Steffen Baumgart hat kein Verständnis für die Fan-Forderungen nach einer Entlassung von René Wagner. Der frühere Cheftrainer des 1. FC Köln wünscht sich mehr Geduld für seinen langjährigen Weggefährten.
Zweieinhalb Jahre war Steffen Baumgart Trainer des 1. FC Köln, 15 Monate stand er bei Union Berlin an der Seitenlinie. In dieser Woche treffen seine Ex-Clubs gleich zweimal aufeinander, erst im DFB-Pokal und dann in der Bundesliga. René Wagner, sein langjähriger Assistent, steht dabei gewaltig unter Druck, nachdem die FC-Fans beim 0:0 gegen Schalke erstmals lautstark seine Ablösung forderten.
Baumgart wünscht sich mehr Zeit für seinen früheren Co-Trainer. „Ich habe kein Verständnis für die Rufe“, sagt er gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Vor allem dann nicht, wenn es so schnell in diese Richtung geht. Natürlich gibt es Frust, wenn man nach einem Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten nur einen Punkt holt und gerne drei gehabt hätte. Aber dann fangen alle sofort an, den einen zu suchen, der schuld ist.“
Baumgart: „Leute lassen nur noch Frust ab“
Der Ex-FC-Coach meint: „Es gibt keine Schuldfrage, das ist Sport, und zum Sport gehört alles dazu. Da sollte man ein bisschen Geduld haben und nicht gleich alles erwarten. Und man muss sehen: Das ist für den 1. FC Köln das zweite Bundesligajahr nach dem Aufstieg, nach einem großen Umbruch im Sommer. Dazu kommen die Verletzungen.“ Das gehöre „alles zum Bild“, sodass Baumgart glaubt: „Vieles von dieser Kritik hat mit René gar nicht mehr zu tun. Man hat das Gefühl, dass Leute nur noch Frust ablassen.“
Baumgart drückt Wagner die Daumen für einen positiven Umschwung und ist sich sicher, „dass ich seine Entwicklung mit beeinflusst habe, und das in sehr hohem Maße“. Sowohl in Paderborn als auch beim FC und anschließend beim Hamburger SV und Union Berlin arbeiteten die beiden eng zusammen, bevor Wagner im Sommer 2025 die Hauptstadt verließ, um als Assistent von Lukas Kwasniok nach Köln zurückzukehren.
Ein Cheftrainer hat viele Aufgaben zu lösen, die man im ersten Moment nicht sieht. Da wächst er rein.
Steffen Baumgart über Wagner
„Ich hatte mit René immer einen absolut loyalen Mitarbeiter, der, als er mein Co-Trainer war, alles für den Erfolg getan hat“, so der 54-Jährige, der Wagners Weg nun aus der Ferne beobachtet: „Jetzt ist er ein junger Cheftrainer. Ein Cheftrainer hat viele Aufgaben zu lösen, die man im ersten Moment nicht sieht. Da wächst er rein. René ist fokussiert.“
Baumgart hebt Wagners Fleiß hervor: „Er war immer der Erste oder einer der Ersten im Trainerteam und meistens der Letzte, der gegangen ist. Ein absoluter Vollbluttrainer, der mit Leidenschaft seinen Job macht. Was ihn ausgezeichnet hat, ist, dass er bis zum letzten Moment loyal war. Trotzdem wissen wir: Das ist kein Wunschkonzert.“
Noch kein neuer Club in Sicht
Wo Baumgart an die Seitenlinie zurückkehren wird, ist indes völlig unklar. Im April wurde der gebürtige Rostocker bei Union entlassen, eine neue Station zeichnet sich nicht ab. „Ich habe kein einziges Gespräch geführt, das in irgendeine Richtung ging, einen Verein zu übernehmen. Ich habe nie gesagt, dass ich will, und niemand hat gesagt: Guck mal, den wollen wir unbedingt haben.“
Die Zeit beim FC, die mit dem Einzug in die Conference League begann und in der Abstiegssaison 2023/24 endete, nimmt in seiner Karriere weiterhin einen besonderen Platz ein. „Mir ist niemand bekannt, der länger in Köln gearbeitet und die Bindung zu diesem Verein verloren hat. Köln wird immer eine Station bleiben, die – auch nach vier Jahren sehr guter und erfolgreicher Arbeit in Paderborn – für mich das Highlight war, das ich bisher hatte.“ Nun beginnt die Suche nach dem nächsten Highlight.








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