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Erfolg, Talente und Fans: Der FC-Wunschzettel für 2021


Was sich wohl die Spieler, Trainer und Verantwortlichen für das Jahr 2021 vorgenommen haben? Silvester fiel nicht nur aufgrund der Corona-Bestimmungen auch beim 1. FC Köln bescheiden aus. Die Spieler waren zudem noch einmal daran erinnert worden, sich zwei Tage vor dem ersten Bundesliga-Spiel des Jahres professionell zu verhalten. Doch Neujahrswünsche für 2021 fallen aber größer aus als die erhofften drei Punkte am Samstag gegen den FC Augsburg.

Köln – Für Markus Gisdol war 2020 „das anstrengendste und anspruchsvollste Jahr in meiner Trainerkarriere“. Wie viele andere Menschen auch, kostete die Corona-Pandemie die Menschen beim 1. FC Köln „viel Kraft und Energie“, wie Gisdol am Tag vor Silvester erklärt hatte. Zwei Corona-Tests pro Wochen würden einerseits natürlich eine Sicherheit bringen, die die meisten Menschen in Deutschland nicht bekämen. „Bei jedem Test hoffst du aber, dass bei allen Jungs alles gut geht.“ Diese Anspannung habe man stets in den Augen der Spieler und Verantwortlichen gesehen, auch bei den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle. „Deswegen hoffe ich für alle Menschen, dass in 2021 vieles zur Ruhe kommt und sich normalisiert“, sagte der 51-jährige. „Was wünschen wir deshalb für uns alle für das nächste Jahr wünsche? Dass wir diese große gesellschaftliche Herausforderung meistern – alle zusammen.“

Ein Achterbahn-Jahr mit vielen Loopings

Auch das neue Jahr wird lange unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stehen. Der Lockdown in Deutschland wird wohl deutlich verlängert, die Impfungen werden erst über Monate hinweg die Lage etwas entspannen. Und so könnte es durchaus sein, dass die Bundesliga in dieser Saison gar keine Zuschauer mehr in den Stadien sehen wird. Ein Umstand, der den 1. FC Köln finanziell an seine Grenzen bringen könnte. Das weiß auch Sportchef Horst Heldt. „2020 war ein Achterbahn-Jahr mit vielen Loopings. Ich habe die Hoffnung, dass es sich 2021 irgendwann normalisiert“, sagte der 51-jährige. „Ich wünsche mir ausreichend Impfstoff für alle – und aus Sicht des FC wieder Zuschauer im Stadion.“ Wann der Wunsch in Erfüllung gehen wird, ist jedoch noch nicht absehbar.

Die Wunschliste des 1. FC Köln für das neue Jahr ist lang. Über allem steht freilich die Gesundheit aller Beteiligten. Doch aus sportlicher, wirtschaftlicher und vereinspolitischer Sicht folgen dahinter viele Ziele, die die Verantwortlichen am Geißbockheim nur teilweise beeinflussen können.

1. Klassenerhalt der Profis

Sportlich steht in den kommenden Monaten über allem die Stabilität in der Bundesliga und der damit verbundene Klassenerhalt. Der erneute Absturz in die Zweitklassigkeit wäre für die Geißböcke fatal. Im Sommer 2021 besteht die Chance den Kader deutlich zu verändern. Dafür aber braucht es zwingend den Verbleib in der Bundesliga. Gelingt dies, kann der FC durchatmen. Nichts ist wichtiger in 2021!

2. Finanzielle Sicherheit des Klubs

Der Klassenerhalt würde den Klub auch finanziell retten. Corona hat ein riesiges Loch in die Kassen gerissen. Dazu kommt die Misswirtschaft der letzten Jahre. Die Korrekturen der jahrelangen Fehler und das Auffallen der Folgen der Corona-Krise wird wohl mehrere Jahre dauern. In dieser Zeit braucht der FC die Erstklassigkeit, um sich sanieren zu können. Andernfalls stünde die Frage an: Nimmt der Klub in Kauf, länger in der Zweiten Liga zu verschwinden, oder öffnet er sich für strategische Partner? 2021 wird in dieser Frage ein richtungsweisendes Jahr.

