1.FC Köln vs. Bayer Leverkusen, 9. Spieltag, 24.10.20, 15.30 Uhr, Fans Nordtribüne (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Streit um das Derby: Sind 50.000 Zuschauer zu viel?

Endlich wieder ein Derby vor ausverkauftem Haus – sagen die Einen. Eine fatale Fehleinschätzung während der vierten Corona-Welle – sagen die Anderen. Das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach steigt am Samstag vor 50.000 Zuschauern im RheinEnergieStadion. An dieser Entscheidung gab es am Freitag viel Kritik.

Köln – Als der 1. FC Köln am Freitagmittag via Twitter noch einmal bestätigte, dass das Gesundheitsamt der Stadt Köln dem ausverkauften Heimspiel der Geißböcke seinen Segen gegeben hatte, überschlugen sich zahlreiche Kritiker über die sozialen Netzwerke. Auch kurze Zeit später, als der 1. FC Köln zusammen mit Viktoria Köln und Fortuna Köln zum Impfen aufrief und die Geißböcke noch einmal auf das Impfangebot im Rahmen des Derbys hinwies, wurden die Stimmen nicht leiser.

Im Gegenteil, schließlich hatte der FC diese Impf-Meldung eingeleitet mit den Worten: „Die Inzidenzzahlen schießen dramatisch in die Höhe. Die Intensivstationen erreichen ihre Kapazitätsgrenzen. Das medizinische Personal arbeitet nach einer kurzen Verschnaufpause im Sommer erneut an der körperlichen wie psychischen Belastungsgrenze. Die Covid-19-Pandemie lässt unsere Gesellschaft nicht los.“

Hätte der FC freiwillig reduzieren müssen?

Der Grund ist freilich vor allem die noch immer niedrige Impfquote in der deutschen Bevölkerung, die bei weiterhin unter 70 Prozent liegt. Um die Pandemie beherrschbar zu machen, braucht es jedoch eine Quote von über 85, im Bestfall von über 90 Prozent. Doch der Vorwurf der Kritiker an der Umsetzung des 50.000-Zuschauer-Derbys lautete: Der FC würde trotz des Impf-Aufrufs seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht.

Geschäftsführer Alexander Wehrle hatte bereits am Donnerstag erklärt: „Das Gesundheitsamt Köln hat uns für das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach eine Genehmigung erteilt, mit 50.000 Zuschauern zu spielen. Möglich ist dies aufgrund des als tragfähig eingestuften und erfolgreich praktizierten Hygiene- und Infektionsschutzkonzept mit 2G.“

Der FC verwies vor dem Derby also auf die politische Verantwortung der Stadt Köln und des Gesundheitsamtes. Der FC habe als Unternehmen ein aus Sicht der Geißböcke tragfähiges Hygienekonzept unter streng kontrollierten 2G-Bedingungen vorgelegt. Solange des Gesundheitsamt Köln und die Stadt Köln daran nichts auszusetzen hätten respektive von der Politik insgesamt keine Einschränkungen kämen, werde man diesen Weg gehen.

FC wirft Politik vor, sich wegzuducken

Nach GEISSBLOG-Informationen hatte das Ordnungsamt die beiden bisher jeweils fast ausverkauften Partien gegen Leverkusen und Union Berlin (jeweils über 49.000 Zuschauer) kontrolliert und nur im ersten Spiel gegen Bayer minimale Beanstandungen an der Umsetzung des 2G-Konzepts gefunden. Darüber hinaus sollen die ermittelten Corona-Infektionszahlen, die eindeutig auf diese beiden Partien zurückzuführen gewesen seien, im einstelligen Bereich gelegen haben. Insofern sah man sich beim FC darin bestätigt, diesen Weg weiterzugehen.

Doch die Kritik wurde am Freitag immer lauter. Das häufigste Argument: Der Verein hätte die finanziellen Einbußen aus Eigenverantwortung hinnehmen und die Anzahl der Zuschauer freiwillig reduzieren müssen. Zur Erinnerung: Ein ausverkauftes Heimspiel beschert dem FC rund 1,8 Mio. Euro Umsatz. Eine freiwillige Reduzierung beispielsweise auf 25.000 Zuschauer hätte die Geißböcke fast eine Million Euro gekostet. Auch deswegen setzte man am Geißbockheim auf die Verantwortung der Politik, diese Entscheidung zu treffen. So hieß es am Freitag aus dem Klub, die Politik sei genau für diese zentralen Entscheidungen da, solle sich nicht wegducken und in ihrer eigenen Unentschlossenheit nicht auf die Verantwortung der Unternehmen verweisen.

Scheinheilige Forderung aus Bremen

In Bremen forderte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) derweil sogar nicht nur eine Reduzierung der Zuschauerzahlen oder neuerliche Geisterspiele in der Bundesliga, sondern die gesamte Saison zu unterbrechen. „Es ist höchste Zeit, dass die Deutsche Fußball Liga den Spielbetrieb unterbricht“, schrieb Mäurer in einer veröffentlichten Mitteilung. Warum gerade eine Saison-Unterbrechung die Corona-Welle brechen sollte, erklärte Mäurer hingegen nicht.

Eine solche Unterbrechung steht zumindest von Seiten der Deutschen Fußball Liga (DFL) nicht zur Debatte. Der Liga-Verband schloss eine Saison-Unterbrechung am Donnerstag kategorisch aus. In den vergangenen Monaten hatte es keine größeren Infektionsketten im Rahmen oder in der Folge von Fußballspielen mit Zuschauern in Deutschland gegeben. Trotzdem nutzte die Politik den Bundesliga-Fußball zuletzt mehrfach als Vorwand, um von den Fehlern auf politischer Ebene abzulenken.

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