Sinnfreies Säbelrasseln: Das Feindbild Fußball-Fan hilft keinem weiter

Choreographie mit Pyrotechnik vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen Bayern München.
Stimmungsvolle Choreographie mit Pyrotechnik vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen Bayern München am 14.1.2026. (Foto: Imago/De Fodi)

Polizeikosten oder sogar Spielabsagen? Mit markigen Worten gegen DFB und DFL haben die CDU-Innenminister Herbert Reul und Armin Schuster die Schlagzeilen bestimmt. Der 1. FC Köln wehrte sich vorm Derby gegen Borussia Mönchengladbach dagegen und hat Recht. Eine Gegenrede.

Ein Kommentar von Alexander Haubrichs

Auch auf die Gefahr hin, am Wochenende beim Derby des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach eines Schlechteren belehrt zu werden: Nach dem Säbelrasseln der CDU-Innenminister von Nordrhein-Westfalen und Sachsen wird es Zeit, einmal Position zu beziehen.

Es kann kaum ein Zufall sein, dass der bekennende Bayer-04-Fan Herbert Reul und Armin Schuster ausgerechnet den Montag zwischen zwei Landtagswahlen für ihre schlagzeilenträchtigen Drohungen gegen Klubs und Fußball-Fans ausgesucht haben. Law and Order scheint eins der wenigen Themen zu sein, bei denen die Christdemokraten überhaupt noch Hoffnung haben, beim Wähler zu punkten.

Die Ultras als Feindbild der Politik

Mehr Stadionsicherheit, eine zentrale Stadionverbotsstelle sowie den „Fußballmillionären“ die Kosten für Polizeieinsätze aufdrücken – das klingt nach konsequentem Durchgreifen. Und mit den Ultras trifft es dann eine Gruppe, die mehrheitlich eher als solidarisch, tolerant und eher links verortet wird – da braucht man keine großen Stimmverluste zu befürchten.

Ohne das Problem von einzelnen Gewaltausbrüchen zwischen Fangruppierungen kleinreden zu wollen: Der allergrößte Teil der Fußball-Anhänger auch auf den Stehplätzen ist friedlich, man kann selbst mit Kindern sorgenfrei in der Südkurve stehen oder Auswärtsfahrten bestreiten. Mein Sohn steht, seit er drei Jahre alt ist, regelmäßig dort und hatte nicht ein einziges Mal Angst oder etwas zu befürchten – ich spreche also aus Erfahrung. Wer mal selbst im Fanblock stand, weiß, dass selbst mit dem Thema der so heiß diskutierten Pyrotechnik in den allermeisten Fällen verantwortungsvoll umgegangen wird. Und ganz ehrlich: Für die gute Stimmung sind wir alle schon dankbar. Wer will schon ein Opernpublikum wie etwa beim FC Arsenal im Emirates.

Fußball-Stadien sind Spiegelbild der Gesellschaft

Zudem darf man sich schon fragen, was mittelfristig gefährlicher ist: Ein paar leuchtende Fackeln oder dass die Polizei in und um die Stadien auch Gesichter und Bewegungsprofile völlig unbescholtener Bürger auf Video aufnimmt und in die hochproblematische Sicherheitssoftware Palantir vom us-amerikanischen Anti-Demokraten Peter Thiel einspeist, in NRW eingeführt von ebenjenem Innenminister Herbert Reul?

Der Kern des Problems ist doch: Die Stadien und ihre Fankurven sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und gerade aus konservativen Kreisen wird die Spaltung gerade weniger betuchter Bevölkerungsschichten mit den Angriffen auf Migranten, Bürgergeldempfänger oder psychisch und physisch Kranke immer weiter vorangetrieben. Die Drohungen von Reul und Schuster gegen Fußball-Klubs und Fans helfen niemandem, eine zentrale Stadionverbotsstelle auch nicht. Das alles ist Säbelrasseln im Wahlkampf. Die Politik hat ganz andere Probleme zu lösen. Denn der Stadionbesuch ist sicher.

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