„Muss mich im Griff haben“: Derby-Sperre trotz Trippels Versprechen? DFB reagiert

Stadionsprecher Michael Trippel. (Foto: Bucco)
Stadionsprecher Michael Trippel. (Foto: Bucco)

Stadionsprecher Michael Trippel drohen nach der 1:2-Niederlage des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund Ermittlungen durch den DFB-Kontrollausschuss. Wie der Verband und Trippel selbst am Sonntag reagierten.

Am späten Abend nach der Niederlage des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund brach der Frust noch einmal via Instagram aus Stadionsprecher Michael Trippel heraus. Zum Song „Von hier an blind“ der Band Wir sind Helden postete das Kölner Urgestein ein Bild des Handspiels, das Schiedsrichter Daniel Siebert übersehen und dessen Überprüfung Video-Referee Benjamin Cortus verweigert hatte. Dazu den Kommentar: „Dieser Fußball macht keinen Spaß mehr.“

Trippel: „Sicher bekomme ich dafür Ärger…“

Schon nach dem Platzverweis gegen Jahmai Simpson-Pusey machte Trippel, der die Spiele in der Sprecherkabine auf der Osttribüne begleitet, aus seiner Abneigung gegen den VAR keinen Hehl und schimpfte in sein Mikrofon: „Pfui, widerlich.“ Nach dem Schlusspfiff platzte es dann erneut aus ihm heraus: „Sicher bekomme ich morgen dafür Ärger, aber: Es gab in der 95. Minute ein klares Handspiel eines Dortmunders im Strafraum – und das schaut sich nicht einmal jemand an.“

Hier war Dortmunds Yan Couto mit der Hand am Ball. (Foto: Sky)
Hier war Dortmunds Yan Couto mit der Hand am Ball. (Foto: Sky)

Die Empörung unter den Fans war groß, der Ärger bei den Verantwortlichen auch. FC-Coach Lukas Kwasniok nahm Trippel im ZDFSportstudio noch in Schutz: „Wie man auch bei mir sehen kann, gehen manchmal die Emotionen mit einem durch. Hier hat er sich ein Stück weit vergaloppiert.“

Doch Sportchef Thomas Kessler kritisierte den Stadionsprecher deutlich und kündigte an, dass Trippel zum Rapport muss: „Das ist eine Thematik, die gefällt mir nicht. Wir wollen nicht über den Stadionsprecher den Schiedsrichter bewerten. Dafür gibt es Menschen im Club, dazu gehört er nicht.“ Und weiter: „Bei aller Emotionalität, und die darf Michael Trippel haben, weil er lange in diesem Club ist, ist es nicht richtig, dass ein Stadionsprecher über das Mikrofon seinen Emotionen freien Lauf lässt. Wir werden im Nachgang darüber sprechen.“

Stadionsprecher der DFL zur Neutralität verpflichtet

Es droht weiterer Ärger, womöglich sogar eine Sperre, unter Umständen gar für das Derby gegen Borussia Mönchengladbach in zwei Wochen. Denn der DFB dürfte gegen Trippel aktiv werden, Grundlage ist das Handbuch für Stadionsprecher und Platzansager der DFL. In Artikel 43 heißt es: „Über die Lautsprecheranlage dürfen ausschließlich Durchsagen mit neutralem Inhalt gemacht werden. Die Lautsprecheranlage darf nicht verwendet werden für: die Verbreitung politischer Botschaften, die Unterstützung der Heimmannschaft, jegliche Form von Diskriminierung der Gastmannschaft.“

Der inzwischen 71-Jährige, der seit 1999 bei den Heimspielen des 1. FC Köln das Stadionmikrofon in der Hand hält, war schon immer für die emotionale Begleitung der Heimspiele bekannt, was natürlich seinen besonderen Status unter den FC-Anhängern ausmacht. Doch bei der 1:2-Niederlage gegen Dortmund hat Trippel den Bogen überspannt. Neutral war an den Kommentaren nichts.

Der DFB kritisierte das Verhalten am Sonntag. „Wir missbilligen die Äußerungen entschieden und halten sie für inakzeptabel“, erklärte die Sportliche Leitung der DFB Schiri GmbH, die allerdings ebenfalls zu der Einsicht kam, dass beim Handspiel in der Nachspielzeit hätte eingegriffen werden müssen. Und trotzdem: „Bei allem Verständnis für Emotionalität wurde hier eindeutig eine Grenze überschritten“, so die erste Reaktion des DFB.

Trippel entschuldigt sich nach Kesser-Rüffel

Nach der öffentlichen Kritik von FC-Sportchef Thomas Kessler und Gesprächen mit Geschäftsführer Philipp Türoff sowie zwei Vorstandsmitgliedern noch am Samstagabend zeigte sich Trippel selbst am Sonntag gegenüber dem GEISSBLOG einsichtig: „Die Aussagen von mir waren schon emotional. Nach einer Nacht darüber schlafen sehe ich ein, dass man das sicher nicht zu oft machen sollte. Für die, die sich angegriffen fühlen, bei denen entschuldige ich mich.“

Dann betont er noch einmal seine besondere Beziehung zum FC: „Ich bin kein Stadionsprecher, der von einer Rundfunkanstalt kommt und mit dem Verein ansonsten nicht viel zu tun hat. Ich mache mir halt großen Sorgen um den Verein. Der FC gehört zu meinem Leben, das ist meine 63. Saison als Fan, 42 Jahre bin ich für den FC tätig – da sind eben eine Menge Emotionen dabei. Wenn man so viel Liebe und Intensität in den Club steckt und im Abstiegskampf mitfiebert, kann einem das schon mal rausrutschen. Wie gesagt: Es tut mir leid, wenn ich jemandem auf den Schlips getreten bin.“

Ob er durch diese Einsicht um eine harte Strafe wie eine Sperre herumkommt, werden die nächsten Tage zeigen. Darüber muss der DFB-Kontrollausschuss entscheiden – ein Verfahren gilt zunächst mal als sicher. Für Trippel steht fest: „Ich muss mich besser im Griff haben.“ Er verspricht: „So etwas kommt nie wieder vor.“

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

DISKUTIER MIT!

Willkommen im Kommentarbereich des GEISSBLOG!
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
25 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertete