Riesiger Frust beim 1. FC Köln. Am Sonntagnachmittag herrschte bei den Geißböcken nicht nur Ärger über die 1:2-Niederlage gegen RB Leipzig, sondern auch über den nicht gegebenen Elfmeter nach einem Handspiel von Doppelpacker Christoph Baumgartner. Die Stimmen zum Spiel.
Aus dem RheinEnergieStadion berichten Alexander Haubrichs und Martin Zenge
Jan Thielmann
„Es ist sehr frustrierend. Wir waren heute mindestens auf Augenhöhe mit Leipzig, haben ein gutes Spiel gemacht. In der ersten Halbzeit haben wir die eine oder andere Situation zu viel zugelassen, aber in der zweiten hatten wir einen guten Antrieb nach vorne und hätten mindestens das 2:2 verdient gehabt. Du kannst die Abseitslinie ziehen, wie du willst – ob du die dann zwei Zentimeter weiter links oder rechts ziehst. Im Endeffekt wurde sie gezogen, jetzt heißt es Abseits. Ich glaube, das ist, um den Schiedsrichtern das Leben ein bisschen zu erleichtern und zu sagen: Es war eine faktische Abseitsentscheidung. Aber es ist eine Frechheit. Ich weiß nicht, was sie im Keller sagen. Für uns war es ein klares Handspiel. In der Folge geht der Leipziger mit Rot vom Platz und wir hätten einen Elfmeter bekommen – ein deutlicher Vorteil für uns. Wir müssen schauen, dass wir jetzt weitermachen und uns nicht über die eine Situation aufregen. Ich verstehe nicht, dass er rausgeht und Abseits prüft. Abseits ist ja eine faktische Entscheidung.“
Eric Martel
„Vom Gefühl her auf dem Feld wäre ein Punkt absolut gerechtfertigt gewesen. Aber so ist es halt. Du kannst mir nicht erzählen, dass das Abseits ist. Die Linie wird da einfach hingezogen. Tut mir leid, da muss es irgendeine andere Regelung geben, das ist für mich kein Abseits. Für mich war es ein klarer Elfmeter. Es ist einfach unfassbar bitter. Wir hatten heute echt gute Möglichkeiten, hatten RB Leipzig gut im Griff. Wir waren in den entscheidenden Momenten aber nicht so konsequent.“
Tom Krauß
„Es ist sehr schwer, Verständnis zu haben. In solchen Spielen ist ein Punkt für uns unfassbar wichtig. Wenn man die Szene sieht, ist es einfach nur sehr, sehr bitter. Ich bleibe jetzt aber ein bisschen ruhig, sonst sage ich hier Worte, die nicht gut sind. Ich kann darüber nur lachen. Es ist sehr, sehr bitter, weil wir kein schlechtes Heimspiel gemacht haben. Natürlich haben wir nach dem 1:1 zu schnell das 1:2 gekriegt, weil wir den Ball nicht richtig geschlagen haben. Baumgartner hat das mit seiner Qualität sehr gut gemacht. Dennoch tut es weh, wenn man solch eine Situation direkt nach dem Spiel sieht. Ich weiß nicht, was sich der Schiedsrichter da ansehen sollte. Wir haben jede Woche die Diskussionen um den VAR.“
Thomas Kessler
„Das war eine vermeidbare Niederlage. Wir müssen uns vorwerfen, dass wir wieder ein Tor durch eine Standardsituation kassiert haben. Darüber hinaus haben wir nach dem Ausgleich zu schnell das zweite Gegentor bekommen. Klar hängt das auch mit der Qualität von RB zusammen. Am Ende ist es bitter, dass wir nicht zumindest einen Punkt mitgenommen haben. Ich habe mir die Schiedsrichter-Entscheidung erklären lassen. Anscheinend gab es vor dem Handspiel eine Abseitsstellung, die über Video zweifelsohne belegt werden konnte. Zugegebenermaßen eine sehr knappe Entscheidung. Dann ging es darum, dass geklärt werden musste, ob David Raum den Ball kontrolliert oder unkontrolliert geklärt hat. Frank Willenborg hat entschieden, dass David Raum nicht in der Lage war, den Ball kontrolliert zu klären. Deswegen hat er auf Abseits entschieden. Für den normalen Fernsehzuschauer ist es schwierig, ich musste mir das in einer Privat-Audienz beim Schiedsrichter erklären lassen. Am Ende kann man das sicher so entscheiden, wenn man es so sieht wie der Schiedsrichter. Man muss sich die Frage stellen, ob es dann sechs Minuten benötigt, bis er sich das im Video anschaut. Er bewertet es so, dass Raum durch die Abseitsstellung das Problem hatte, dass er nicht kontrolliert köpfen konnte, das müssen wir akzeptieren.“
Lukas Kwasniok
„Ein Unentschieden wäre nicht ganz unverdient und möglich gewesen. Ich war mit der Performance meiner Mannschaft durchaus zufrieden. Das Problem ist, dass Leipzig eine gewisse Qualität hat, man kann nicht alles verhindern. Wie es bei uns so ist, wenn beim Gegner nichts geht, kriegen sie einen seitlichen Freistoß oder Eckball rein – da helfen wir ihnen schon, das 0:1 zu kassieren. Das macht mich nach wie vor fuchsteufelswild. Wenn du als Aufsteiger in der Liga bestehen willst, musst du dich bei Standards besser anstellen. Das haben wir heute nicht gemacht, leider zum wiederholten Male. Wir hatten das Problem mit den Standards und dass Baumgartner das falsche Trikot trägt. Ich bin kein Verfechter des VAR, aber bei Abseits gibt es nur schwarz oder weiß. Die Problematik, die hier dazukam, war eine subjektive Bewertung des Unparteiischen am Monitor, ob der Kopfball von Raum kontrolliert oder unkontrolliert war. Ich sage es mal so: Jeder, der ab und zu mal am Kopfballpendel war, kann schon einordnen, dass ein Nationalspieler sehr wohl in der Lage ist, den Ball sehr kontrolliert wegzuköpfen. So kommt Sebulonsen, der minimal im Abseits stand, in diese Situation. Ich hatte eine andere Wahrnehmung, kann es aber nicht mehr ändern.“
Ole Werner
„Ich war mit der ersten Halbzeit echt zufrieden. Wir hatten eine gute Struktur und Spielkontrolle. Die Führung war verdient. In der zweiten Halbzeit wurde es mehr ein Kampfspiel. Köln hat sehr geradlinig nach vorne gespielt und wir haben es nicht mehr geschafft, die Räume zuzulaufen. So haben wir den Ausgleich kassiert. Wichtig war für uns, dass wir darauf eine Antwort gefunden haben. Danach hat Köln gedrückt und wir haben es nicht geschafft, unsere Konter sauber zu Ende zu spielen. So ist es bis zum Ende eng geblieben. Mit Ausnahme der strittigen Handelfmeter-Szene haben wir aber nicht allzu viel zugelassen. Deswegen bin ich mit dem Auftreten zufrieden. Dem Druck in so einem Stadion standzuhalten, ist für uns ein Schritt nach vorne. Wir nehmen die Punkte nicht ganz unverdient mit nach Leipzig.“







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