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„Der Italiener war teuer genug“: Pawlak lacht Probleme weg

Der 1. FC Köln kehrt in die Bundesliga zurück. André Pawlak darf sich nach nur einem Spiel an der Seitenlinie Aufstiegstrainer der Geissböcke nennen. Markus Anfang hingegen nicht. Dennoch wussten die Spieler, bei wem sie sich für die Rückkehr ins Oberhaus zu bedanken hatten. Auch Pawlak lobte seinen Vorgänger. Doch auch der neue FC-Coach hat seinen Teil zum Aufstieg beigetragen – wenn auch einen kleinen.

Köln – Die Trennung von Markus Anfang entfachte in der Domstadt eine heiße Diskussion. Den Trainer eines souveränen Spitzenreiters – und so gut wie sicheren Aufsteigers – zu entlassen, das gefiel längst nicht allen. Andererseits zeigte die Entwicklungs- und Leistungskurve beim Effzeh in den letzten Wochen deutlich nach unten. Sportchef Armin Veh sah „die Ziele des Vereins gefährdet“ und zog die Reißleine. Umso tragischer für Anfang, dass er nach der peinlichen 1:2-Pleite gegen Darmstadt und den Patzern der Konkurrenz auch ohne ein weiteres Spiel aufgestiegen wäre. Entsprechend kurios war die Situation für Aufstiegscoach Pawlak.

Pawlaks historischer Einstand

Denn nicht Anfang, sondern Pawlak steht nun in einer Reihe mit Ewald Lienen, Friedhelm Funkel, Huub Stevens, Christoph Daum und Peter Stöger. Der ehemalige U21-Coach der Kölner hat gleich in seinem ersten Spiel für einen historischen Einstand gesorgt. Pawlak ist einer von bislang drei FC-Trainern, die in ihrem ersten Spiel vier Treffer Mal jubeln durften. 1972 gelang Rolf Herings bei seinem Debüt ein 4:2, 1980 gab es unter Rinus Michels ein 4:0 für die Geissböcke. Durch das 4:0 gegen Greuther Fürth gelang Pawlak wie Michels bei seinem Einstand der höchste Sieg eines FC-Trainers.

Außerdem ist der 48-Jährige der erste Trainer der Zweitliga-Historie, der gleich in seinem ersten Spiel aufsteigen konnte. So kurios Pawlaks beeindruckender Einstand war, so wenig überraschend war letztendlich Kölns Aufstieg. Doch der Interimstrainer tat nach seiner Amtsübernahme alles, um die strauchelnden Kölner wieder auf Kurs zu bringen. Taktisch und fußballerisch konzentrierte er seine ersten Einheiten auf einfache Dinge und Abläufe. Genauso, wie er auch die U21 vom Abstiegskandidaten zur besten Rückrundenmannschaft geformt hatte.

Der Italiener war auch teuer genug

Aber vor allem versuchte er die Spieler-Köpfe „freizubekommen“ und die Stimmung zu heben. Also lud Pawlak die Mannschaft vor der Partie zum Italiener ein. Nach dem Sieg gegen Fürth fragte ein Sky-Reporter den FC-Coach, ob sich das Essen angesichts des Aufstiegs gelohnt habe. Pawlak antwortete lachend: „Ja , der Italiener war auch teuer genug.“ Die gute Laune ist also beim Effzeh zurück. Das große Ziel ist geschafft. Über seine eigene Zukunft wollte sich Pawlak nach der erfolgreichen Rückkehr ins Oberhaus aber noch keine Gedanken machen. „Erstmal möchte ich gerne gegen Regensburg einen Heimspiel-Sieg feiern. Das heute hat riesigen Spaß gemacht, das ganze Drumherum und die Atmosphäre sind eindrucksvoll. Wir setzen uns nach der Saison zusammen, dann sehen wir weiter“, drückte er auf die Bremse.

Ob und wie es mit dem Interimstrainer weitergeht, ist also noch offen. Sicher ist aber, dass Markus Anfang seine Aufstiegsprämie nun doch noch erhalten wird, obwohl er die Geissböcke letztlich als Trainer nicht über die Ziellinie führen konnte. Diese Abmachung war offenbar Teil des Abfindungspakets, das der Ex-Coach nach seiner Entlassung mit dem Effzeh verhandelte. Auch, wenn er sich nicht Aufstiegstrainer nennen kann, wussten auch die Spieler, bei wem sie sich letztlich für die Rückkehr in die Bundesliga zu bedanken hatten.

Hätten auch mit dem alten Trainerteam den Aufstieg gepackt

„Markus Anfang gilt der größte Anteil am Aufstieg, er hat 31 Spieltage alles dafür getan“, sagte Rafael Czichos unmittelbar nach dem Sieg gegen Fürth. Dominick Drexler stellte klar: „59 Punkte hätten zum Aufstieg gereicht, und die haben wir mit Markus Anfang geholt. Der größte Anteil kommt ihm zu, deswegen auf diesem Wege auch eine Gratulation an ihn.“ Auch Vize-Kapitän Marco Höger, der nach der Entlassung Anfangs noch kritische Töne in Richtung seines Ex-Coaches angeschlagen hatte, ruderte zurück.

„Wenn ein Trainerwechsel vollzogen wird, ist das auch immer ein Scheitern bei den Spielern. Ich habe mich mit meinen Worten unter der Woche vielleicht ein, zwei Mal in der Wortwahl vergriffen. Das alte Trainerteam hatte einen riesigen Anteil, wir standen immer oben und hätten auch mit dem alten Trainerteam den Aufstieg gepackt“, sagte er entschuldigend. Die Anerkennung seiner ehemaligen Spieler dürfte Anfang nach seiner Entlassung guttun. Denn der Aufstiegstrainer des 1. FC Köln mag zwar André Pawlak heißen. Doch ohne die Vorarbeit seines Vorgängers wäre ihm das wohl nicht gelungen.

