Türoff exklusiv: „Wir suchen kein schnelles Geld für einen großen Transfersommer“

Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff (Foto: Bucco)
Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln steht vor großen Herausforderungen – sportlich, finanziell und baulich. Geschäftsführer Philipp Türoff spricht im großen GEISSBLOG-Interview über die Entwicklung des Clubs.

Das Interview führten Alexander Haubrichs und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Türoff, das Oberverwaltungsgericht hat den 1. FC Köln mit der Verschiebung der Verhandlung und des Urteils erneut einen herben Rückschlag verpasst. Mit welchem Gefühl blicken Sie darauf zurück?

PHILIPP TÜROFF: Es hat mich und uns vollkommen überraschend getroffen. Wir wollten mit der Hoffnung nach Münster fahren, dass endlich Klarheit geschaffen wird. Dieses Verfahren läuft seit vielen Jahren. Es gab bereits Urteile, es gab den Weg über Leipzig und anschließend wieder zurück. Irgendwann muss doch endlich mal eine Entscheidung stehen, mit der alle Beteiligten arbeiten können. Daher macht es mich fassungslos, dass so ein wichtiges Thema für die Zukunft eines Unternehmens in Deutschland so behandelt wird.

Was wäre aus Sicht des FC ein Erfolg gewesen respektive wäre ein Erfolg, wenn dann das Urteil tatsächlich noch gesprochen wird?

Ein Erfolg wäre die Bestätigung, dass der Bebauungsplan rechtmäßig zustande gekommen ist. Dann würde vor aller Augen deutlich werden, dass der 1. FC Köln über Jahre hinweg genau das getan hat, was man in einem demokratischen Rechtsstaat tun soll. Wir haben uns an die Verfahren gehalten. Wir haben die politischen Prozesse durchlaufen. Wir haben Mehrheiten gesucht und bekommen. Wenn all das irgendwann mal bestätigt wird, dann zeigt das auch, dass dem Verein in den vergangenen Jahren an vielen Stellen Unrecht widerfahren ist.

Aber würde dieses Urteil dann auch wirklich helfen? Die politischen Hürden in Köln bleiben ja dieselben.

Selbst dann wäre das noch kein vollständiger Erfolg, das stimmt. Aber unser Ziel ist nicht, vor Gericht Recht zu bekommen. Unser Ziel ist es, die Voraussetzungen für die Zukunft des FC zu schaffen. Und diese Zukunft wird nicht in Münster entschieden.

Für einen Verein wie den 1. FC Köln ist das ein unerträglicher Zustand.

Philipp Türoff

Sondern?

Hier in Köln müssen irgendwann Stadtverwaltung und Rat Farbe bekennen. Es ist zermürbend, dass in dieser Stadt bei gewissen Themen jahrelang einfach nichts passiert. Viele Fragen und Entscheidungen gelangen gar nicht erst in die politischen Gremien, weil niemand das Risiko eingehen möchte, sich angreifbar zu machen. Das führt zu einer Situation, in der niemand wirklich Ja sagt, aber eben auch niemand Nein sagt. Für einen Verein wie den 1. FC Köln ist das ein unerträglicher Zustand. Wir brauchen Planbarkeit. Wir brauchen Verlässlichkeit. Stattdessen erleben wir immer neue Verzögerungen, nicht nur in Münster.

Das liegt auch an den schwierigen Mehrheitsverhältnissen, weil sich niemand nachsagen möchte, eine Abstimmung wegen der AfD gewonnen zu haben. 

Natürlich sehen wir diese Situation. Es ist schwieriger geworden, politische Mehrheiten zu organisieren. Gleichzeitig darf sich die Politik mit diesem Argument nicht aus der Verantwortung stehlen. Wir dürfen nicht einfach sagen: Die Verhältnisse sind kompliziert, deshalb passiert nichts. Ein Stadtrat ist dazu da, Entscheidungen zu treffen. Eine Verwaltung ist dazu da, Entscheidungen umzusetzen. Wir verlangen keine bevorzugte Behandlung. Aber wir erwarten, dass getroffene Entscheidungen auch umgesetzt werden.

Das eine Thema in Münster sind die Fußballplätze. Das andere Thema ist der Bau des Leistungszentrums. Wie immer an dieser Stelle die plakative Frage: Wann rollen die Bagger?

Nach aktuellem Stand halte ich das Frühjahr 2027 für realistisch. Dann sollten die Detailplanungen, die Finanzierung und die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sein. Dabei muss ich noch mal betonen: Das Leistungszentrum ist als strategische Entscheidung längst von der Frage nach den Plätzen getrennt zu betrachten. Wir können mit diesem elementaren Entwicklungsschritt für den 1. FC Köln nicht noch weitere Jahre warten. Aber klar, wenn wir hier bauen, heißt das auch, dass der Kunstrasen verschwindet, auf dem das Leistungszentrum entsteht. Und das heißt: Wir hätten wieder einen Platz weniger, und zwar einen der meistgenutzten Plätze am Geißbockheim. Dafür brauchen wir endlich den lange versprochenen Ersatz.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit dem neuen Oberbürgermeister Torsten Burmester?

Der Austausch ist eng und ehrlich. Daran gibt es nichts zu kritisieren. Wir wollen fair bleiben. Viele Probleme rund um das Geißbockheim sind deutlich älter als die Amtszeit von Torsten Burmester. Deshalb wäre es falsch, die aktuellen Probleme an seiner Person festzumachen. Zumal seine Partei in all den Jahren klar hinter den beschlossenen Plänen des FC stand und sich nicht gedreht hat. 

