Was bei anderen Mannschaften durchaus Zoff-Potenzial hätte, demonstrierte beim 1. FC Köln, wie groß der Zusammenhalt im Abstiegskampf ist: Torjäger Said El Mala ließ Routinier Luca Waldschmidt ohne Widerworte zum Elfmeter antreten – und half vor der Ausführung noch mit einer Schauspieleinlage.
Aus dem Stadion am Millerntor berichtet Martin Zenge
Fünf Monate hatte der 1. FC Köln bis zum Bremen-Spiel auf einen Elfmeter warten müssen. Nun bekamen die Geißböcke zwei Strafstöße innerhalb von sechs Tagen zugesprochen. Beim 1:1 auf St. Pauli am Freitagabend sicherte Luca Waldschmidt dem FC vom Punkt aus einen extrem wichtigen Punkt für die Tabelle.
Es war sein zehnter Elfmeter in der Bundesliga, neun davon landeten im Netz. Somit überraschte es nicht, dass Waldschmidt verwandelte – dass es der 29-Jährige war, der zum Strafstoß antrat, schon eher. Denn dem Kölner Ausgleich ging ein Verwirrspiel voraus.
Waldschmidt lüftet Elfmeter-Geheimnis
Nachdem Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck sich das Foul von Karol Mets an Jakub Kaminski nach Eingriff des VAR am TV-Bildschirm noch einmal angeschaut und auf Elfmeter entschieden hatte, schnappte sich zunächst Said El Mala den Ball. Am vergangenen Sonntag beim 3:1 gegen Bremen hatte der 19-Jährige seinen ersten Profi-Strafstoß souverän verwandelt, am Freitag hätte er sein zwölftes Saisontor nachlegen können. Doch stattdessen probierte sich El Mala als Schauspieler.
Waldschmidt verriet nach Abpfiff: „Als der Schiri raus ist, haben wir kurz gesprochen. Said hat mich am Mittelkreis direkt gefragt, ob ich ihn nehme. Ich habe ‚ja‘ gesagt und er meinte nur: ‚Gut, dann mach ihn!“ Dennoch schnappte sich El Mala zunächst den Ball. „Er wollte im Sechzehner noch mal Verwirrung stiften nach dem Motto: Er nimmt den Ball, damit der Torhüter denkt, er schießt. Das war ein smarter Move“, meinte Waldschmidt, der mit links sicher ins rechte Eck verwandelte.
Da sieht man: Die Mannschaft steht gut zusammen, jeder freut sich für den anderen.
rené Wagner
Für René Wagner stand die Szene stellvertretend für die gute Stimmung in der Mannschaft. „Luca hat sich mit dem Tor belohnt. Ich möchte da aber gerne noch mal Said hervorheben, der sich den Ball genommen und an Luca abgegeben hat. Da sieht man: Die Mannschaft steht gut zusammen, jeder freut sich für den anderen“, sah der FC-Trainer einen Beweis für den Teamgeist.
Warum Wagner keinen Schützen bestimmt
Wie schon vor dem Bremen-Spiel hatte Wagner keinen konkreten Schützen festgelegt. „Die Jungs klären das auf dem Platz. Wenn wir jemanden einteilen, der sich dann aber in der Situation nicht gut fühlt, bringen wir ihn in eine Lage, in der er gar nicht sein möchte. Das hilft niemandem“, erklärte der 37-Jährige seine Herangehensweise und schob nach: „Was wir nicht sehen wollen, ist, dass sie sich streiten. Das haben sie gut gelöst.“
Torhüter Marvin Schwäbe gab sich in der Elfmeter-Frage ganz ergebnisorientiert und sagte lachend: „Solange derjenige, der antritt, trifft, ist es mir scheißegal.“ Doch auch der Kapitän hatte vollstes Vertrauen in Waldschmidt. „Luca hat es in der Vergangenheit immer gut gemacht. Die Jungs legen sich die Elfmeter am Ende beim Training immer hin und üben das. Da ist Luca enorm sicher.“ Die Schauspieleinlage allerdings dürften die FC-Profis nicht geprobt haben.







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