Philipp Türoff und Thomas Kessler beim FC-Training. (Foto: Bucco)

Philipp Türoff und Thomas Kessler beim FC-Training. (Foto: Bucco)

Die Finanztricks erklärt: So rechnet sich der FC gesund

Der 1. FC Köln reist am Sonntag ins Trainingslager. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Geißböcke den einwöchigen Aufenthalt im Luxusresort Öschberghof für einen Tross von insgesamt über 50 Spielern, Trainern, Betreuern, Verantwortlichen und Angestellten nicht leisten können. Sponsoring macht es jedoch möglich. Für die bestmögliche Vorbereitung – und für ruhige Gespräche im Hintergrund, wie der Klub gesunden und sich zukunftsfähig aufstellen kann.

Seit dem Saisonende im Mai hat der 1. FC Köln Wert darauf gelegt, klare Worte zur Finanzlage zu finden. Christian Keller und Philipp Türoff taten dies, auch in den Interviews mit dem GEISSBLOG. Ihre Worte waren teils sogar überraschend deutlich für die Fußball-Branche, in der sich die Verantwortlichen ihre Welt gerne auch mal schönreden und, mit Verlaub, lügen, dass die Balken biegen.

Das Präsidium hatte Keller und Türoff auch gerade deshalb in den Klub geholt: zur Sanierung und zu einer Wende in der Unternehmenskultur. Keller hat in Regensburg gezeigt, dass er einen Fußballklub von Grund auf neu aufbauen kann. Türoff hat in seiner Vita weit mehr als nur die Vier-Milliarden-Übernahme von Birkenstock stehen, und der FC scheint in diesem Vergleich eher als kleiner Fisch. Gemeinsam müssen sie nun zeigen, dass sie der Aufgabe gewachsen sind, einen sportlich erfolgreichen und wirtschaftlich gesunden Bundesliga-Klub bauen zu können.

Der Vorstand stellte sich nun noch einmal hinter den offenen Weg der beiden Geschäftsführer, die die Kölner Finanzlage offen kommuniziert hatten. “Die FC-Geschäftsführer Philipp Türoff und Christian Keller haben in den Medien sehr klar benannt, vor welchen finanziellen und sportlichen Herausforderungen der FC steht. Diese Transparenz unterstützen wir. Ein gemeinsamer Weg braucht einen gemeinsamen Startpunkt”, schrieb das Präsidium am Freitag seinen Mitgliedern. Doch wie soll es von diesem Startpunkt aus weitergehen? Im sportlichen Bereich hat der Sanierungsplan vier Bereiche:

1. Sportliche Minimalziele in der Bilanz

Steffen Baumgart, Christian Keller und die Spieler des 1. FC Köln nehmen sich sportlich Großes vor. In der Bundesliga soll eine solide Saison gespielt werden, im DFB-Pokal richten sich die Blicke über Regensburg nach Berlin, und in Europa soll die Gruppenphase der Conference League erreicht werden. Finanz-Boss Türoff jedoch kann mit diesen Zielen zumindest in der Planung der Saison nichts anfangen – denn all diese Ziele sind finanzielle Luftschlösser.

Der Geschäftsführer bestätigte dem GEISSBLOG, dass die Geißböcke die Finanzierung der Saison ohne jegliche Pokal- und Europa-Einnahmen geplant haben. Der Grund ist einfach: Jeder sportliche Erfolg würde zu nicht eingeplanten Mehreinnahmen führen, die den finanziellen Spielraum in anderen Bereichen wieder erhöhen würden. “Es gibt Chancen wie den Einzug in Conference-League-Gruppenphase oder im DFB-Pokal, wo wir sehr defensiv nur mit den Play-offs und der ersten Runde geplant haben. Wir bewegen uns im Sport, Unsicherheiten gibt es immer.” Je kleiner die Ziele in der Bilanz, desto wertvoller der Erfolg auf dem Rasen, sollte er eintreten. “Wir haben keine Wolkenkuckucksheime eingeplant”, sagte Türoff. Umso größer der Ansporn für Baumgart und seine Spieler, dem Klub mit Siegen in Regensburg und in den Play-offs nicht nur sportlichen Erfolg, sondern einen finanziellen Geldsegen zu bescheren.

