FC mit großer Vorfreude: „Wir können uns mit einer Weltmarke entwickeln“

Lukas Podolski und der 1. FC Köln liefen zuletzt bis 2008 mit adidas auf. (Foto: IMAGO / Chai v.d. Laage)
Lukas Podolski und der 1. FC Köln liefen zuletzt bis 2008 mit adidas auf. (Foto: IMAGO / Chai v.d. Laage)

Der 1. FC Köln steht vor einem Quantensprung: Mit adidas steigt eine Weltmarke beim FC ein. Geschäftsführer Philipp Türoff spricht im dritten Teil des großen GEISSBLOG-Interviews über die Folgen dieses Deals und wie der FC nach dem Dauerkarten-Novum mit den Fans umgehen will.

Das Interview führten Alexander Haubrichs und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Türoff, zum 1. Juli kommt mit adidas ein neuer Ausrüster, auf den sich viele FC-Fans schon freuen. Was können Sie zu den neuen Trikots schon verraten?

PHILIPP TÜROFF: Sobald sich die Uhr hier auf Juli stellt, werden wir aus der Deckung kommen. Und so, wie wir uns das vorstellen, wird das auch lautstark sein. Wir freuen uns sehr, uns mit so einer Weltmarke entwickeln zu können, und sind gespannt auf die Resonanz. Wir können schon spüren, dass sich die Menschen freuen.

Dabei hat der FC mit Hummel gerade noch Rekordverkäufe erzielen können.

Hummel war ein toller Partner für uns. Da ist vieles super gelungen. Das war eine echte Erfolgsgeschichte. Auch im letzten Jahr, als wir mit dem Dom-Trikot einen Allzeit-Verkaufsrekord aufstellen konnten. Deshalb sind wir da sehr dankbar.

Worauf freuen Sie sich mit adidas?

Adidas und der FC haben eine Geschichte, deshalb freue ich mich auf die klassischen Dinge einer solchen Partnerschaft und auf das Heimtrikot besonders. Aber ich freue mich auch auf alles neben dem Platz. Adidas ist auch ein Lifestyle-Brand, die viele andere Angebote hat, die wir mit unserer Marke verbinden können. Auch Themen wie Trainingsoutfits werden für uns immer interessanter, weil es längst nicht mehr nur darum geht, was zwischen Anpfiff und Abpfiff im Stadion passiert. Auch all unsere Trainer freuen sich auf die neue Ausstattung, das höre ich immer wieder.

Hier geht’s zu Teil 1 und 2 des Türoff-Interviews

Teil 1 – Die FC-Finanzen: „Wir suchen kein schnelles Geld für einen großen Transfersommer“
Teil 2 – Die FC-Transfers: „Nicht die erstbeste Lösung annehmen“ – warum der El-Mala-Deal „hochkomplex“ ist

Können Sie schon etwas zu den Trikot-Designs verraten?

Das ist natürlich Teil unseres Launch-Geheimnisses. Dazu will ich mich nicht äußern.

Die anderen Premium-Partnerschaften gibt es inzwischen teilweise schon über Jahrzehnte. Ist das gut für den FC oder braucht es da auch mal etwas Frisches, um bessere Abschlüsse erzielen zu können?

Diese Partner sind bei uns geblieben, als es uns während Corona gar nicht gut ging. Da haben sie nicht immer jeden Verhandlungsspielraum in aller Härte ausgenutzt. Sie haben zum FC gestanden, und das sollten wir nie vergessen. Aber natürlich ist es unsere Verpflichtung, uns immer weiterzuentwickeln und alle Rechte genau anzuschauen und auszubauen. Mein Kollege Philipp Liesenfeld uns sein Team führen hier mit klarer Strategie die Regie, progressiv auf Wachstum und gleichzeitig mit dem nötigen Fingerspitzengefühl für die langjährigen treuen Partnerschaften.

Wir ziehen es jetzt durch, und viele Menschen, die es betrifft, sind bereits Mitglied geworden.

Philipp Türoff

Was plant der FC da?

Das geht von weiteren Bandenreihen im Stadion über eine stärkere Segmentierung zwischen Männern, Frauen und Nachwuchs. Und klar, wenn große Rechte auslaufen, dann haben wir alleine schon aus Haftungsgründen die Pflicht, diese Rechte neu auszuschreiben und nach rechts und links zu gucken. Da müssen wir immer sicherstellen, das Richtige für den FC herauszuholen. Das ist aber auch immer einfacher, wenn es sportlich gut läuft und du nicht gerade wieder abgestiegen bist.

Es gab ja auch Zeiten, in denen der FC beim Vermarkter um Geld bitten musste und so die Einnahmen der kommenden Jahre verfrühstückt hat.

Mit dieser Praktik haben wir hier sehr konsequent aufgeräumt. Trotzdem: Wenn es Unternehmer gibt, die bereit sind dem FC zu helfen und Geld zu geben, ist es unsere Verpflichtung mit ihnen ins Gespräch zu gehen.

Andere Clubs wie Dortmund, Frankfurt oder Stuttgart haben ihre langjährigen Partner zu Anteilseignern gemacht. Das geht beim FC qua Satzung nicht. Dennoch wird über diese Immobiliengesellschaft ja schon länger gesprochen. Welche Pläne gibt es da?

Für das Leistungszentrum brauchen wir keine Immobiliengesellschaft, aber wir haben im Zusammenhang mit der Stadionfrage schon über das Thema gesprochen. Strategisch ist klar: Investoren beim FC sind nicht erwünscht. Wir werden unsere Unabhängigkeit nicht einsetzen, um Geld zu erhalten. 

Wie steht es denn um die Stadionfrage?

Eine handfeste Entwicklung gibt es aktuell nicht, aber natürlich ist diese Frage für uns strategisch hoch relevant.  Wir müssen  schauen, wie wir uns perspektivisch entwickeln können. Ich muss aber klar sagen: Das Leistungszentrum als drängendstes Infrastrukturprojekt und die sportliche Entwicklung haben aktuell eine so überragende Wichtigkeit, dass sie von uns klar priorisiert werden. Wir müssen schauen, dass wir in der Bundesliga bleiben, dass wir vom 15. Platz in der TV-Tabelle wegkommen, dass wir das Geißbockheim erweitern. Darüber hinaus sind wir auch der Stadionfrage verpflichtet, weil wir uns unseren Fans verpflichtet fühlen. Wir wollen auch in unserer Fan-Base wachsen. Und wir sind strategisch limitiert zu wachsen, weil wir nur einem Bruchteil unserer Fans Tickets für unsere Heimspiele anbieten können. Deswegen ist das Thema Stadion immer wiederkehrend. Unser neues Präsidium hat in dieser Frage auch den klaren Willen, die langfristige Zukunft des FC zu gestalten.

Womit wir abschließend bei den Dauerkarten wären, die der FC gerade verpflichtend für Mitglieder gemacht hat. Wie ist die Resonanz auf Ihre Entscheidung?

Es ist ein Privileg beim 1. FC Köln eine Dauerkarte zu besitzen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Die Warteliste wird lang und länger. Gleichzeitig werden kaum neue Dauerkarten frei. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und vorab viele Menschen involviert – unter anderem durch eine groß angelegte Umfrage. Dass die Entscheidung nicht schön für die Betroffenen ist, ist doch klar. Gleichzeitig bekommen wir auch sehr viel Zuspruch von Mitgliedern, die diesen Schritt als folgerichtig und gerecht empfinden. Wir ziehen es jetzt durch, und viele Menschen, die es betrifft, sind bereits Mitglied geworden.

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