Nur fünf Versuche von Fünf-Millionen-Mann: „Überspielter“ FC-Star muss auf die Bank

Isak Johannesson kam 2025 aus Düsseldorf. (Foto: Bucco)
Isak Johannesson kam 2025 aus Düsseldorf. (Foto: Bucco)

Isak Johannesson kann seine Scorer-Qualitäten bislang noch nicht in die Bundesliga übertragen. Gegen St. Pauli sitzt der Sommer-Zugang des 1. FC Köln nun wohl erstmals aus Leistungsgründen auf der Bank.

Die Hoffnung, dass mit Isak Johannesson mehr Torgefahr ins Mittelfeld des 1. FC Köln einziehen würde, lag auf der Hand. Elfmal hatte der Isländer in der vergangenen Zweitliga-Saison für Fortuna Düsseldorf getroffen und damit die Kölner Top-Torjäger Damion Downs und Tim Lemperle übertrumpft. Lediglich ein Mittelfeldakteur, Karlsruhes Marvin Wanitzek, hatte noch mehr Tore erzielt.

Eine Etage weiter oben allerdings kann Johannesson – mit kolportierten fünf Millionen Euro der zweitteuerste Sommer-Zugang nach Rav van den Berg – noch nicht an diese Werte anknüpfen. Keine Überraschung für Lukas Kwasniok. „Es gibt keinen größeren Unterschied zwischen zwei Ligen als zwischen der zweiten und der ersten Liga“, sagt der FC-Trainer und meint: „Da geht die Welt komplett auseinander, innerhalb dieser Liga dann auch noch mal.“ 

Vorlagen ja, Schüsse nein

Johannesson traf zwar bei seinem Pflichtspiel-Debüt im DFB-Pokal gegen Drittligist Regensburg und zudem am dritten Spieltag beim 3:3 in Wolfsburg – doch seitdem wartet er auf eine Torbeteiligung in der Bundesliga.

Das liegt einerseits daran, dass der 22-Jährige selbst noch zu selten in Abschlusssituationen kommt. Erst fünfmal schoss er aufs gegnerische Tor – zu selten für einen Spieler mit einer begnadeten Schusstechnik, über die er zweifellos verfügt.

Isak kann kein Bundesliga-Spiel – gerade gegen die absoluten Top-Teams – mal mit 95 Prozent runterspielen. Er muss immer bei 100 Prozent sein.

Lukas Kwasniok

Obwohl der Ex-Düsseldorfer zu Kwasnioks Vielspielern zählt, haben mit Said El Mala, Jakub Kaminski (jeweils 26), Jan Thielmann (17), Marius Bülter (16), Sebastian Sebulonsen (12), Ragnar Ache (11), Luca Waldschmidt (9), Kristoffer Lund (8) und Florian Kainz (6) gleich neun FC-Profis mehr Schüsse abgegeben. In der vergangenen Zweitliga-Saison war Johannesson auf insgesamt 53 Abschlüsse (1,66 pro Spiel) gekommen.

Doch andererseits hat seine bislang überschaubare Scoringquote natürlich auch damit zu tun, wie seine Mitspieler vor dem gegnerischen Tor performen. 14 Torschussvorlagen sind Johannesson an zwölf Spieltagen geglückt, die zweitmeisten beim FC nach Kaminski (20). Im Liga-Vergleich lässt ihn dieser Wert immerhin auf Platz 35 rangieren. Für den ersten Assist als Bundesliga-Profi reichte es trotzdem noch nicht.

Kwasniok: „Das ist menschlich“

Auch ohne die große Torgefahr galt Johannesson bislang als gesetzt. Lediglich in Wolfsburg, nachdem er angeschlagen von der Nationalmannschaft zurückgekehrt war, stand er nicht in Kwasnioks Startelf. In Bremen allerdings musste der Mittelfeldregisseur nun so früh wie noch nie vom Platz, wurde genau wie Alessio Castro-Montes bereits in der Pause ausgewechselt. 

„Seine erste Halbzeit war nicht ganz so gut“, drückt sich Kwasniok diplomatisch aus, schiebt noch nach: „Er hat in der Vergangenheit natürlich schon unter Beweis gestellt, dass er eine Verstärkung sein kann.“ Dennoch, und trotz einer „ordentlichen“ Trainingswoche, dürfte Johannesson am Samstag gegen St. Pauli erstmals aus Leistungsgründen auf der Bank sitzen – in der Hoffnung, dass ihm die Verschnaufpause hilft.

Kwasniok ordnet ein: „Isak hat alle Spiele gespielt. Er kam von der Nationalmannschaft, hat auch die Enttäuschung erlebt, dass sie sich nicht für die WM qualifiziert haben, wobei ihn das mental nicht mitgenommen hat. Trotzdem lässt du vielleicht ein bisschen nach, das ist alles menschlich.“ Insbesondere in der ersten Erstliga-Saison der Karriere.

Johannesson „die ganze Zeit am Anschlag“

„Du bist die ganze Zeit am Anschlag, Isak kann kein Bundesliga-Spiel – gerade gegen die absoluten Top-Teams – mal mit 95 Prozent runterspielen. Er muss immer bei 100 Prozent sein, auch wenn er mit Island gegen Frankreich spielt“, spricht Kwasniok erneut den großen Unterschied zwischen Ober- und Unterhaus an, glaubt deswegen: „Er ist vielleicht einen Ticken überspielt gewesen.“

Dass der Isländer die nötige Qualität hat, um seine Torgefahr in der Bundesliga unter Beweis zu stellen, bezweifelt am Geißbockheim dennoch niemand. „Wir wissen, was er kann. Aber er braucht auch eine gewisse Frische, um das umsetzen zu können“, betont Kwasniok, um dann mit verräterischem Blick an Johannessons Einwechslung in Wolfsburg zu erinnern: „Sein einziges Tor in der Liga hat er von der Bank aus erzielt.“ Folgt gegen Pauli das zweite?

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