Politiker drohen Vereinen unverhohlen – der 1. FC Köln reagiert empört

Kölner Fan-Proteste gegen Polizeikontrollen. (Foto: IMAGO / Matthias Koch)
Kölner Fan-Proteste gegen Polizeikontrollen. (Foto: IMAGO / Matthias Koch)

Nicht nur sportlich steckt im 100. Bundesliga-Duell zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach jede Menge Brisanz. Auch bei Polizei und Sicherheitskräften herrscht vor dem Aufeinandertreffen der Erzrivalen im Westen der Republik wie üblich Alarmstufe Rot. Nun gibt es zusätzlichen Ärger auf politischer Ebene.

Neben dem Hamburger Stadtderby ist das Duell des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach in dieser Bundesliga-Saison wohl das mit dem größten Graben zwischen zwei Fanlagern. Für wie problematisch die Polizei das Verhältnis einstuft, zeigte zuletzt die Tatsache, dass die Kölner Ultras den Weg nach Stuttgart nicht antreten durften, weil befürchtet wurde, es könnte auf der Reise zu Zusammenstößen mit Gladbacher Anhängern kommen, die zeitlich auf der A3 Richtung Frankfurt unterwegs waren.

Die Anspannung gerade auch beim DFB und bei der DFL könnte kaum größer sein. Und das ausgerechnet vor der Sportministerkonferenz am Mittwoch, vor welcher die Chefs der Innenministerkonferenz, Armin Schuster aus Sachsen und Herbert Reul aus NRW (beide CDU), Öl ins Feuer gegossen und den Druck auf Verband und Liga noch einmal deutlich erhöht haben.

Politiker drohen mit Verbot von Fußballveranstaltungen

„Unsere Hand könnte ausgestreckter nicht sein“, sagte Schuster im Interview mit dem kicker zwar. Doch allzu ausgestreckt war diese in der Vergangenheit eigentlich nicht, eher im Gegenteil. Daher verwunderte es nicht, dass der CDU-Politiker im nächsten Satz ergänzte: „Aber es fühlt sich an, als würde jeden Samstag und Sonntag draufgeschlagen.“ Im gleichen Atemzug drohte er damit, die Kosten für Polizeieinsätze auf die Vereine abzuwälzen.

Selbst nicht erteilte Genehmigungen für Fußballveranstaltungen halten Reul und Schuster für denkbar. „Das braucht kein Mensch, aber das liegt in unserem Instrumentenkasten – und der ist ziemlich breit und tief. Da sind die Rechnungen drin, da sind Veranstaltungsuntersagungen drin. Der Druck auf mich angesichts des Verhaltens spezieller Fans und des Nichteingreifens des Fußballs steigt und steigt.“

1. FC Köln mit harter Kritik an Politik

Drohungen vor der Konferenz, während man gleichzeitig von einer ausgestreckten Hand mit Zuckerbrot spricht? Es scheint, als hielten die Politiker in der anderen Hand die Peitsche hinter dem Rücken versteckt. Reul forderte dazu passend ein härteres Vorgehen, vor allem eine neue Stadionverbotsordnung. „Von vielen Vorschlägen in der Konferenz blieb nur noch dieser übrig – und der ist noch weichgespült. Da werde ich stinksauer. Wenn die Vereine nicht in der Lage sind, das umzusetzen, sondern auf Zeit spielen, dann erhöht das nicht ihre Glaubwürdigkeit.“

Das wollte am Montag der 1. FC Köln nicht auf sich sitzen lassen. „Pauschale Drohungen mit der Umlegung von Polizeikosten oder der Verweigerung von Genehmigungen halten wir nicht für zielführend“, sagte Geschäftsführer Philipp Türoff und machte deutlich, dass vor dem Derby solche Äußerungen kontraproduktiv seien. „Sie stellen nachweisbar keinen wirksamen Hebel für mehr Sicherheit dar, sondern riskieren, die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Klubs und Behörden zu untergraben.“

Wie reagieren die Fan-Lager?

„Am Standort Köln pflegen wir einen engen und vertrauensvollen Austausch mit der Polizei, den Sicherheitspartnern, aber auch den Fanorganisationen, auf dessen Basis wir Stadionverbote wirksam aussprechen und ein sicheres Stadionerlebnis beim FC gewährleisten können“, sagte Türoff weiter. „Unsere Position ist klar: Die lokalen Stadionverbotskommissionen müssen erhalten bleiben, denn Sicherheit im Stadion ist eine lokale Aufgabe, die Standortkenntnis und oft Fingerspitzengefühl erfordert. Eine rein zentrale Steuerung kann aus unserer Sicht der Komplexität des Einzelfalls nicht gerecht werden.“

Der Zeitpunkt der Sportministerkonferenz und die Äußerungen Schusters und Reuls ausgerechnet vor einem der hitzigsten Bundesliga-Spiele der Saison dürften nicht für eine Beruhigung der Diskussion gesorgt haben. Vielmehr dürften sich die Fanlager beider Vereine dazu aufgerufen fühlen, auf derart populistische Äußerungen der Minister zu reagieren. Solche Reaktionen erfolgten in der Vergangenheit in der Regel mit Protesten vor und während des Spiels. Und so dürften die Augen am Samstag nicht nur auf den Rasen, sondern auch auf die Tribünen gerichtet sein.

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