Thomas Kessler (mi.) und Steffen Baumgart (re.) am Geißbockheim. (Foto: Bucco)

Thomas Kessler (mi.) und Steffen Baumgart (re.) am Geißbockheim. (Foto: Bucco)

Kessler: “Unsere Konkurrenz auf dem Transfermarkt ist nicht gerade klein”

Der 1. FC Köln sondiert den Transfermarkt. Thomas Kessler plant zusammen mit Christian Keller und Steffen Baumgart den Kader der Geißböcke. Im ersten Teil des GEISSBLOG-Interviews spricht der ehemalige FC-Profi über die aktuellen Transfer- und Vertragsgespräche.

Das Interview führten Sonja Eich und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Kessler, der 1. FC Köln hat eine neue Struktur, Sie haben einen neuen Titel: Bereichsleiter Lizenzfußball. Was bedeutet das genau?

THOMAS KESSLER: „Im Grunde bedeutet es nichts anderes, als dass ich den Bereich, den ich bislang zusammen mit Lukas Berg bearbeitet habe, jetzt als alleiniger Leiter der Lizenzspielerabteilung verantworte.”

Und was ist das genau?

Meine tägliche Arbeit ähnelt die eines Sportdirektors in anderen Vereinen. Unsere aktuelle Struktur hat keine Direktoren. Mein Tätigkeitsfeld ist daher trotz eines anderen Titels vergleichbar. Ich arbeite direkt unter unserem Geschäftsführer Christian Keller und bin als seine rechte Hand verantwortlich für das operative Geschäft im Lizenzfußball. Dies geht von Kaderplanung bin hin zur Personalführung. 

Wenn ein FC-Spieler jetzt ein Thema hat: Wann geht er zu Ihnen, wann geht er zu Christian Keller?

Es ist abhängig vom Thema, das kann man nicht pauschalisieren. Allerdings sprechen wir uns bei allen großen Themen selbstverständlich ab. Den engeren Kontakt und täglichen Austausch zur Mannschaft und zum Staff liegt in meinem Aufgabengebiet. Entscheidungen werden besprochen und im Team entschieden. Steffen Baumgart, Christian Keller und ich stehen logischerweise täglich in einem engen Austausch. Die Hauptverantwortung liegt natürlich bei der Geschäftsführung.

Wann entscheiden Sie, wer der neue Stürmer wird?

Wenn wir uns dazu entschließen sollten, dann natürlich vor dem 1. Februar, denn danach können wir ja niemanden mehr verpflichten. (lacht) Wir haben ja bereits öffentlich kommuniziert, dass wir den Markt intensiv beobachten. Wir haben uns in den letzten Wochen intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Der Markt ist im Winter deutlich schwieriger als in einer Sommertransferperiode. Die Konkurrenz auf unserem Zielmarkt ist aktuell nicht gerade klein, so dass die Entscheidung wohlüberlegt sein muss. Da unsere finanziellen Rahmenbedingungen begrenzt sind, müssen wir sie nachhaltig sinnvoll einsetzen. Einen Schnellschuss wird es daher nicht geben.

Aber der FC hat ja schon im Sommer einen Ersatz für Anthony Modeste holen wollen. Das heißt, dass es ja gar keinen Schnellschuss geben kann. Ihre Scouting-Abteilung hat die Arbeit seit dem Sommer ja sicher nicht eingestellt.

Die Kaderplanung ist grundsätzlich ein stetiger Prozess. Diese wird auch im laufenden Spielbetrieb permanent fortgesetzt. Wir beobachten die Entwicklung unser Spieler genau. Diese sind nicht nur auf den Lizenzfußball begrenzt. Wir sind permanent im Austausch mit den Verantwortlichen aus dem Nachwuchsfußball, um auch unsere Talente gezielt in den Lizenzkader zu integrieren. Wir haben auch im Sommer bewusst Spieler verpflichtet, bei der es eine stetige Entwicklung bedarf, um sich nachhaltig in der Bundesliga durchzusetzen. Deshalb darf die Erwartung nicht sein, dass sie von heute auf morgen funktionieren. Es wäre schön, wenn es immer so wäre, aber dafür gibt es keine Garantie. Als Entwicklungsclub musst du damit leben, dass es Spieler gibt, die für diesen Prozess länger benötigen als andere.  

