Ein Nachmittag zum Haareraufen: Obwohl der 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen beste Chancen auf den Derby-Sieg und damit eine Vorentscheidung im Abstiegskampf hatte, feierten sich am Samstag die Gäste als Nummer eins am Rhein. Die Geißböcke unterlagen mit 1:2 (0:1).
Aus dem RheinEnergieStadion berichten Marc L. Merten, Alexander Haubrichs und Martin Zenge
Egal, ob Derby oder Nachbarschaftsduell: Bei diesem Aufeinandertreffen stand so einiges auf dem Spiel. Für den 1. FC Köln ging es um einen der letzten Schritte zum Klassenerhalt, für Bayer Leverkusen um die Qualifikation zur Champions League. Letztlich kamen am Samstagnachmittag wohl beide rheinischen Rivalen ihrem Ziel näher, auch wenn nur Leverkusen jubelte.
Tore und Highlights
3. Minute: Die FC-Fans in der Südkurve zündeten zum Anpfiff unzählige Konfettikanonen, die Spieler auf dem Rasen zündeten den Turbo. Die Geißböcke legten los wie die Feuerwehr und profitierten von einem Leverkusener Patzer. Nach Quansahs Ballverlust war Sturmspitze Said El Mala schneller als die Bayer-Defensive, schob den Ball aber aus spitzem Winkel am langen Eck vorbei.
4. Minute: Die am Mittwoch gegen Bayern München aus dem DFB-Pokal ausgeschiedenen Leverkusener wirkten völlig von der Rolle. Jakub Kaminski tankte sich bis zum Fünfer durch, sein Abschluss landete jedoch nur am Außennetz. Da war deutlich mehr drin.
9. Minute: Nun war wieder El Mala an der Reihe. Nach einem Ballgewinn von Jahmai Simpson-Pusey konterte der FC. Linton Maina setzte El Mala in Szene, der mit links aus 17 Metern aufs linke Eck schlenzte. Doch Blaswich machte sich ganz lang und parierte.
13. Minute: Jetzt meldete sich auch Leverkusen in diesem rheinischen Duell an – mit einem Aluminiumtreffer. Ein haarsträubender Fehlpass von Eric Martel landete bei Schick, der freie Bahn hatte und noch vor dem Strafraum das linke Eck anvisierte. Der Tscheche scheiterte am Pfosten.
29. Minute: Das Spiel war nun offener, doch es war der FC, der mit seinem Chancenplus hätte in Führung gehen müssen. Nach einer Flanke von Marius Bülter bekam Bayer den Ball nicht weg, so durfte Eric Martel per Dropkick wuchtig abziehen – aber zu unplatziert, Blaswich war erneut zur Stelle.
35. Minute: Unfassbar, dass der FC hier nicht vorne lag! Nach einem verunglückten Rückpass von Quansah kam Blaswich aus seinem Tor, El Mala war allerdings schneller als der Leverkusener Torhüter und umkurvte diesen. Der Kölner Shootingstar ging aus spitzem Winkel auf das leere Tor zu – und schoss an den Pfosten!
43. Minute: Es kam, wie es kommen musste. Bei einem Chippball von Palacios war Eric Martel mit seinem komplett angelegten Arm am Ball. Schiedsrichter Robert Hartmann zeigte an, dass sich der Kölner Sechser aktiv in die Schussbahn bewegt habe und gab Elfmeter. Der Videoassistent beließ es bei der äußerst harten Entscheidung. Patrik Schick ließ sich die Gelegenheit zum 0:1 nicht nehmen, obwohl Marvin Schwäbe die richtige Ecke ahnte und noch am Ball dran war. So lag der FC nach einer der besten Halbzeiten dieser Saison zur Pause hinten.
52. Minute: Nach Wiederanpfiff drängte die Wagner-Elf direkt auf den Ausgleich, doch erst vergab El Mala und dann ließ Kaminski nach einem Konter über Maina frei vor dem Tor die Riesenchance zum 1:1 aus. Das rächte sich sofort. Leverkusen konterte, Tella ließ Sebastian Sebulonsen stehen und flankte ins Zentrum, wo sich Doppelpacker Schick gegen Cenk Özkacar durchsetzte und auf 0:2 erhöhte.
66. Minute: Der FC zeigte sich auch von diesem Nackenschlag keineswegs geschockt, ging allerdings fahrlässig mit seinen weiterhin vorhandenen Chancen um. El Mala probierte es wieder und wieder, nur das Glück fehlte ihm. Nun jagte er den Ball aus 14 Metern über die Latte.
77. Minute: Auch in der nächsten Szene blieb El Mala nach einem Dribbling in den Bayer-Sechzehner zunächst hängen, kam aber doch noch mal an den Ball. Der gerade erst eingewechselte Luca Waldschmidt rauschte heran und schoss aus kurzer Distanz zum 1:2 ein.
90+7. Minute: Nur noch der FC spielte. In der letzten Minute der Nachspielzeit war es dann Tapsoba, der nach einem Kopfball von Waldschmidt kurz vor der Linie den 2:2-Ausgleich verhinderte. 25:8 Torschüsse für die Geißböcke, auf der Anzeigetafel stand jedoch eine unnötige Niederlage.
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkacar, Lund (72. Chavez) – Johannesson (72. Waldschmidt), Martel (85. Niang) – Maina, Kaminski, Bülter (60. Castro-Montes) – S. El Mala
Zur Aufstellung: Ohne den verletzten Ragnar Ache setzte René Wagner im Angriff auf Tempo und ließ Said El Mala als alleinige Spitze beginnen. Marius Bülter rückte für Ache in die Startelf und kam über die linke Seite. Auf dem rechten Flügel ersetzte Linton Maina, der erstmals seit dem Derby gegen Gladbach loslegte, Jan Thielmann.
Fazit
Es war die bislang beste Leistung unter René Wagner, der 1. FC Köln spielte den Champions-League-Teilnehmer aus der Nachbarschaft phasenweise an die Wand. Das große Problem war die Chancenverwertung und damit auch das Ergebnis auf der Anzeigetafel. Während der FC eine Top-Möglichkeit nach der anderen vergeigte, schlug Leverkusen eiskalt zu. Und dennoch haben sich die Aussichten auf den Klassenerhalt am Samstag verbessert. St. Pauli verlor in Heidenheim, Wolfsburg kam gegen Gladbach nicht über ein 0:0 hinaus – so blieb das Polster auf den Relegationsplatz bei fünf Punkten. Nur noch drei Spiele sind zu gehen.






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