Der Nachwuchs des 1. FC Köln sorgt mit seinen Leistungen deutschlandweit für positive Schlagzeilen. Neben dem Platz haben sich die Kölner zuletzt eine neue Identität verschafft, mit Hilfe derer sie zur Spitzenakademie in Deutschland werden wollen.
Lukas Berg muss mit seiner Stimme gegen den Presslufthammer ankämpfen, als er am Mittwoch in der neu gestalteten und modernisierten Kabine der U19 das Konzept der FC-Akademie vorstellt. Der Leiter des Nachwuchsbereiches hatte gemeinsam mit Sportchef Christian Keller und Frauen-Bereichsleiterin Nicole Bender-Rummler ins Geißbockheim eingeladen, um die renovierten Räumlichkeiten im Kontrast zu den bisherigen Zuständen zu veranschaulichen.
Längst sind dabei noch nicht alle Kabinen, Besprechungsräume und Büros umgestaltet worden. Schritt für Schritt schreitet jedoch die Modernisierung des Geißbockheims während des laufenden Betriebs voran, wo nicht nur die weiblichen wie männlichen Profis des 1. FC Köln jeden Tag für das Erreichen ihrer Ziele arbeiten, sondern auch die vielen Talente für ihren Traum vom bezahlten Fußball kämpfen. 15 Millionen Euro haben die Kölner dafür bereits investiert, eine weitere achtstellige Summe erwarten die Verantwortlichen bis zur endgültigen Fertigstellung – einen möglichen Bau des neuen Leistungszentrums nicht mit eingerechnet.
FC ändert Namen des NLZ
Die zwingend notwendige Verbesserung der Infrastruktur ist jedoch nur ein Teil der neuen Ausrichtung, der sich die Kölner inzwischen verschrieben haben. Zu dieser gehört nicht nur die Umbenennung des Nachwuchsleistungszentrums in die FC-Akademie. Ein Begriff, der Größe, Bedeutung und Tradition vermitteln soll. Vielmehr noch haben sich die Kölner auch einer „verfestigte Identität“ verschrieben, „mit der sich alle identifizieren können“, wie Berg erklärt.
Auch in dieser Saison überzeugt der Nachwuchs des 1. FC Köln dabei wieder mit sportlich starken Leistungen. Die U17 hat sich bereits für das Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, auch die U19 ist auf einem guten Weg dahin. Die U21 spielt mit einem extrem jungen Jahrgang derweil eine stabile Saison in der Regionalliga West. „Die FC-Akademie genießt einen guten Ruf im gesamten Land“, sagt Berg.
FC will neben dem Platz für etwas stehen
Doch neben all den sportlichen Erfolgen, auf die es im Fußball nunmal hauptsächlich ankommt, will der 1. FC Köln auch neben dem Platz für etwas stehen. „Wir wollen ein wiedererkennbares Bild nach außen transportieren. Die Spieler und Trainer sind unsere Botschafter, sie tragen jeden Tag den Geißbock auf der Brust“, erklärt der Bereichsleiter. Entsprechend haben an dieser nun festgeschriebenen Identität auch alle Trainer, Funktionsmitarbeiter und sogar ehemalige Spieler mitgewirkt.
Weit oben auf der Agenda steht am Geißbockheim dabei der kölsche Begriff „zesamme“. Besonders einzigartig dabei: Die Talente trainieren Seite an Seite mit den Profis, teilen sich häufig zeitgleich den Athletikbereich und laufen sich in den Fluren ständig über den Weg. Auch im Internat kommt es zum Zusammentreffen mit Athleten anderer Sportarten. „Wie Köln lebt die FC-Akademie von Offenheit und Austausch. Vom ersten Tag an wird jeder Teil der FC-Familie, die von Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist“, heißt es von Seiten den FC.
Menschlichkeit hat in Köln bei aller Ergebnisorientierung immer Priorität.
1. FC Köln
Weitere entscheidende Schlagwörter sind für die Kölner „individuell“, „ambitioniert“ und „menschlich“. Insbesondere letzteres steht für den FC abseits der fußballerischen Ausbildung im Mittelpunkt. Die Kölner wollen „auch starke Persönlichkeiten formen und Werte über den Fußball hinaus vermitteln. Menschlichkeit hat in Köln bei aller Ergebnisorientierung immer Priorität.“
Die Spieler und Spielerinnen sollen dabei ideal auf eine Karriere im Profi-Fußball vorbereitet werden, aber nicht minder wichtig auch Werte vermittelt bekommen, die sie für das Leben neben, nach oder anstelle des Fußballs vorbereiten. Trotzdem ist es freilich der Kernzweck des FC, „Spitzenfußball auszubilden und auf den Platz zu bringen.“
Top-Clubs bieten bessere Gehälter als der FC
Im Werben um die Top-Talente Deutschlands kann der seit Jahren finanziell angeschlagene Club dabei nicht immer die Gehalts-Angebote der Konkurrenz mitgehen. So versuchen die Kölner potenzielle Neuzugänge und deren Familien mit anderen Werten zu überzeugen. Ein schlagkräftiges Argument soll dabei auch die Durchlässigkeit zu den Profis zu sein. Die Integration von Nachwuchsspielern bei der Lizenzmannschaft ist dabei ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung des Erfolges.
So sagt Lukas Berg: „Zusammen wollen wir die Spitzenakademie in Deutschland werden.“ Was ein NLZ zu einer Spitzenakademie macht, ist dabei nicht nur an Pokalen und Titeln zu messen. Auch der Prozentsatz an Spielern, welche es am Ende in den Profibereich schaffen – beim FC oder andernorts – ist dabei entscheidend. So soll nach dem Durchlaufen der FC-Akademie jedes Talent sagen können, nicht nur „am Geißbockheim jroß jewoode“ zu sein, sondern auch erwachsen – auf und neben dem Platz.
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!