Drei Euro ins Phrasenschwein: Profifußball ist aber ein Ergebnissport. Muss der FC daher im Winter nachlegen, um kurzfristig erfolgreich zu sein?

Die erste Aussage von uns dazu ist, dass wir das Vertrauen und die Überzeugung in unseren Kader haben, dass wir mit unserer Mannschaft die 40 Punkte erreichen werden. Dennoch ist unsere Aufgabe zu schauen, was in diesem Winter für eine Verstärkung möglich ist. Im Sommer sind die Voraussetzungen dazu einfacher. Warum gibt ein Verein einen Spieler im Winter freiwillig ab? Entweder der Spieler wird aus sportlicher Sicht nicht mehr benötigt oder das Angebot ist so gut, dass der abgebende Club es nicht ablehnen kann. Da wir aktuell nicht in der Lage sind über marktüblichen Preis zu zahlen, schauen wir, ob es dennoch interessante Spieler für unserer gesuchtes Profil gibt. Dieser Schritt muss aber sowohl für uns als auch für den Spieler wohlüberlegt sein. Wir haben schon oft betont, dass wir Spieler zum 1. FC Köln holen wollen, die unseren Weg bedingungslos mitgehen wollen. Sie müssen darauf brennen, die Entwicklung unseres Clubs mitzugehen und sich damit selbst an Leistungslimit bringen. 

Hat der Absturz von Platz sieben auf 13 seit Oktober die Gespräche mit Spielern verschlechtert? Gerade mit Blick auf den Sommer, wo der FC eigentlich bei ablösefreien Spielern früh dran sein wollte.

Vor dem 1. Januar ist es ohnehin nicht erlaubt mit Spielern über einen möglichen ablösefeien Transfer im Sommer zu sprechen. (schmunzelt)

Aber mit den Beratern der Spieler könnten Sie schon sprechen. Nicht, dass im März schon wieder alle ablösefreien Spieler bei Union Berlin landen.

Natürlich stehen wir im stetigen Kontakt mit Beratern. Da geht es sowohl um mögliche Transfers für den Winter als auch für die darauffolgende Transferperiode im Sommer. Ich glaube, nicht nur uns, sondern der gesamten Branche ist bewusst, dass es jedes Jahr zehn bis zwölf Mannschaften gibt, die darum spielen, die Klasse zu halten. Wir planen einen Kader für die Bundesliga. Unser Auftreten und unsere Spielweise der letzten 18 Monate hat uns da auf dem Markt sicher nicht unattraktiver gemacht, unabhängig der Tendenz der letzten Spiele.

Wie laufen die Gespräche mit den Spielern, deren Verträge auslaufen? Sind schon Entscheidungen gefallen?

Natürlich laufen Gespräche mit unseren Spielern. Für eine endgültige Entscheidung ist der Zeitpunkt in den meisten Fällen aber noch zu früh. Wir geben den Spielern ein offenes Feedback, wo sie Stand heute gesehen werden. Dieser Eindruck kann sich im Laufe des kommenden Jahres aber auch noch verändern. Christian, Steffen und ich, stehen für eine offenen Kommunikationskultur. Der ehrliche und offene Austausch mit unseren Spielern und Mitarbeitern ist uns sehr wichtig.  

Über Jonas Hector ist fast alles gesagt. Der FC will verlängern, der Spieler noch abwarten. Sie kennen ihn schon lange. Was sagt Ihnen Ihr Gefühl?

Das ist schwer zu beantworten. Am Ende des Tages muss Jonas gemeinsam mit seiner Familie die Entscheidung treffen, wie es für ihn weitergehen soll. Wir haben offen gesagt, dass Jonas eine Ausnahmeposition innehat. Es wird für ihn keine Deadline geben. Wir werden ihn nicht zwingen, sich an Tag X zu entscheiden. Was definitiv feststeht, ist, dass wir für Jonas immer einen Platz bei uns im Kader haben und uns sehr freuen würden, wenn er noch weiter bei uns Fußball spielen würde.

Würden Sie auch sagen, dass Jonas Hector entweder beim FC weiterspielt oder aufhört? Dass ein Vereinswechsel ausgeschlossen ist?

Mein Gefühl sagt mir: Es gibt im Fußball nur zwei Optionen für ihn. Entweder der 1. FC Köln oder der SV Auersmacher. (lacht)

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