Cenk Özkacar soll die Defensive des 1. FC Köln verstärken. Die Verpflichtung ist eine Überraschung. Ein Hinweis von Trainer Lukas Kwasniok könnte erklären, was ihm an der bisherigen Abwehr fehlt.
Noch hat Cenk Özkacar seine Arbeit beim 1. FC Köln nicht aufgenommen. Am Freitag wartete der 24-jährige Türke vergeblich darauf, dass der Transfer verkündet wurde. Am frühen Abend war dann klar, dass der Deal – obwohl eigentlich über die Bühne gebracht – ohne letzte Dokumente noch nicht offiziell gemacht werden kann. Den Formalitäten muss erst noch genüge getan werden. Das soll bis Samstagvormittag geschehen.
Dann wird Özkacar, der auch am Freitag wieder am Geißbockheim weilte und bereits voll ausgestattet wurde, auch als Spieler des 1. FC Köln im RheinEnergieStadion sein. Wenn auch nicht auf dem Rasen gegen Atalanta Bergamo, aber zumindest als FC-Profi auf der Tribüne. Am Sonntag oder Dienstag wird er dann erstmals auf dem Trainingsplatz stehen.
Was Kwasniok in Özkacar sieht
Der Linksfuß kommt vom FC Valencia und ist für die linke Innenverteidiger-Position in der Dreierkette vorgesehen, wo aktuell nur Dominique Heintz und Leart Pacarada eingesetzt werden. Beiden trauen die FC-Verantwortlichen die Bundesliga nur noch bedingt zu. Umso wichtiger der Özkacar-Transfer.
Kann der 24-Jährige aber tatsächlich sofort helfen? Nur 51 Ligaspiele hat der türkische Nationalspieler in den letzten drei Jahren für Valencia und Valladolid absolviert. Regelmäßige Spielpraxis sieht anders aus. Der 1,90 Meter große Verteidiger galt in seiner Heimat als großes Talent, konnte dieses aber auf seinen bisherigen Auslandsstationen nur bedingt unter Beweis stellen. Echter Stammspieler war er nur in Leuven 2021/22.
Lukas Kwasniok ist dennoch froh, dass der robuste Verteidiger nun auf Leihbasis in Köln ist und die Optionen erhöht. „Grundsätzlich hatten wir im hinteren Bereich noch Bedarf. Wenn der Deal finalisiert ist, sind wir happy“, sagte Kwasniok am Freitag. „Er bringt einen linken Fuß mit, eine körperliche Wucht und eine dauerhafte Aufmerksamkeit.“ Besonders die letztgenannte Eigenschaft ließ aufhorchen.
FC-Abwehr mit individuellen Patzern
Selten spricht ein Trainer so offen von einer solchen Qualität. Der Umkehrschluss jedoch lässt erahnen, woher diese Einschätzung kommt. Denn die bisherigen FC-Verteidiger leisteten sich in der vergangenen Saison immer wieder individuelle Patzer – durch mangelnde, dauerhafte Aufmerksamkeit. Handspiele, Fouls, Abspielfehler oder unerklärliche Unachtsamkeiten im Stellungsspiel brachten den FC immer wieder um den Lohn harter Arbeit.
Diese Fehler werden bekanntlich auf Bundesliga-Niveau noch häufiger bestraft. Und so dürfte sich Kwasniok von Özkacar eine hohe Konzentration im Lösen der Defensivaufgaben erhoffen. Auch wenn nicht klar ist, wie der 24-Jährige ins Kölner Scouting-Raster gekommen war. Die Geißböcke hatten sich zuvor zahlreiche Absagen eingehandelt, nicht zuletzt bei Ahmetcan Kaplan, Keven Schlotterbeck und Calvin Brackelmann.
Dafür sind Außenverteidiger, Neuner oder linke Innenverteidiger ausgestorben
Lukas Kwasniok
Kwasniok gestand ein, dass es schwierig war, einen passenden Spieler für diese Position zu überzeugen. „Es gibt Positionen, die sind leichter zu finden. Sechser und Achter zum Beispiel, weil wir in den letzten Jahren nichts anderes mehr ausgebildet haben und nur noch Rondo gespielt haben mit zwei Kontakten“, sagte Kwasniok mit einem Lächeln. „Das können sie alle inzwischen, aber dafür sind Außenverteidiger, Neuner oder linke Innenverteidiger ausgestorben.“
So sei es auch kein Wunder gewesen, dass sich der FC auch in anderen Märkten hätte umschauen müssen. Bekanntlich scoutet der FC neben dem deutschsprachigen Raum und den weiteren Nachbarländern vor allem in Skandinavien. Aus Spanien wechselte zuletzt Jorge Meré im Jahr 2017 zum 1. FC Köln. Zuletzt war La Liga nicht weit oben auf der Liste jener Ligen angesiedelt, in denen sich der FC umsah. Das ändert sich durch Özkacar nun wieder.





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