Elfmeter-Chaos: Schiri und DFB räumen Fehler ein – und ernten auch dafür Kritik

Marvin Schwäbe war beim Elfmeter in der richtigen Ecke, konnte das 0:1 aber nicht verhindern. (Foto: Bucco)
Marvin Schwäbe war beim Elfmeter in der richtigen Ecke, konnte das 0:1 aber nicht verhindern. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln zeigt sich mal wieder ratlos aufgrund einer Schiedsrichter-Entscheidung. Robert Hartmann und der DFB räumen nach dem strittigen Elfmeterpfiff beim 1:2 gegen Bayer Leverkusen ein: Weiterspielen wäre die bessere Wahl gewesen. Das sieht jedoch nicht jeder so.

In den vergangenen Wochen wirkte es, als sei das Spielglück zurück auf die Seite des 1. FC Köln gewandert. Endlich einmal waren es die gegnerischen Trainer und Spieler, die über die Schiedsrichter schimpften. Bei der 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen schlug das Pendel allerdings wieder um.

Es war die 41. Spielminute, die die starken Geißböcke im Derby auf die Verliererstraße brachte: Palacios wollte den Ball in den Kölner Strafraum chippen, Eric Martel wollte dies verhindern. Seinen rechten Arm komplett angelegt, bewegte sich der FC-Profi in die Flugkurve des Balles, berührte das Spielgerät mit Oberarm und Brust – Schiedsrichter Robert Hartmann entschied sofort auf Elfmeter, Patrik Schick verwandelte zum 0:1.

Wagner: „Wäre gut gewesen, ihm zur Seite zu stehen“

Und so waren es am Samstag wie so häufig in dieser Saison die FC-Verantwortlichen, die nach Abpfiff ihr Unverständnis über die Unparteiischen zum Ausdruck brachten. „Ich glaube, jeder, der das Bild sieht, wird nicht der Meinung des Schiedsrichters sein“, wurde Sportchef Thomas Kessler bei Sky deutlich.

„Grundsätzlich“ sei er zwar „ein großer Freund davon, dass die Schiedsrichter auf dem Platz entscheiden“. Aber: „Wenn es mal falsch ist, sollen sie darauf hingewiesen werden. Wir reden da immer von Schwarz-Weiß-Situationen. Ich finde, dass es heute schwer ist, da Grau zu finden. Ich finde, dass er da offensichtlich die falsche Wahrnehmung hatte.“

Trainer René Wagner stimmte dem Geschäftsführer zu und hatte keinerlei Verständnis dafür, dass der Videoassistent nicht einschritt: „Es ist kein Elfmeter für mich. Der Arm geht nicht raus, der ist hinterm Körper. Es hätte ein paar Leute gegeben, die dem Schiedsrichter hätten helfen können. Das wäre ganz gut gewesen, ihm zur Seite zu stehen.“

Hartmann erklärt Entscheidung und rudert zurück

Zum x-ten Mal in dieser Saison Ärger um den Schiedsrichter und den VAR – mal wieder wegen eines vermeintlichen Handspiels. Und Referee Hartmann gab den Kölner Verantwortlichen sogar recht, zumindest teilweise. Bei Sky erläuterte der Schiedsrichter seine Entscheidung zunächst wie folgt: „Ich nehme wahr, dass der Arm von Eric Martel ein Stück weit abgespreizt ist und er diesen Arm in die Flugbahn des Balles, die erwartbar war, führt. Deswegen habe ich auf Elfmeter entschieden.“

Die TV-Bilder widerlegten seine Eindrücke jedoch: „Natürlich wünscht man sich als Schiedsrichter in dem Moment, dass die Bilder das, was man auf dem Platz wahrgenommen hat, eins zu eins wiedergeben. Wenn ich mit ein bisschen Abstand auf die Bilder gucke, muss ich schon sagen: Der Arm ist sehr, sehr nahe am Körper.“ Hartmann gab daher zu: „Ich muss sagen, dass ich mich jetzt nach dem Spiel besser fühlen würde, wenn ich auf Weiterspielen entschieden hätte.“

Eine Situation für den VAR, da widersprach der 46-Jährige dem FC, sei dies dennoch nicht gewesen. „Das ist für mich keine Schwarz-Weiß-Szene, damit hatte der Videoassistent nicht die Möglichkeit, mich in die Review-Area zu schicken.“

Kessler: „Mindestens einen Punkt gekostet“

So waren schon die vehementen Proteste auf dem Platz vergebens. „Wir haben nicht nur einmal mit dem Schiedsrichter diskutiert“, berichtete Kapitän Marvin Schwäbe. „Er meinte, dass Eric aktiv zum Ball geht und es deshalb mit dem Arm strafbar ist.“ Martel selbst verzweifelte: „Mehr als den Arm hinter meinem Körper lassen, kann ich nicht. Ich weiß nicht, wohin ich den Arm sonst tun soll.“

Der Defensiv-Allrounder sprach von einer „natürlichen Bewegung zum Ball“ und beteuerte: „Es ist niemals gewollt, dass ich den Ball mit dem Arm spiele, sondern mit der Brust. Deswegen finde ich es hart, dass er es sich nicht einmal draußen anschaut. Da gab es in der Bundesliga ganz andere Situationen, in denen der Schiedsrichter noch mal rausgegangen ist.“

Kessler glaubte indes nicht, dass der FC ohne die strittige Entscheidung verloren hätte. „Man muss sagen, das hat uns zumindest mal einen Punkt gekostet, und ich würde vielleicht sogar einen Schritt weitergehen.“ Für die Geißböcke wäre an diesem Tag auch ein Sieg möglich gewesen.

Kritik für Hartmanns Selbstkritik

„Es ändert immer ein wenig die Statik des Spiels, wenn Bayer Leverkusen 1:0 auswärts bei uns führt“, ärgerte sich Kessler, hob jedoch auch hervor: „In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass wir gegen ein Team mit Champions-League-Ambitionen gute Entscheidungen mit dem Ball getroffen haben, uns viele gute Chancen erarbeiteten. Insgesamt bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden.“

Was das Elfmeter-Wirrwarr quasi noch abrundete: Hartmann kassierte auch für seine ehrlichen Worte nach Schlusspfiff deutliche Kritik. „Chaos pur“, schrieb Ex-Top-Schiedsrichter Manuel Gräfe bei X. Die „richtige Entscheidung“ sei vom Referee selbst infrage gestellt worden. Denn: „Der Oberarm wird absichtlich in die Flugbahn gebracht. Absicht steht über allem.“ Die Intention sei „wichtiger als Entfernung oder Armhaltung“.

Auch Sky-Experte Didi Hamann sah einen korrekten Elfmeter und wunderte sich über Hartmann: „Der Herr Hartmann hat es geschafft, dass ich wirklich das erste Mal sprachlos bin.“ Hamann vertrat die Meinung, einen „viel klareren“ Strafstoß wie jenen gegen Martel könne es nicht geben.

Alex Feuerherdt, Sprecher der DFB-Schiedsrichter, widersprach dem wiederum: „Die Armhaltung ist das ausschlaggebende Kriterium“, sagte Feuerherdt am Sonntag dem Kicker. „Der Spieler bewegt den Arm hinter den Körper, versucht durch die Armhaltung das Handspiel zu vermeiden. In solchen Fällen soll nicht auf strafbares Handspiel entschieden werden.“ Somit räumte auch der DFB den Fehler ein. Diskutiert wird aber weiterhin.

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