Sinnbild des Willens: Thielmann feiert seine Grätsche, Dortmund versteht die Welt nicht mehr. (Foto: Bucco)

Sinnbild des Willens: Thielmann feiert seine Grätsche, Dortmund versteht die Welt nicht mehr. (Foto: Bucco)

Mentalität und Mannschaft lassen ewige Individualisten alt aussehen

Der 1. FC Köln hat Borussia Dortmund zum zweiten Mal in dieser Saison getrotzt. Im Hinspiel war der BVB durch zwei lichte Momente mit dem Schrecken (und drei Punkten) davon gekommen. Im Rückspiel beendete der FC wohl alle schwarz-gelben Meisterträume. Die 90 Minuten am Sonntag waren ein Lehrstück, wie mannschaftliche Qualität gegen individuelle Klasse bestehen kann. Ein Kommentar.

Die Ausfälle gab es am Sonntag auf beiden Seiten. Marco Reus, Thomas Meunier, Mo Dahoud und andere Spieler fehlten dem BVB. Dafür musste der FC unter anderem auf Jonas Hector, Ellyes Skhiri, Florian Kainz und Dejan Ljubicic sowie nach zehn Minuten auch auf Benno Schmitz verzichten. In der Regel kann ein Champions-League-Klub wie Dortmund solche Ausfälle besser kompensieren als ein Fast-Absteiger aus der Vorsaison. Doch seit Steffen Baumgart in Köln ist, spielt es häufig keine Rolle mehr, wer für den FC auf dem Rasen steht.

Insbesondere die Phase zwischen der 15. Minute und dem Ende der ersten Halbzeit war eine Demonstration, wie Mentalität über individuelle Qualität, wie mannschaftliche Geschlossenheit über Einzelkämpfertum obsiegen kann. Die Geißböcke kauften dem BVB nicht einfach nur den Schneid ab. Das wäre zu einfach gesprochen und würde der Kölner Leistung nicht gerecht werden. Es war eine taktische, spielerische und kämpferische Meisterleistung gleichermaßen. Der FC war dem BVB haushoch und in allen Belangen überlegen.

BVB enttäuscht, weil der FC nichts anderes zulässt

Dass die Dortmunder in der zweiten Halbzeit die etwas bessere Mannschaft waren, lag vor allem an der taktischen Umstellung auf Dreierkette und daran, dass die Geißböcke einen Dreieraufbau schlechter anlaufen können und Baumgart zu spät mit einer eigenen Umstellung auf Doppel-Sechs darauf reagierte. Doch mehr als das kam von Dortmund eigentlich nicht. Jan Thielmanns Super-Sprint über das gesamte Spielfeld, um im eigenen Strafraum zu retten, war Sinnbild dessen, was der FC hatte – und Dortmund nicht. Insgesamt verdiente sich die Kölner B-Elf dieses 1:1 redlich und hätte unter dem Strich sogar mehr verdient gehabt.

Und Dortmund? Dafür, dass der BVB mit einem Sieg auf vier Punkte an den FC Bayern herangekommen wäre und die Meisterschaft wieder offen gestaltet hätte, war die Leistung des Ruhrpott-Klubs erschreckend. Die frühe Führung gegen den ersatzgeschwächten Gegner führte eher dazu, dass die Borussia überheblicher denn zielstrebiger agierte. Erling Haaland präsentierte sich wie ein Weltstar, der nur noch bedingt Lust hat in dieser Mannschaft zu spielen. Emre Can echauffierte sich nach harten Zweikämpfen mitunter, als ob der Angriff eines FC-Spielers seine Würde verletzen würde. Thorgan Hazard, Jude Bellingham oder später Julian Brandt wirkten, als würden sie es einfach immer wieder mit der gleichen Schablone probieren und sich wundern, warum es immer noch nicht klappte.

Nur die individuelle Klasse bewahrt Dortmund vor der Niederlage

Der FC dagegen folgte einem klaren Plan, glaubte daran, dass individuelle Qualität einem Gegner längst keine Übermacht geben würde. GEISSBLOG-Reporterin Sonja Eich sagte in der neuesten GEISSPOD-Folge des FC-Podcasts: “Dortmund fehlt eine Portion Baumgart.” Das traf auch am Sonntag den Nagel auf den Kopf. Die Kölner ließen genau das Feuer brennen, das beim BVB nicht mehr als ein paar glimmende Kohlen war. Man könnte sagen: Die Mentalität des FC trotzte der individuellen Qualität des BVB. Man könnte aber auch sagen: Die individuelle Qualität bewahrte Dortmund vor einer klaren Niederlage gegen eine von Teamgeist und taktischer Überlegenheit geprägten Kölner Mannschaft. Ein viel größeres Lob kann es nach so einem Spiel für die Geißböcke kaum geben.

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