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Die FC-Formkurve: Ist Cordoba aktuell unverkäuflich?


Der 1. FC Köln hat sich in der bisherigen Vorbereitung defensiv stabil präsentiert, auch über lange Phasen gegen den VfL Wolfsburg. Offensiv hingegen drückt der Schuh gewaltig. Für Horst Heldt bedeutet das: Eigentlich ist Jhon Cordoba derzeit unverkäuflich, selbst wenn der Kolumbianer seinen Vertrag nicht verlängern möchte. Das zeigt der GBK-Formcheck der einzelnen Mannschaftsteile. 

Tor & Defensive

Im Tor hat Timo Horn nicht nur aufgrund der Ansage, weiter die Nummer eins zu sein, die Nase vorn. Der viel kritisierte Keeper zeigt sich in der Vorbereitung bislang formstark, körperlich in guter Verfassung und blieb in den bisherigen Testspielen noch ohne Gegentor. Ron-Robert Zieler hatte durch seinen Wechsel womöglich die erhofft motivierende Wirkung auf Horn, selbst aber patzte er gegen Wolfsburg erstmals. Die Rollen sind klar verteilt, allerdings auch verdientermaßen, da Horn bislang einen wiedererstarkten Eindruck hinterlässt.

In der Viererkette überrascht bislang vor allem Benno Schmitz, der dem eher zappeligen und unsicheren Kingsley Ehizibue den Rang abgelaufen zu haben scheint. Schmitz wirkt spritziger und sicherer als in der Vorsaison, traut sich offensiv mehr zu und arbeitet defensiv bislang solide. Im Zentrum führt kein Weg an Sebastiaan Bornauw vorbei, der zwar nun bei der belgischen U21 weilt, aber schon mehrfach in den Testspielen die Kapitänsbinde trug und offenbar Jonas Hectors Stellvertreter werden soll. Rafael Czichos spielt weiterhin, wie man ihn kennt. Jorge Meré wirkt ebenso wie Schmitz auf einem aufsteigenden Ast, was ebenso erfreulich ist wie die bevorstehende Rückkehr Frederik Sörensens, der allerdings eine faire Chance bekommen muss sich zu beweisen, was unter Markus Gisdols Vorgängern nicht der Fall gewesen war. Dahinter hat sich Sava Cestic als spannende Alternative für die Zukunft hervorgetan, während Robert Voloder körperlich hinter seinen Konkurrenten zurücksteht, wegen seines starken linken Fußes aber nun als Linksverteidiger ausprobiert wurde. Auf dieser Position hat, ähnlich wie rechts, etwas überraschend der Herausforderer die Nase vorn. Jannes Horn spielt eine anständige Vorbereitung, während Noah Katterbach bis auf sein Traumtor gegen Union Berlin noch etwas hinterher hinkt. Aktuell noch mehr, da er angeschlagen ist.

Mittelfeld

Vor der Viererkette plant Markus Gisdol in seiner 4-2-3-1-Grundordnung erneut mit zwei Sechsern. Diese scheinen Ellyes Skhiri und Jonas Hector sicher zu haben. Salih Özcan hat durch Corona erst später begonnen und muss (darf) jetzt zur U21 des DFB, was ihn erneut aus dem Konkurrenzkampf rausnimmt. Elvis Rexhbecaj wurde zumeist in offensiverer Position getestet, wo er jedoch kaum zu überzeugen wusste. Marco Höger bleibt der Routinier für die gewissen Momente, doch Gisdols Betonung auf Schnelligkeit im FC-Spiel dürfte Höger kaum größere Spielchancen bescheren als in der Rückrunde. Der freche Jens Castrop hat sein Talent schon gezeigt, muss sich mit seinen 17 Jahren aber noch gedulden.

In der offensiven Dreierreihe hinter der Sturmspitze tummeln sich zahlreiche Kandidaten, die allerdings allesamt ihre Päckchen mit sich herumtragen. Florian Kainz wäre gesetzt, fällt nun aber wohl monatelang aus. Ismail Jakobs ist zwar schnell, technisch aber limitiert und bislang in der Vorbereitung eher unauffällig. Jan Thielmann ist ein großes Talent, das für mehr Selbstvertrauen jedoch dringend diesen Aha-Moment braucht, um zu merken, dass er in der Bundesliga bestehen kann. Christian Clemens ist hochmotiviert, ihm merkt man aber an, dass er ein Jahr nicht gespielt hat. Dominick Drexler bringt vieles mit, das dem FC helfen könnte, kann es aber auf Bundesliga-Niveau bislang zu selten zeigen. Tim Lemperle ist schnell und für seine Größe enorm trickreich, allerdings körperlich noch ein Leichtgewicht, weshalb ihm noch die Durchsetzungskraft fehlt.

Angriff

Gerade körperlich, aber auch spielerisch ist Jhon Cordoba der einzige Angreifer des 1. FC Köln, der Bundesliga-Format besitzt. Der Kolumbianer ist derzeit nicht zu ersetzen und daher eigentlich unverkäuflich. Der FC kann sich nicht erlauben, den Angreifer trotz dessen Vertragssituation gehen zu lassen. Es sei denn, Horst Heldt bekäme für dessen Ablösesumme bis zu vier neue Spieler für die Offensive. Ohne Cordoba ist Kölns Offensive derzeit gänzlich harmlos. Auch, weil Anthony Modeste verletzt ist und niemand zu wissen scheint, wann der Franzose wieder fit wird. Die Unsicherheit beim Franzosen ist Kölns womöglich größtes Problem, denn nach dessen starkem Schlussspurt in der Rückrunde hatte man große Hoffnungen in einen wiedererstarkten Modeste für die neue Saison. Derzeit jedoch sieht es eher danach aus, als würde Modeste, sofern er bald wieder trainieren kann, mit großem Rückstand einsteigen und noch einige Zeit benötigen, ehe er fit genug für die Liga ist.

Fazit

Bei aller spielerischen Kritik am 0:3 gegen den VfL Wolfsburg stand zumindest die Kölner Defensive so lange gut, bis die zahlreichen Wechsel auf beiden Seiten einen echten Vergleich auf Bundesliga-Niveau verunmöglichten. Als sich die besten Formationen gegenüber standen, machte es der FC gegen den Ball gut, lief diszipliniert mit engen Abständen zu den Nebenleuten die Räume zu und ließ Wolfsburg nur allzu selten kombinieren. Das macht insofern Hoffnung, als dass sich die Kölner Abwehr nach der Corona-Unterbrechung in der Rückrunde wie die eines Absteigers präsentiert hatte. Gisdol hat mit seinen Spielern gerade defensiv hart gearbeitet. Dieser Aufwand könnte sich ausgezahlt haben.

Offensiv dagegen gibt die aktuelle personelle Situation Anlass zu größter Sorge. Die Kainz-Verletzung legt gnadenlos offen, wie dünn der Kader nach vorne hin besetzt ist. Ein Ausfall Cordobas würde die Geißböcke jeglicher Waffen berauben. Bei allem Talent der Youngster muss der FC personell dringend nachlegen, mindestens zwei neue Offensivkräfte sind gefragt, eigentlich drei – zwei auf den Flügeln, einer im Zentrum. Der Abgang Mark Uths wurde bislang in keiner Weise kompensiert. Dem FC fehlt der Taktgeber, ein Denker und Lenker der Angriffsbemühungen. Dessen wird sich Horst Heldt bewusst sein und muss nun mit minimalen Mitteln das Maximale herausholen. Denn in der aktuellen Formation wäre der FC in der Liga dauerhaft kaum konkurrenzfähig.

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