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Lehren des Spiels: Wenn Goliath sich selbst überschätzt


Welche Lehren zieht der 1. FC Köln aus dem 2:3 im DFB-Pokal beim 1. FC Saarbrücken? Achim Beierlorzer dürfte nun wissen, dass er sich auf einige seiner Spieler nicht verlassen kann. Der Bundesliga-Goliath ließ sich vom Regionalliga-David derart einfach erlegen, dass sich der Trainer fragen muss, wie ihm eine solche personelle Fehleinschätzung unterlaufen konnte.

Geschichte des Spiels: Ausgeschieden durch Unwillen, Unvermögen und Ungeduld – so kann man das 2:3 des FC in Saarbrücken zusammenfassen. Erst schien der FC keine große Lust zu verspüren, sich gegen einen Viertligisten um solch einfache Dinge wie Zweikämpfe oder taktische Disziplin kümmern zu müssen. Dann wurde offensichtlich, dass zahlreiche Spieler ihrer Form ungefähr so weit hinterher laufen wie Jorge Meré Gillian Jurcher beim 0:2. Und schließlich ließ sich Köln düpieren wie eine Schülermannschaft. Eigener Einwurf, Tor Gegner: Der FC hatte sich gerade erst den Ausgleich erarbeitet, Saarbrückens Kräfte schienen zu schwinden. In einer Verlängerung hätten sich die Geissböcke den Gegner wohl zurecht legen und besiegen können. Stattdessen verweigerten die Spieler ein letztes Mal jede Zweikampfführung und jedes taktische Grundverhalten, um Saarbrücken auf einfachste Weise den Siegtreffer zu schenken. Unwillen, Unvermögen und Ungeduld – mit diesen Lastern kegelte sich Köln selbst aus dem DFB-Pokal.

Die Aufstellung: Achim Beierlorzer hatte einigen Spielern ein Zuckerstückchen hinwerfen wollen. Der Trainer brachte sechs Neue, wollte Meré und Modeste, Cordoba und Drexler, Schmitz und Risse die Möglichkeit geben, sich gegen den Regionalligisten zu zeigen. Sie gingen unter. Allesamt. Was die Chance auf eine Bewerbung für die Startelf hätte werden sollen, wurde zu einer Bewerbung für einen Tribünenplatz in Düsseldorf. Das Versagen der Spieler war aber auch eine Fehleinschätzung Beierlorzers. Mit Simon Terodde und Rafael Czichos nahm er zwei wichtige Stützen der letzten Wochen vom Feld. Terodde, der zuletzt einzig gefährliche Spieler im FC-Kader, dazu Czichos, der sich auf Plätzen wie Völklingen mit seiner robusten Spielweise zuhause fühlt. Gut gemeint vom Trainer und doch so fatal in seiner Wirkung. Wenngleich Beierlorzer den Nagel auf den Kopf traf, als er am Tag nach der Niederlage sagte: „Bei allem Respekt gegenüber Saarbrücken, jedem Spieler in unserer Startelf darf man zumuten, Saarbrücken besiegen zu können.“ Womit wir wieder bei der erschreckenden Form so manches FC-Spielers wären.

Gewinner des Spiels: Während so viele FC-Profis in Saarbrücken enttäuschten, gab es zwei Gewinner. Jonas Hector, der Kapitän, der den Anschlusstreffer erzielte und auch sonst auf der Sechs einen aufgeräumten Eindruck hinterließ, und Noah Katterbach, Hectors Vertreter hinten links, der nun schon vier Spiele in Folge von Beginn an auflief und gegen Saarbrücken eine gute Reaktion auf sein schwächeres Spiel in Mainz zeigte. Nicht nur wegen seiner Vorbereitung des 1:2 verkörperte Katterbach mit seiner selbstbewussten Spielweise vieles, was man am Dienstag sonst von kaum jemand anderem sah. Er macht es Beierlorzer schwer, in absehbarer Zeit Birger Verstraete wieder ins Zentrum zu stellen und Hector dafür nach hinten zu verschieben. Katterbach beißt sich fest. So, wie sich die FC-Verantwortlichen das erhofft hatten.

Verlierer des Spiels: Apropos Verstraete: Von den so vielen Verlierern, die dieses Spiel hervorbrachte, muss ein weiterer Spieler ebenfalls erwähnt werden, der gar nicht gespielt hat. Marco Höger hat offensichtlich so wenig Standing beim Trainerteam, dass der Routinier in einem Spiel, in dem diverse andere Spieler aus der zweiten Reihe ihre Chance bekamen, wieder 90 Minuten auf der Bank bleiben musste. Da fällt mit Verstraete seit Wochen einer seiner Hauptkonkurrenten aus und doch ist der 30-Jährige für Beierlorzer keine Option. Gegen Paderborn hatte Höger sieben Minuten gespielt, ansonsten saß er zuletzt dreimal über die volle Distanz draußen, selbst in Saarbrücken.

Zitat des Spiels: „Der größte Vorwurf, den ich der Mannschaft mache, ist, dass wir nicht in der Erfolgsspur geblieben sind, sondern zugelassen haben, jetzt ein großes Tief erleben“, sagte Achim Beierlorzer am Tag nach der Pokal-Pleite. „Wir sind enttäuscht, alles andere wäre auch Wahnsinn. Das war nicht okay von meiner Mannschaft. Wir wissen ganz genau, was jetzt in Düsseldorf auf uns zukommt. Wir müssen den Finger in die Wunde legen und aufzeigen, dass es so nicht weitergehen kann.“

Schema zum Spiel

1. FC Saarbrücken – 1. FC Köln 3:2 (0:0)

Tore: 1:0 Schorch (53.), 2:0 Jurcher (57.), 2:1 Hector (70.), 2:2 Terodde (84.), 3:2 Jänicke (90.+3)

FCS: Batz – Barylla, Schorch, Uaferro – Jänicke, Perdedaj, Zeitz, Vunguidica, Froese – Jurcher, Jacob

Effzeh: Horn – Schmitz, Bornauw, Meré, Katterbach – Risse, Skhiri, Hector, Drexler – Cordoba, Modeste

Zuschauer: 6.800 (ausverkauft)

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