3. Spielbetrieb für U21, U19 und U17

Die U21 darf aktuell noch spielen, die Regionalliga West geht weiter. Wie wichtig dies für den FC ist, zeigt sich an der Beförderung von Marvin Obuz zu den Profis. Dies gelang nur, weil der 18-jährige nach der Einstellung des U19-Spielbetriebs in die zweite Mannschaft aufrücken konnte. Doch für die anderen Top-Talente des FC in der U19 und U17 ist der unterbrochene Trainings- und Spielbetrieb eine Katastrophe. Die Entwicklung der besten Jahrgänge, die die Geißböcke seit über einem Jahrzehnt haben, wurde jäh unterbrochen. Für die Talente ist die Corona-Pandemie nicht weniger als Karriere-gefährdend. Und für den FC, der in den nächsten Jahren noch stärker auf Eigengewächse setzen will, nicht weniger als Zukunfts-gefährdend. Eine Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs für den Nachwuchs im Leistungsbereich wäre für die Geißböcke somit von größter Bedeutung, um die Entwicklung der NLZ-Spieler vorantreiben zu können.

4. Ausbau des Geißbockheims

Weit oben auf der Wunschliste steht auch das Projekt Geißbockheim-Ausbau. Das Klima mit der Stadt Köln ist aktuell vergiftet. Das zeigt auch die jüngste Aussage von Horst Heldt im Express. „Aus unserer Sicht ist er (der Ausbau) nicht kompliziert. Wir haben einen Ratsbeschluss. Das ist eine demokratische Entscheidung, die im Normalfall Verlässlichkeit bedeutet. Als ich den FC 1995 als Spieler verlassen habe, war meine Wahrnehmung, dass dieser Klub in dieser Stadt etwas ganz Besonderes ist. Für mich war immer klar: Die Stadt steht wie eine Eins hinter diesem Klub. Bei der Thematik Ausbau Geißbockheim habe ich das nicht so erlebt. Gefühlt müssen wir uns dafür schämen, in die Ausbildung unserer Nachwuchsspieler investieren zu wollen, an einem Standort, der seit so vielen Jahren unsere Heimat ist. Wir kämpfen gegen Windmühlen, die es an anderen Standorten nicht gibt. Und dann bekommt man mit, dass Bayer Leverkusen in einem Landschaftsschutzgebiet in Köln Kunstrasenplätze bauen darf. Das alles ist schwer nachzuvollziehen. Wir haben manchmal das Gefühl, nicht gewollt zu sein.“ Die nächsten Monate werden entscheiden, ob der FC seinen Ausbau umsetzen kann – und damit auch, ob der FC überhaupt am Geißbockheim wird bleiben können.

5. Wiederannäherung an die Fans

Die Corona-Pandemie hat den Abstand zwischen dem FC und seinen Fans fraglos vergrößert. Wie groß dieser inzwischen ist und ob sogar eine Art Entfremdung stattgefunden hat, wird man erst sehen, wenn die Pandemie überwunden ist und Zuschauer zurück in die Stadien dürfen. Seit zehn Monaten gab es keinen direkten Kontakt mehr zwischen Anhängern und Klub. Auch nicht auf der Mitgliederversammlung, die seit Monaten immer weiter nach hinten geschoben wird. Die Mitglieder wollen Antworten, wie es um den Klub steht – und bekommen sie nicht. Vorstand, Mitgliederrat und Geschäftsführung gaben in 2020 nur selten ein gutes und schon gar kein einheitliches Bild ab. Und so kann kaum jemand aktuell wirklich bewerten, wie es um das Verhältnis der Fans zu ihrem FC steht. Ein erster Hinweis wird die (wohl virtuelle) Mitgliederversammlung geben, sofern sie bald stattfindet. Doch die Aufgabe wird für alle Verantwortlichen gewaltig sein, den durch die Pandemie entstandenen Abstand zu der Anhängerschaft auf allen Ebenen wieder zu verringern.


Der GEISSBLOG.KOELN wünscht Euch allen ein frohes, gesundes und glückliches 2021!

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