Eine anhaltende Verletzungsmisere und kein Glück bei den engen Schiedsrichter-Entscheidungen – mit diesen beiden Themen hadert der 1. FC Köln praktisch schon die ganze Saison. Im Derby waren es womöglich genau diese Dinge, die Lukas Kwasniok den Job gekostet haben.
Schon seit Wochen fühlte sich Lukas Kwasniok vom Fußballgott im Stich gelassen. Sein letztes Spiel als Trainer des 1. FC Köln, das 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach, brachte das Fass zum Überlaufen. Wer weiß, wie es um seine Zukunft gestanden hätte, wenn ihn im Derby nicht die beiden größten Ärgernisse dieser FC-Saison ein weiteres Mal eingeholt hätten.
Nach Abpfiff stapfte Kwasniok stinksauer durch die Katakomben des RheinEnergieStadions in Richtung Kabine. Vom GEISSBLOG auf diese Szene angesprochen, erklärte er kurz darauf: „Ich suche nie nach Ausreden und jammere nicht. Trotzdem ist uns das Glück auch nicht hold.“
Kwasniok: „Dann hast du dieses Duell nicht“
Zum x-ten Mal in dieser Saison sah sich der inzwischen entlassene Trainer einem Schiedsrichtergespann ausgesetzt, das den FC bei einer engen entscheidenden Szene leiden ließ. Kurz nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 3:3-Ausgleich hatte Eric Martel im Kopfballduell den Ellenbogen ausgefahren, flog daher mit Gelb-Rot vom Platz. Doch der gefoulte Gladbacher war aus dem Abseits gekommen.
„Als Trainer kannst du eine gute Performance beeinflussen, aber du brauchst auch die Momente, die auf deiner Seite sind. Ich weiß nicht, wie häufig wir diese Momente in dieser Saison auf unserer Seite hatten – in Bezug auf Gelb-Rote Karten, auf Elfmeter“, ärgerte sich Kwasniok und fühlte sich an die teilweise unerklärlichen Entscheidungen der vergangenen Heimspiele erinnert.
„Egal, ob das gegen Leipzig oder Dortmund war“, so der 44-Jährige weiter: „Wir hatten Performances, die zu Punkten hätten führen können, verlieren aber zweimal knapp. Heute steht es 3:3 und du hast das Gefühl, du bist am Kommen.“ Martels Ellenbogeneinsatz sei zwar „nur mit Gelb-Rot zu bewerten“ gewesen, doch: „Wenn die Fahne gehoben und einfach eine Sekunde früher gepfiffen wird, gehen weder Eric noch der Gegenspieler zum Kopfball. Dann hast du dieses Duell nicht. Er kommt aus dem Abseits in die Aktion zum Eric.“
Es gibt keine Garantie, dass wir noch gewonnen hätten, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Wir spielen auf die Süd, das Momentum ist auf unserer Seite.
Lukas Kwasniok
Kein wirklicher Fehler des Schiedsrichtergespanns, aber mal wieder eine knifflige Szene, von der der Gegner profitierte. „Es gibt keine Garantie, dass wir noch gewonnen hätten, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Wir spielen auf die Süd, das Momentum ist auf unserer Seite“, begab sich Kwasniok in den Bereich von ‚Was wäre wenn?‘ und haderte mit „diesen kleinen Dingen, die grenzwertig sind“.
Darüber habe er sich nach Abpfiff „kurz echauffiert“, doch noch am Samstag zeigte er sich sicher: „Das sind Elemente, die früher oder später auf unserer Seite sein werden. Davon bin ich überzeugt und dann werden wir Spiele gewinnen.“ Sollte es so sein, profitiert hiervon nun René Wagner.
Gladbach nutzt Krauß-Ausfall
Der Fußballgott hatte es allerdings schon vor Anpfiff nicht gut gemeint mit Kwasniok. Da Tom Krauß das Aufwärmprogramm mit Knieproblemen abbrechen musste, klaffte auf der Rechtsverteidiger-Position mal wieder eine Lücke. „Tom hat sich gestern im Training bei einem Pressschlag verletzt. Er hat alles versucht, getestet und getan. Er ist aber lange genug dabei und weiß, ob es funktioniert oder nicht. Heute hat es dann nicht funktioniert“, erklärte Sportchef Thomas Kessler später.
Kwasniok setzte stattdessen auf Youngster Cenny Neumann, der zum fünften Mal im Profi-Kader stand und gegen Dortmund in der Schlussphase debütiert hatte. Bei seiner Startelf-Premiere gegen Gladbach erlebte der 19-Jährige nun einen ganz bitteren Nachmittag. Sein Gegenspieler Jens Castrop erzielte zwei Treffer selbst und bereitete einen vor. Insbesondere beim 0:1 nach 28 Sekunden sah Neumann äußerst schlecht aus.
Die Alternative war, Jan Thielmann nach einer vierwöchigen Ausfallzeit als Rechtsverteidiger ins Verderben zu jagen.
Lukas Kwasniok
„Die Frage ist immer, welche Alternativen hast du? Ganz klar hätte ich Cenny vor vier Wochen nicht reingeworfen, weil er noch nicht so weit gewesen ist“, gab Kwasniok zu, sah am Samstag – ohne den gesperrten Sebastian Sebulonsen und den verletzten Alessio Castro-Montes im Kader – aber keine andere Option mehr: „Die Alternative war, Jan Thielmann nach einer vierwöchigen Ausfallzeit als Rechtsverteidiger ins Verderben zu jagen. Dann wäre ihm der Muskel durchgerissen. Das wäre absolut verantwortungslos gewesen.“
Für Kwasniok galt es einmal mehr, „die Dinge zu akzeptieren“. Zumal Neumann inzwischen bereit gewesen sei, mehr Einsatzzeit zu erhalten. Beim 0:1 sei der Rechtsverteidiger lediglich „das letzte Puzzleteil in einer gewissen Fehlerkette“ gewesen. „Cenny kann das sicher besser lösen, aber ich fand es beachtlich, wie er zurückgekommen ist. Es war nicht so einfach für ihn, gefühlt fünf Minuten vor Anpfiff die Info zu bekommen, jetzt spiel mal das Derby. Dafür hat er es stabil gemacht“, lobte Kwasniok sogar und holte Neumann wohl auch deswegen in der Pause noch nicht vom Rasen.
Kein „wir“ mehr: Kwasniok korrigiert sich selbst
Sein letzter Fehler als FC-Trainer? Kwasniok sah das am Samstag anders, auch wenn Neumann beim zwischenzeitlichen 2:3 durch Castrops Traumtor erneut der Gegenspieler war. „Beim dritten Tor kann keiner etwas machen, das muss man einfach auch mal anerkennen. Dafür kann Cenny nichts.“
Neumann habe unter dem Strich „ein ordentliches Spiel“ gemacht, ergänzte Kwasniok und zeigte sich überzeugt: „Wir werden noch viel Freude an ihm haben.“ Wobei er das Wort „wir“ umgehend korrigierte und nachschob: „Der 1. FC Köln wird viel Freude an ihm haben.“








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