2. Keine Phantasiesummen bei Verkäufen

Der 1. FC Köln hat sich entschieden zunächst Spieler zu kaufen, ehe man bei den Verkäufen tätig werden will. Ein Risiko? Laut Türoff nur, falls “unsere Annahmen über realistische Transfererlöse nicht eintreten sollten”. Dabei betonte der 46-Jährige, dass der FC “bei Ablösen nicht erpressbar ist”. Heißt: “Wir planen nicht, indem wir zu sehr auf spekulative Transfereinnahmen setzen, sodass wir hinterher unter Wert verkaufen müssen.” Nach GEISSBLOG-Informationen hat sich der FC zwar zum Ziel gesetzt, am Ende der Transferperiode einen Transferüberschuss in hoher einstelliger Millionenhöhe zu erzielen. Vor allem aber soll es auf die Zahlungsmodalitäten ankommen. Und das wiederum heißt…

3. Ablösesummen auf Jahre gestreckt

…, dass der 1. FC Köln bei Spielerverkäufen wie Salih Özcan die Ablösesumme vom aufnehmenden Verein im Bestfall sofort erhalten will. Die Spieler, die der FC jedoch selbst verpflichtet und für die der Klub signifikante Ablösen gezahlt hat (Kilian, Tigges, Martel), will man jedoch in Raten abbezahlen. Insbesondere bei Tigges und Martel soll dies gelungen sein, sodass man beide Ablösesummen über mehrere Jahre abstottern wird. So hat der FC die Einnahmen sofort zur Verfügung, während die Ausgaben längerfristiger Natur sind. “Wir gestalten jede Transaktion in einer Weise, dass wir unsere Spielräume erhalten und vorausschauend stabil funktionieren können”, sagte Türoff.

4. 20 Prozent nur ein Richtwert für 2023

Ein großes Finanz-Ziel des 1. FC Köln ist die schwarze Null zum Ende der Saison 2022/23. Diese soll auch damit gelingen, dass 20 Prozent der Spielergehälter eingespart werden. Ob dies gelingt, ist völlig unklar, da der FC dabei vom Wechselwillen der Großverdiener abhängig ist (u.a. Horn, Duda, Andersson). Türoff betonte jedoch, dass “diese 20 Prozent nur eine Orientierungsgröße sind. Bei einem schwer kalkulierbaren Transfermarkt ist es nicht möglich konkret vorherzusagen, welchen Betrag man wirklich einsparen kann.”

Der FC will diese 20 Prozent zwar für 2022/23 erreichen, Türoff betonte jedoch auch: Noch wichtiger ist die mittelfristige Bereinigung der Gehaltsstruktur. Und hier kommt der Sommer 2023 ins Blickfeld. Keller wollte sich zwar auf GEISSBLOG-Nachfrage noch nicht zu den in einem Jahr auslaufenden Verträgen äußern. Doch Fakt ist: Insgesamt laufen in einem Jahr 14 Verträge aus und damit die Kontrakte von fast der Hälfte aller Spieler. “Uns wird helfen, wenn wir hohe Altverträge nicht mehr zahlen müssen”, betonte Türoff. “Der Sommer 2023 ist ein Punkt, an dem wir unser Gehaltsgefüge – gerade im Segment der Top-Verdiener – neu einstellen können. Daraus wird sich eine extrem große Handlungsfähigkeit ergeben, weil sich der Etat neu verteilen lassen wird. Und bei den Spielern, die wir behalten wollen, liegt es in unserer Hand, zu welchen Konditionen das geschieht.”

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