Die Größenordnung von rund 50 Millionen Euro ist weiterhin eine sehr belastbare Orientierung

Philip Türoff

Die Baukosten steigen seit Jahren. Wenn es 2027 mit dem Leistungszentrum losgeht: Welche Summe wird dieser Bau verschlingen?

Die Größenordnung von rund 50 Millionen Euro ist weiterhin eine sehr belastbare Orientierung. Natürlich bewegen wir uns bei einem solchen Projekt immer in einem Bereich, in dem sich Kosten verändern können, aber diese Größenordnung ist nach wie vor realistisch.

Ist die Finanzierung gesichert?

Die endgültigen Verträge sind noch nicht unterschrieben. Aber wir haben einen sehr klaren Plan. Die Finanzierung des Leistungszentrums ist kein Bottleneck. Wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der wirtschaftlichen Stabilisierung des Vereins erzielt. Das hilft uns bei Gesprächen mit potenziellen Finanzierungspartnern. Die größte Herausforderung ist nicht das Geld, sondern sind die Rahmenbedingungen.

Zuletzt gab es Spekulationen über neue Genussrechte. Ist das ein Thema?

Nicht in der Form, wie es dargestellt wurde. Die Genussrechte in der Corona-Zeit hatten einen klaren Zweck. Sie haben dem Verein in einer schwierigen Phase geholfen. Dafür sind wir sehr dankbar. Heute befinden wir uns in einer anderen Situation. Wir sind wirtschaftlich deutlich stabiler aufgestellt. Deshalb suchen wir nicht nach schnellem Geld, um kurzfristige Löcher zu stopfen oder den Kader zu finanzieren, sondern eine verantwortungsvolle, langfristige Finanzierung eines der wichtigsten Bauprojekte, die der FC je umgesetzt hat.

Genussrechte sind aber nicht ausgeschlossen?

Man sollte niemals Instrumente pauschal ausschließen. Wenn Menschen dem FC helfen möchten oder wenn sich interessante Finanzierungsmöglichkeiten ergeben, dann schauen wir uns das selbstverständlich an. Aber die Ausgangslage ist heute eine andere, das ist mir wichtig zu betonen. Wir sind nicht auf der Suche nach schnellem Geld, um einen großen Transfersommer zu ermöglichen. Das entspricht nicht unserer Realität.

Ist Nachhaltigkeit inzwischen wichtiger als maximale Investitionen?

Ich glaube nicht, dass man diese Dinge gegeneinander ausspielen sollte. Natürlich wollen wir sportlich erfolgreich sein. Natürlich möchten wir unsere Mannschaft verbessern. Natürlich wollen wir ambitioniert sein. Aber wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, dass nachhaltige Entwicklung die Voraussetzung für dauerhaften Erfolg ist. Wenn man ständig Risiken eingehen muss, um die nächste Saison zu finanzieren, wird man auf Dauer Schiffbruch erleiden.

Das Leistungszentrum ist kein Luxusprojekt. Es ist eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins

Philipp Türoff

Was ist für diesen dauerhaften Erfolg entscheidend?

Flexibilität. Im Fußball ergeben sich Chancen häufig kurzfristig. Ein Spieler wird verfügbar. Ein anderer Verein trifft Entscheidungen. Märkte verändern sich. Wenn man dann keine Handlungsmöglichkeiten besitzt, verpasst man Chancen. Daran arbeiten wir. Das bedeutet nicht, dass wir jeden Wunsch erfüllen können. Aber wir wollen in der Lage sein, vernünftige Entscheidungen zu treffen, wenn sich Möglichkeiten ergeben.

Diese Balance gelingt auch, wenn man 50 Millionen Euro in ein Leistungszentrum steckt?

Genau darin liegt die Herausforderung. Wir müssen den Profibereich wettbewerbsfähig halten. Gleichzeitig müssen wir in die Zukunft investieren. Das Leistungszentrum ist kein Luxusprojekt. Es ist eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins für die nächsten Jahrzehnte. Wenn wir junge Spieler entwickeln wollen, wenn wir im Nachwuchsbereich erfolgreich sein wollen, wenn wir den Frauen- und Mädchenfußball weiter stärken möchten, dann brauchen wir entsprechende Infrastruktur.

Der Nachwuchs spielt schon jetzt seit Jahren eine große Rolle.

Und das soll so bleiben. Dafür wollen wir sorgen. Der FC hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, welchen Wert die eigene Ausbildung besitzt. Die Talente helfen uns sportlich. Sie helfen uns wirtschaftlich. Und sie stärken die Identifikation mit dem Verein. Deshalb ist es für uns so wichtig, die Bedingungen weiter zu verbessern.

Was ist Ihre größte Aufgabe für die kommenden Jahre?

Dafür zu sorgen, dass sich der Verein weiterentwickelt. Der FC hat eine enorme Strahlkraft. Er hat eine große Mitgliederbasis. Er hat fantastische Fans. Aber Tradition allein reicht nicht. Wir müssen dafür sorgen, dass die Strukturen Schritt halten. Dass wir wirtschaftlich gesund bleiben, infrastrukturell aufholen und sportlich konkurrenzfähig bleiben. Der FC darf nie stehen bleiben.

Sehen Sie den FC denn auf dem richtigen Weg?

Ja, ich bin von unserem Weg überzeugt. Natürlich gibt es Rückschläge. Natürlich gibt es Themen, die länger dauern als gewünscht. Das erlebt man beim Geißbockheim genauso wie in anderen Bereichen. Aber insgesamt haben wir in den vergangenen Jahren viele wichtige Schritte gemacht. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Richtung stimmt. Jetzt geht es darum, die nächsten Etappen ebenfalls erfolgreich zu gestalten.

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