10 Kommentare
  1. Mondragon says:

    Hoffentlich besinnt sich dieser AV und hält an Pawlak fest! Wenn der wirklich auf die Idee kommt Ihn einen Breitenreiter, Weinzierl, Korkut oder Tedesco vorzuziehen, dann weiß ich auch nicht mehr weiter!!!

  2. Tibu says:

    Das war gestern von strategisch taktischer Seite ein Topp Spiel. 4-4-2 in der Verteidigung. drexler und cordoba störten beim Spielaufbau. Das PressIng begann im Mittelfeld und die 2 vierer Ketten standen. Super kompakt. Die Räume waren eng und so kannst du auch mit unseren langsamen IVs gut verteidigen. Das Offensiv Spiel war zielstrebig und hatte breite und tiefe. Super kombinationsspiel aufm Flügel (das kam noch von Anfang) und Risse und Kainz haben sichtlich von der Absicherung profitiert. Kainz mit 2 ToppAssists! Das Tor will er einfach nicht treffen. RissE hat die erste Hälfte der ersten HZ super gespielt. technisch fein mit tollen Seiten Wechsel. Danach fiel er ab…mangelnde Spielpraxis??? Klar kann man auch sagen die Fürther waren schlecht und passiv das lag aber mit an unserer organisation. Wäre wir so kompakt gehen Duisburg aufgetreten hätten die nie im leben 4 Tore geschossen. Beide Daumen hoch pawi so einfach ist guter Fußball!!

  3. Holger says:

    Schön, dass die Arbeit von Anfang gewürdigt wird, von allen Seiten.
    Dennoch war die Trennung zu diesem Zeitpunkt unumgänglich damit die Mannschaft gut gelaunt und mit Erfolgserlebnissen die Saison beendet kann.
    Das war gestern ein kleiner Ausblick in die Zukunft und der kann einen nur positiv stimmen!
    Ich denke Veh hat dieses Trainerteam bewusst so zusammen gestellt und sich wohl die Ergebnisse (damit ist nicht nur das Spielerlebnis gemeint) so erhofft und wenn es so weitergeht erspart man sich die Suche nach einem neuen Trainer, denn auch wenn er wie Dardei oder Hecking nicht direkt entlassen wurde, gescheitert sind die Kandidaten die infrage kommen irgendwie alle.
    Mich würde es freuen, wenn das Interimsteam eine Chance bekäme :-)

    • Tibu says:

      Ich hoffe und vermute auch das es Vehs Plan ist den Pawlak jetzt in einer Superausgangsituation zu platzieren. Sollte er aus seinen 3 Spielen 7 bis 9 Punkte holen ist der Cheftrainer Posten rechtfertigbar. Klar kann man argumentieren der FC braucht nen erfahrenen Trainer a la Hecking, aber wenn du den jetzt holst und es klappt nicht bist du wieder 3 Mio los. Wenn unsere Diven gut mit ihm zurecht kommen dann kann er zu günstigen Konditionen weiter machen. Sollte das nicht klappen kannste immer noch hecking, labadia oder breitenreiter holen. Der Pawlak ist sicher auch heiß darauf sich zu beweisen. Wenn du ohne Pause Wolfsburg im Abstiegskampf und dann Gladbach im Kampf gegen die überhöhten Ansprüche und dann direkt zum FC…Da kann man schonmal ausbrennen. Naja abwarten und Tee trinken.

  4. udo schmidt says:

    Florian Kohfeld bei Werder Bremen kam auch von der 2. mannschaft,ohne jegliche Bundesligaerfahrung und macht seitdem einen super Job.Warum sollte das mit Pawlak nicht auch klappen.Auf mich wirkt er kompetent,geradlinig und vor allem fähig,mit unsren vielen Ich_AGs und Diven (Modeste) umgehen zu können und optimale Leistungen aus ihnen rauskitzeln zu können.

  5. Gerd Mrosk says:

    Doch ohne die Vorarbeit wäre ihm das nicht gelungen? Da halt ich aber voll dagegen Sogar Heinz Bull mit boom77 ,matthias Holger und wie sie alke heissen,hätte man das schaffen können Scherz,aber mit nem erfahrenen Trainer wie Pawlak hätte man das sicher auch geschafft

  6. Klio says:

    Als die Nachricht von Anfangs Entlassung kam, konnte ich mir bei dieser Ausgangslage nicht ernsthaft vorstellen, das Veh hier wirklich meint, der Aufstieg wäre in Gefahr. Meine Vermutung war: entweder ist intern etwas vorgefallen, was eine weitere Zusammenarbeit unmöglich macht, oder (wie auch oben vermutet) man sieht André Pawlak als mögliche Alternative für die nächste Saison und will ihn in einem Testlauf mit der Profimannschaft sehen.

    Der Auftritt gegen Fürth hat einen guten Eindruck gemacht, aber es war auch nur ein Spiel (ohne mehrere sehr überzeugende Spiele unter Anfang wäre der FC nicht aufgestiegen). Fürth hat ehrlicherweise auch recht wenig Gegenwehr geleistet.

    Auf der anderen Seite steht aber die Arbeit mit der U21 und das ist wirklich eine großartige Bilanz. Vor dem Spiel gegen Fürth habe ich mir das Spiel der U21 gegen Düsseldorf II soweit es ging angesehen. Das war sehr gut organisiert und die Tore wurde super rausgespielt. Ein Trainer, der eine eigentlich schon hoffnungslos abgeschlagene Mannschaft so gut organisiert und so erfolgreich macht, kann ein Versprechen für die Zukunft sein. Warten wir’s ab.

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