Der 1. FC Köln steht vor einem großen Transfersommer. Geschäftsführer Philipp Türoff spricht im zweiten Teil des großen GEISSBLOG-Interviews über die Transferplanungen, insbesondere über Said El Mala. (Hier geht’s zum ersten Teil des Interviews)
Das Interview führten Alexander Haubrichs und Marc L. Merten
GEISSBLOG: Herr Türoff, braucht der 1. FC köln in diesem Sommer Transfererlöse, um die nötigen Investitionen in den Kader umsetzen zu können?
PHILIPP TÜROFF: Wir haben ein durchfinanziertes Budget. Natürlich beeinflussen Transfererlöse unseren Handlungsspielraum. Das ist im Profifußball normal. Aber wir arbeiten nicht mehr so, dass uns plötzlich das Saisonende überrascht und wir hektisch nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen müssen. Die Kaderplanung erfolgt auf einer soliden Grundlage.
Viele Fans fragen sich, welche finanziellen Möglichkeiten der FC für den Transfersommer überhaupt hat. Es musste schon viel Geld investiert werden, um Leihspieler fest zu binden. Bleibt da noch viel Geld übrig für neue Spieler, ohne dass man Said El Mala oder Jakub Kaminski verkaufen muss?
Wir haben eine deutlich bessere Ausgangslage als noch vor einigen Jahren. Damals waren wir häufig in Situationen, in denen wir zunächst wirtschaftliche Probleme lösen mussten, bevor wir überhaupt über sportliche Entwicklung sprechen konnten. Heute arbeiten wir wesentlich strukturierter. Es gibt ein Budget. Es gibt Szenarien. Natürlich verändern sich diese Pläne im Laufe eines Sommers immer etwas. Das gilt für jeden Bundesligisten. Aber wir haben solide geplant und sind handlungsfähig.
Das heißt?
Dass wir uns die Frage stellen, ob wir Transfererlöse erzielen wollen. Auf der einen Seite schaffen sie wirtschaftlichen Handlungsspielraum. Das ist offensichtlich. Wenn ein Verein Einnahmen erzielt, entstehen Möglichkeiten, die vorher nicht da waren. Auf der anderen Seite verliert man aber häufig auch einen Spieler, der sportlich wichtig war. Dann entsteht automatisch ein neuer Bedarf im Kader, für den wieder Geld aufgewendet werden muss, um diese Lücke zu schließen. Deshalb wäre es zu einfach zu sagen: Ein Verkauf bedeutet automatisch mehr Geld für neue Spieler.
Der FC muss also nicht verkaufen.
Nein. Es gibt keinen 1. FC Köln mehr, der gezwungen ist, einen Transfer zu tätigen, weil sonst das Geld fehlt. Diese Zeiten haben wir hinter uns gelassen. Das bedeutet nicht, dass Transfererlöse unwichtig geworden sind. Im Gegenteil. Wenn wir uns die Bundesliga anschauen, dann erzielen selbst Vereine im unteren Tabellendrittel regelmäßig Transfererlöse zwischen zwölf und fünfzehn Millionen Euro pro Saison.
Die Unterschiede in den Etats der Vereine sind inzwischen so groß, dass wir als FC an bestimmten Stellen gar nicht mehr konkurrieren können
Philipp Türoff
Das war beim FC in den letzten Jahren nur 2025 so.
Und das ist auch Teil der unangenehmen Wahrheit. Die Unterschiede in den Etats der Vereine sind inzwischen so groß, dass wir als FC an bestimmten Stellen gar nicht mehr konkurrieren können. Wenn ein Club aus dem oberen Drittel der Bundesliga oder aus dem Ausland einen Spieler anruft, dann sprechen wir häufig nicht über zehn oder zwanzig Prozent mehr Gehalt im Vergleich zu uns. Dann reden wir über das Doppelte oder Dreifache. Das ist eine Dimension, die man nicht ignorieren kann.
An welchen Vereinen kann sich der FC jetzt orientieren?
Für unsere Entwicklung ist Frankfurt sicherlich ein interessantes Beispiel. Dort ist es gelungen, regelmäßig außergewöhnliche Transfererlöse zu erzielen und diese intelligent wieder zu investieren. Dadurch konnte sich der Verein Stück für Stück weiterentwickeln. Aber solche Entwicklungen lassen sich nicht einfach kopieren. Dafür braucht man sportliche Erfolge, die richtigen Spieler, den richtigen Zeitpunkt und auch ein wenig Glück. Trotzdem zeigt Frankfurt, aber auch Freiburg und Stuttgart, dass es möglich ist, über kluge Transferpolitik mehrere Stufen auf einmal zu nehmen.
