsetzen und mit den Großen messen kann – das Ziel ist noch nicht erreicht, aber die Richtung stimmt.

Den Mut lässt sich die Trainerin nicht nehmen. „Ich habe der Mannschaft mitgegeben, dass die erste Halbzeit richtig gut war und dass wir da sehr gut im Spiel waren.“ Mit einem 1:0 oder zumindest einem 1:1 hätte Köln in die Pause gehen müssen. Gegen Wolfsburg blieb es beim Konjunktiv. Schon in der nächsten Woche gilt es, wieder ein selbstbewusstes Gesicht zu zeigen und im DFB-Pokal gegen RB Leipzig weiterzukommen.

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