„Kenne Macken der Leute“: Wagner sucht Stellschrauben – wo er Bedarf sieht

René Wagner betritt als Cheftrainer den Rasen. (Foto: Bucco)
René Wagner betritt als Cheftrainer den Rasen. (Foto: Bucco)

Mit ruhigem Ansatz statt großer Veränderungen ist René Wagner in seine neue Aufgabe beim 1. FC Köln gestartet. Der neue Trainer setzt auf kleine Stellschrauben – und auf seine Kenntnis der Mannschaft.

René Wagner setzt in seinen ersten Tagen als Cheftrainer des 1. FC Köln auf Analyse statt Aktionismus. „Wir müssen uns auf das fokussieren, was uns gegen Frankfurt helfen kann, ohne den Druck des Spieltags am Wochenende zu haben“, kündigte der 37-Jährige in dieser Woche an. Wagner hat dabei zumindest ein klein wenig von dem, was im laufenden Bundesliga-Betrieb häufig schon als Luxusgut gilt: Zeit.

Nicht viele Spieler sind während der aktuellen Länderspielpause verreist, der Kader ist weitestgehend zusammen. Für den Trainer heißt das: „Wir analysieren ruhig, wo die kleinen Stellschrauben sind, über die Thomas (Kessler, Anm. d. Red) schon gesprochen hat. Die gehen wir in aller Ruhe an und dann können wir Richtung Frankfurt immer noch emotionaler werden“, erklärte Wagner am Dienstag. 

Wagner sucht die „kleinen Dinge“

Nach der Trennung von Lukas Kwasniok geht es beim FC nun also zunächst darum, Stabilität in den Alltag zu bringen. Keine Schnellschüsse, sondern gezielte Korrekturen. Dabei sieht Wagner keinen kompletten Neuanfang als notwendig an. Im Gegenteil: Die grundsätzliche Leistungsfähigkeit der Mannschaft stellt er nicht infrage. „Wir haben an den Wochenenden meistens funktioniert. Die Performance war gut, wir können Augsburg vielleicht ausnehmen. Aber jeder Trainer, jeder Mensch hat immer irgendwo kleine Dinge, die verbessert werden können. Das ist meine Aufgabe, die zu suchen.“

Diese „kleinen Dinge“ sind es, die Wagner nun identifizieren will. Noch ist der Prozess nicht abgeschlossen – wie auch, immerhin befindet sich der gebürtige Dresdener noch immer in seiner ersten Woche als Cheftrainer, gerade einmal vier Trainingstage liegen hinter ihm und seinem Co-Trainer Armin Reutershahn. Trotzdem zeigte sich Wagner mit Blick in Richtung Frankfurt zuversichtlich. „Schauen wir mal, wie viele Stellschrauben sich noch für uns finden lassen.“

Wagner kennt die Spieler, die Spieler kennen Wagner

Ein Vorteil für den neuen Cheftrainer: Er kennt die Mannschaft. Und sie kennt ihn. Seit Saisonbeginn war Wagner Co-Trainer unter Kwasniok, zuvor arbeitete er bereits lange Zeit unter Steffen Baumgart beim FC. Eine Konstellation, die ihm nun helfen soll, schnell Zugang zu finden. „Durch meine Erfahrung beim 1. FC Köln kenne ich die Leute und auch die Macken der Leute. Ich versuche, im Staff so zu kommunizieren, dass wir das Gefühl haben, dass wir das alle gemeinsam machen können.“

Nähe statt Distanz also und Zusammenarbeit statt klarer Hierarchien. Gerade nach den zuletzt immer wieder thematisierten Reibungen könnte genau das ein entscheidender Faktor sein. Wie groß der tatsächliche Bruch innerhalb der Saison war, lässt Wagner dabei offen. „Es gibt im Fußball ganz, ganz viele verschiedene Themen, die sehr komplex sind. Es ist unfassbar schwer, das hier in drei, vier Sätzen zu erklären.“ Der Fokus liegt nun vielmehr auf der Gegenwart. 

„Ansonsten stellen wir nochmal woanders nach“

Und die heißt: Eintracht Frankfurt. „Deswegen schauen wir, dass wir jetzt unsere Aufgabe erledigen. Es geht darum, die Jungs so zu motivieren, dass wir gut trainieren und in Frankfurt ein gutes Spiel machen können. Dann haben wir wahrscheinlich die richtigen Stellschrauben gefunden. Ansonsten stellen wir nochmal woanders nach.“

Die Arbeit dafür ist bereits im vollen Gange. Am Mittwoch stand ein internes Testspiel im Stadion an – ohne Öffentlichkeit, ohne Erkenntnisse nach außen. Dafür aber als weiterer Baustein in der Bestandsaufnahme. Wagner sucht die Stellschrauben und scheint dabei genau zu wissen, wo er anfangen will. Ob er sie rechtzeitig findet, wird sich schon in Frankfurt zeigen.

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