Wenn man sich die aktuellen DFL-Wirtschaftszahlen anschaut, wirken die Abstände allerdings gigantisch.
Das sind sie auch. In manchen Bereichen reden wir tatsächlich über Welten. Es wäre unrealistisch zu glauben, man könne diese Unterschiede kurzfristig aufholen. In den letzten Jahren lagen wir vom Kaderetat ungefähr da, wo wir auch sportlich gelandet sind – im unteren Drittel der Bundesliga. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen und uns dauerhaft im Bundesliga-Mittelfeld etablieren. Damit wir in eine Position kommen, in der uns eine gute Saison auch einmal in Richtung Europa tragen kann. Das ist aus unserer Sicht ein realistischer Entwicklungspfad.
Wie sieht die wirtschaftliche Planung für die kommende Saison aus?
Grundsätzlich planen wir weiterhin konservativ. Unser Ansatz ist nicht, möglichst hohe Gewinne auszuweisen. Unser Ansatz ist die schwarze Null. Wir wollen wirtschaftlich stabil bleiben und gleichzeitig möglichst viele Mittel in den Sport investieren. Früher mussten wir Eigenkapital aufbauen und die Bilanz reparieren. Das war notwendig. Heute können wir stärker darauf achten, die sportliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Alle an Said El Mala interessierten Vereine haben schließlich ein Interesse daran, möglichst wenig Ablöse zu bezahlen.
Philipp Türoff
Kommen wir zu Said El Mala…
Er ist für uns eine außergewöhnliche Personalie. Aus unserer Sicht haben wir da ein Juwel, das einen sehr guten Markt hat. Das wissen wir nicht erst seit gestern. Entsprechend wäre es aus unserer Sicht falsch, unter Zeitdruck die erstbeste Lösung anzunehmen. Wenn wir uns irgendwann entscheiden sollten, einen solchen Spieler abzugeben, dann muss das zu den bestmöglichen Bedingungen für den 1. FC Köln geschehen.
Wie schwierig ist es, bei solchen Summen die Ruhe zu bewahren?
Das gehört zu den Herausforderungen. Natürlich gibt es Interesse an dem Spieler. Natürlich gibt es Spekulationen. Natürlich wird ständig gefragt, ob der Spieler bleibt oder geht. Aber genau deshalb muss man ruhig bleiben. Alle interessierten Vereine haben schließlich ein Interesse daran, möglichst wenig Ablöse zu bezahlen. Das darf man nie vergessen. Unsere Aufgabe ist es, die Interessen des FC bestmöglich zu vertreten.
Wie konkret ist die Lage aktuell?
Es gibt weiterhin Interesse im Markt. Aber zwischen ersten Kontaktaufnahmen und einer tatsächlichen Entscheidung liegen oft mehrere Schritte. Irgendwann müssen Berater eingebunden werden. Dann muss sich der Spieler positionieren. Die Familie spielt eine Rolle. Es müssen sich viele Parteien einigen. Von außen wirkt das manchmal sehr geradlinig. In Wahrheit sind solche Prozesse oft hochkomplex.
Hängt die Kaderplanung von einem El-Mala-Verkauf ab?
Nein. Und genau das ist so wichtig zu verstehen. Wenn die gesamte Kaderplanung an einem einzigen Transfer hängen würde, stünden wir unter enormem Druck. Das wäre keine gute Ausgangslage. Wenn zusätzliche Erlöse entstehen, ergeben sich zwar zusätzliche Möglichkeiten. Aber die grundlegende Planung hängt nicht davon ab.
Angenommen, es käme nach dem FC Brentford wieder ein Angebot über 50 Millionen Euro. Könnte der FC das überhaupt ablehnen?
Wenn man die Berichterstattung dazu verfolgt, könnte man an manchen Stellen den Eindruck gewinnen, der FC stünde mit dem Rücken zur Wand. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wir sind total froh, in Said einen Spieler bei uns zu haben, über den in solchen Größenordnungen gesprochen wird. Dann stellen sich Fragen. Wie sehr verbessert er unserer Mannschaft auch in der neuen Saison? Was möchte Said selbst? Was ist er heute wert? Was könnte er morgen wert sein? Wie entwickelt er sich sportlich? Niemand hat eine Glaskugel, aber jeder eine Meinung. Und genau das macht den Fußball doch so spannend.
Wovon hängt die Entscheidung letztlich ab?
Da spielen sportliche Faktoren eine Rolle, wirtschaftliche Faktoren, die Perspektive des Spielers, die Perspektive des Vereins. Man muss im Sinne des Clubs Chancen und Risiken abwägen. Vielleicht entwickelt sich alles perfekt. Vielleicht aber auch nicht. Deshalb muss man jede Situation individuell bewerten.
Was ist die wichtigste Leitlinie in dieser besonderen Personalie?
Dass wir uns nicht treiben lassen. Wenn wir Entscheidungen treffen, dann sollen sie aus Überzeugung getroffen werden und nicht aus Hektik. Der FC befindet sich auf einem guten Weg. Wir wollen diesen Weg fortsetzen. Und wenn außergewöhnliche Chancen entstehen, dann werden wir sie verantwortungsvoll nutzen. Aber eben zu unseren Bedingungen und nicht unter dem Druck anderer Marktteilnehmer. Thomas Kessler und sein Team sind in den wirtschaftlichen Fragestellungen sehr eng mit unserem Finanzteam abgestimmt, da liegt höchste Priorität auf den bestmöglichen Lösungen für den FC.
Wir haben den Vertrag bei Jonas Urbig so gestaltet, dass der FC noch länger dabei bleibt, wenn er sich gut entwickelt – und das tut er zum Glück.
Philipp Türoff
Viele Fans werden nervös, weil andere Vereine bereits bei Transfers in die Hufe gekommen sind.
Dann sollen die Mal in die Hufe kommen (lacht). Wir sollten uns davon nicht treiben lassen. Wir sind weiter als in den letzten Jahren, als wir vor allem auf ablösefreie Spieler schauen mussten. Jetzt können wir an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Phantasie entwickeln, an welche Spieler wir herantreten wollen. Aber klar, da ist die Konkurrenz auch sehr groß. Deshalb müssen wir geduldig bleiben.
Mit Jahmai Simpson-Pusey hat der FC einen Spieler fest verpflichtet, bei dem Sie die Höhe der Kaufoption noch einmal deutlich nachverhandeln konnten. Wird durch so einen Deal automatisch mehr Geld für andere Transfers frei?
Es muss ja immer darum gehen, einen Transfer bestmöglich für uns zu verhandeln. Dazu gehört aber auch, dass wir nicht vier Wochen vorher schon der ganzen Welt erzählen, dass wir genau diesen Spieler haben wollen, koste es, was es wolle. Da müssen wir manchmal öffentlich unverbindlich auftreten, damit wir in den Verhandlungen sagen können: Ja, wir haben Interesse, aber nicht um jeden Preis. In diesem Fall ist es gelungen.
Hat sich Manchester City denn eine Rückkaufoption oder Verkaufsbeteiligung gesichert?
Natürlich müssen Interessen immer in einen Ausgleich gebracht werden. City arbeitet mit Budgets, bei denen diese Personalie in der Größenordnung nicht dieselbe wirtschaftliche Relevanz hat. Trotzdem haben sie sich in den Gesprächen mit Thomas Kessler und Tim Steidten hingesetzt und sich das genau angeschaut. So kann die Idee entstehen, bei gewissen Entwicklungen später noch mal profitieren zu können. Darin liegen dann Spielräume, um die Verhandlungen zum Abschluss zu bringen.
Für den FC ist so ein Transfer trotz Nachverhandlung aber weiter eine Größenordnung, die nicht alltäglich ist.
Natürlich. Diese Größenordnung schlägt voll in unsere Budgetmöglichkeiten. Das ist ein Transfer wie in der letzten Saison Isak Johannesson. Das war hier eine Top-Schlagzeile, dass wir überhaupt mal wieder in so einer Größenordnung tätig werden konnten. Jetzt ist Jahmai ein weiteres Talent, dem wir zutrauen, dass er bei uns den nächsten Schritt macht. Das ist auch Teil unserer Entwicklung, und wie ich finde, einer sehr positiven Entwicklung.
Ein anderer Spieler könnte aus Italien nach Deutschland wechseln, der hier groß geworden ist. Würde der FC von einem Transfer von Yann Bisseck noch immer profitieren?
Das ist, wie bei Jonas Urbig, eine Frage, wie die Verträge ausgestaltet sind. Je nach dem kann man durchaus noch geraume Zeit beteiligt sein. Bei Jonas Urbig sind wir das, und bei Yann Bisseck auch schon lange Zeit.
Hat der FC bei Urbig jetzt auch noch mal profitiert, da er erstmals für die Nationalmannschaft nominiert wurde und gegen Finnland ein inoffizielles Spiel absolviert hat?
Das Freundschaftsspiel zählt nicht für das, was wir mit dem FC Bayern München vereinbart haben (lacht). Wir haben den Vertrag aber so gestaltet, dass der FC noch länger dabei bleibt, wenn er sich gut entwickelt – und das tut er zum Glück.








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